Die Verweigerung des Rufs

“Wenn Dein Weg ganz klar vor Dir liegt und Du jeden Schritt schon im Voraus kennst, dann ist es nicht Dein Weg. Deinen eigenen Weg erschließt Du Dir mit jedem einzelnen Schritt, den Du machst – während Du gehst.” Joseph Campbell

WAAAS… werden jetzt Einige von euch denken? Jetzt hat sie uns so schön erklärt, dass die Gewohnte Welt einen Mangel hat und wir haben den Ruf zum Abenteuer gehört – und JETZT sollen wir den verweigern? Nein, ihr sollt nicht, ihr werdet. Einfach weil es in der Natur der Dinge liegt. Denn sobald eure Berufung oder der Mensch, der ihr im besten Fall sein könntet, zum Greifen nah ist, werdet ihr Entschuldigungen suchen. Keine Angst, das geht nicht nur euch so, sondern jedem Menschen. Eigentlich ist es sogar ganz OK, denn es zeigt, dass ihr nicht völlig verrückt seid. Ihr spürt schon jetzt, dass das Abenteuer, das auf euch wartet, viele Herausforderungen für euch bereithält. Ihr werdet viel Energie brauchen, um sie zu bewältigen. Euer ganzes Leben wird sich verändern. Und wenn das kein guter Grund ist, zu sagen: “Warte eine Sekunde! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich will!” – dann habe ich nie einen guten Grund gesehen.

Denkt einfach mal ein paar tausend Jahre zurück. Wir sind hier, weil unsere Vorfahren eine Menge richtiger Entscheidungen getroffen haben. Immer haben sie die Sicherheit des Stammes über ihre eigene Erfüllung gestellt. Damals war es eine Frage des Überlebens, genau zu wissen, wann man besser wieder zurück in die Höhle flüchtet und wann man rausläuft, um das Mammut zu attackieren. Wenn man nur EINMAL ein schlechtes Timing hatte, musste man das mit dem Leben bezahlen und schwächte seinen Stamm.

Wenn ihr also Entschuldigungen vorschiebt, sobald eure Chance daherkommt, im Rampenlicht zu stehen, spricht wahrscheinlich euer Körper mit euch. Er will euch sagen, wie man überlebt. Schließlich sind all diese Erfahrungen durch die Evolution in ihm abgespeichert. Wenn euer Herz für das, was ihr in der neuen Welt erahnt wirklich leidenschaftlich schlägt und ihr euch selbst liebt, bleibt euch nur Eines: Tief durchzuatmen, einen Moment innezuhalten und dann laut zu sagen:

“Danke für die Warnung. Aber gerade in diesem Moment, kann ich keine Mammuts sehen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich direkt sterben werde, nur weil ich in meinem Leben etwas verändern will. Es kann sein, dass ich ein paar Mal an meine Grenzen stoße, aber es wird nichts Fürchterliches geschehen. Ich lerne gerade etwas dazu. Das geht nur, weil ihr, meine Vorfahren, immer den sicheren Weg gewählt habt. Dafür vielen Dank. Wünscht mir Glück.” Und dann dreht ihr euch um und schaut nie mehr zurück.

Sobald ihr das getan habt, fängt das Dilemma erst richtig an. Sofort wird euer innerer Zensor zu euch sprechen. “Ich war noch nie in meinem Leben in irgendetwas besonders gut. Ich will mich nicht beschweren, es läuft ja alles. Aber ich habe eben kein herausragendes Talent. Wie soll ich jemals jemanden finden, der mich liebt? Wie soll ich an meinen Traumjob kommen? Ich glaube, dass ich einfach nicht interessant genug bin, um solche Chancen zu verdienen.“

Ich will eurem inneren Zensor nicht widersprechen – das überlasse ich lieber Joseph Campell, dem Entdecker der Heldenreise.

„Ich habe mich immer unwohl gefühlt, wenn jemand über „Normalsterbliche“ gesprochen hat. Das mag daran liegen, dass ich noch nie einen „gewöhnlichen“ Mann, eine „gewöhnliche“ Frau oder ein „gewöhnliches“ Kind getroffen habe.”

Jeder, auch ihr, ist besonders gut in irgendetwas. Lasst euch von eurem inneren Zensor bitte nichts anderes erzählen oder euch dazu überreden, ein langweiliges Leben zu führen. Haltet euch nicht an Angst-Sätzen wie diesen hier fest: “Ich finde mein Leben so wie es ist ganz in Ordnung. Es ist zwar nicht besonders aufregend, aber ich mag es, wie es ist. Wenn jetzt die Zeit stehenbleiben würde, wäre alles in Ordnung.“

Noch eine andere Art von Verweigerung wird aus den eigenen Reihen kommen, von den Menschen, die euch am Nächsten stehen. Sie werden versuchen, euch von eurer Reise abzuhalten. Wir nennen sie jetzt mal „Schwellenhüter“ – und diese Art Menschen kennen wir ALLE.

Es ist eure Mutter, die sagt: “Du hast einen sicheren Job und musst Deine Familie ernähren. Ich dachte, ich hätte Dich besser erzogen als JETZT, in Zeichen wirtschaftlicher Instabilität, egoistische Entscheidungen zu treffen.”

Es ist euer alter Freund, der sagt: “Bist Du Dir sicher, dass er der Richtige ist? Ich hasse es, Dich daran zu erinnern, aber Dein letzter Mr. Right sitzt gerade wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis!”

Es ist euer Arbeitskollege, der sagt: “Du und ein Schriftsteller??? Alles, was ich von DIR gehört habe, wenn es darum ging, einen Bericht zu schreiben, war: ‘Wer kann das für mich übernehmen?‘”

Es ist eure eifersüchtige Schwester, die sagt: “Na klar, dass DU jetzt ein Haus bauen willst und damit MEIN Erbe verschleuderst – Papa hat Dich ja schon immer bevorzugt.”

Und es ist eure Nachbarin, die hinter eurem Rücken schlecht über euch redet: “Schwanger – schon wieder? Sie ist doch mit den Kindern, die sie jetzt hat, schon völlig überfordert.”

Kein Grund sauer zu sein – all diese Menschen haben nur Angst, dass ihr aufhört euer Leben auf IHRE Art zu leben. Sie haben Angst, dass ihr sie überholt und hinter euch lasst. Und diese Angst ist bei manchen durchaus berechtigt, denn ihr werdet all die in der Gewohnten Welt zurücklassen, die schon immer verhindern wollten, dass ihr wachst und euch verändert. Das sind alle, die versuchen, euch vor der neuen Welt zu warnen. Die euch sagen, dass etwas unmöglich oder inakzeptabel ist oder einfach viel zu verschieden von dem, was sie als die Norm bzw. sicher betrachten. Ihr habt es sicher schon geahnt: Es sind die Menschen die am lautesten schreien, um euch zurückzuhalten.

Joseph Campbell hat dazu einen prima Satz auf Lager: „Wir müssen bereit sein, das Leben, das wir geplant hatten, aufzugeben, um das Leben zu bekommen, das auf uns wartet.”

Vielleicht habt ihr den Film “Das Streben nach Glück” mit Will Smith gesehen (Wenn nicht: Holt das unbedingt nach, denn er ist nicht nur gut, sondern auch ein Musterbeispiel für eine gut erzählte Heldenreise.) In diesem Film gibt es eine Szene in der Chris (Will Smith) und sein Sohn Christopher (gespielt von Wills Sohn Jaden) zusammen Basketball spielen. Christopher spielt sehr gut und hat große Freude daran. Sein Vater, der das erkennt, schaltet plötzlich auf Überlebensmodus um. Er will, dass sein Sohn glücklich ist – und will ihm mögliche Enttäuschungen ersparen. Er möchte, dass er immer auf der sicheren Seite steht und sagt deshalb zu ihm:

“Also ich weiß nicht so Recht. Du wirst wahrscheinlich so gut, wie ich früher war. So läuft das meistens, und ich war bloß unterer Durchschnitt. Das heißt Du wirst es unterm Strich auch nicht so weit bringen. Also wirklich, Du hast sicher viele andere Talente, nur das nicht. Ich will nicht, dass Du Tag und Nacht mit dem Ball durch die Gegend rennst, verstanden?”

Nach dieser deprimierenden Aussage ist Christopher die Enttäuschung in Person. Er wirft den Ball weg und packt ihn – genauso wie seine Träume – in eine Plastiktüte. Plötzlich wird seinem Vater klar, dass er einen großen Fehler gemacht hat. Er hat seinen Sohn in vollem Lauf gestoppt. Er hat wie ein Schwellenhüter gehandelt, anstatt seinen Sohn bei seinen Träumen und Talenten zu unterstützen, gegen alle Widerstände. Aber dann passiert etwas Wunderschönes. Man kann sehen, wie die Liebe für seinen Sohn seine Angst überflügelt und er sagt:

“Hey – lass Dir von niemandem je einreden, dass Du etwas nicht kannst. Auch nicht von mir. OK? Wenn Du einen Traum hast, must Du ihn beschützen. Wenn andere was nicht können, wollen sie Dir immer einreden, dass Du es auch nicht kannst. Wenn Du was willst, dann mach es. Basta.”

Wie Recht er hat. Wenn Du Deine Talente leben und Deine Träume umsetzen willst, gibt es nur eine einzige Möglichkeit. Du musst weitergehen und Dich ausschließlich mit Menschen umgeben, die Dich unterstützen und an Dich glauben. Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass Du tun musst, was andere von Dir erwarten. Die Erwartungen der Anderen sind die Erwartungen der Anderen. Aber eines ist Tatsache: Wenn Du Deinem Ruf zum Abenteuer nicht folgst, wirst Du nicht das beste Leben leben, was für Dich möglich ist. Und Du wirst nicht das erleben, was für Dich „drin“ wäre. Das Leben ist viel zu kurz, um so einen faulen Kompromiss einzugehen. Setz Dich selbst an die erste Stelle. Go Go go!