Erneuerung / Verwandlung – Die endgültige Hinwendung zur großen Veränderung

In “Pretty Woman” entscheidet sich Vivian, wieder zu studieren und ein neues Leben anzufangen. Damit kehrt sie zurück in die Gesellschaft – und kleidet sich auch dementsprechend. Stretchkleider gehören genauso der Vergangenheit an, wie das Leben als Prostituierte – all das muss symbolisch “sterben”, damit Vivian sich komplett verwandeln kann. Ihre Persönlichkeit hat sich verändert – sie weiß, dass sie etwas wert ist und verhält sich auch so. Damit ist sie ein Bilderbuchbeispiel für das, was einen Charakter in der 11. Stufe im Idealfall ausmacht. Sie hat sich die besten Seiten ihres alten Selbst (wie z.B. die Fähigkeit, an einen Traum zu glauben) bewahrt, und sich gleichzeitig alle Lektionen gemerkt und sich zu eigen gemacht, die sie auf ihrer Reise gelernt hat.

Die Stufe 11: Das könnt ihr sein, wenn eure Kinder endgültig das Haus verlassen und ihr mit eurem Partner zum ersten Mal wieder so leben werdet, wie ihr das vor eurer Familiengründung getan hat. Liebevoll einander zugewandt aber mit einer viel tieferen Verbindung als früher, als ihr nur zu zweit wart und das Wunder einer gemeinsamen Familie noch nicht erlebt hattet.

Eine andere Funktion dieser Stufe ist die Reinigung. Ihr versöhnt euch wirklich, lacht wieder miteinander und alles was euch vorher gestört hat, scheint verflogen. So wie in Notting Hill, als Hugh Grant alias William in der Pressekonferenz vor Julia Roberts alias Anna steht und sie bittet, ihm zu verzeihen. Gleichzeitig steht er damit auch kurz vor seinem eigenen “Tod”, einer Abfuhr von der Frau, die er liebt.

In Filmen wird die Stufe 11 auch oft von einer Veränderung des Äußeren begleitet, wie bei John Dunbar, der in “Der mit dem Wolf tanzt” ab diesem Moment die Kleidung der Sioux trägt. Manchmal ändern sich auch die eigenen Fähigkeiten noch einmal – oder zumindest werden sie einem das erste Mal wirklich bewusst. In “Matrix” kann Neo z.B. plötzlich die Kugeln “anhalten”, die auf ihn abgefeuert wurden und mit ihnen “spielen”.

Diesmal steht nicht “nur” eure geistige und körperliche Gesundheit auf dem Spiel. Diesmal geht es um das Wohlergehen einer ganzen Welt, manchmal auch Wertewelt. Das ist Erin Brockovich, die allen erkrankten Personen sagen kann, dass sie eine hohe Entschädigung bekommen. In allen Weltuntergangsfilmen ist genau jetzt klar, dass die Welt doch nicht untergehen, sondern gerettet wird. Der endgültige Sieg des Guten über das Böse, den gibt es nur in dieser Stufe.

In „Die Hochzeit meines besten Freundes“ gibt Julia Roberts deshalb endlich ihre Haltung auf und versucht nicht mehr die Stelle von Cameron Diaz einzunehmen. Anstatt dessen siegt das Gute in ihr. Sie springt über ihren Schatten und „leiht“ dem Brautpaar zum Hochzeitstanz das Lied, das einmal ihr und ihrem besten Freund „gehört“ hat. Damit verwandelt sie sich endgültig von einer emotional chaotischen und besitzergreifenden – wenn auch liebenswerten – Person zu einer Frau, die selbstlos ist und anderen ihr Glück von Herzen gönnen kann. Also: die endgültige Hinwendung zur großen Veränderung.