Rückkehr mit dem Elixier

In der letzten Stufe der Heldenreise kehrt ihr mit dem Elixier zurück. Aber was heißt das genau (und diesmal bitte ich euch wirklich, bis zum Ende zu lesen – ich meine, was wäre die ganze Reise ohne Ende???)?

Ihr erreicht jetzt einen Status, in dem ihr es schafft, den höchsten Nutzen all dessen, was ihr auf der Reise gelernt habt, in euer Leben zu integrieren. Euer Leben wird also viel besser. Lasst mich das mal an einem einfachen Beispiel aus der Konsumwelt klarmachen.

Jetzt beherrscht ihr den Umgang mit dem iPhone. Ihr kocht mit dem Thermomix. Ihr integriert Produkte, die ihr auf eurer Reise kennengelernt habt und deren Nutzen ihr zu schätzen wisst, in eure neue Welt. Wenn wir die Stufe 12 an nachfolgende Generationen weitergeben und diese darauf aufbauen können, heißt das „technischer Fortschritt“.

Das Elixier kann unterschiedlichste Formen haben. Wichtig ist nur, dass man durch seinen „Besitz“ viel besser dasteht als vorher. So wie in dem Film „Erin Brockovich“, in dem Julia Roberts eine alleinerziehende Mutter spielt, die immer knapp bei Kasse ist. Am Ende des Films kehrt sie mit ihrem Elixier zurück – einer neuen sozialen Wertigkeit und Anerkennung durch die Gesellschaft. Jetzt ist sie eine wohlhabende und angesehene Anwältin.

Manchmal ist es nicht der Held, der sich am meisten verändert, sondern sein Umfeld. Ein gutes Beispiel – wenn auch durch die Verdrehung der Zeitkomponente nicht ganz einfach auf unseren Alltag zu übersetzen – ist Marty McFly in “Zurück in die Zukunft”. Nicht ER hat sich am Ende des Films am meisten verändert, sondern sein Vater und seine Familie.

Die Stufe 11 ist die Auflösung, das Ende der Geschichte und die Vollendung des Kreises. Ihr habt auf eurer Reise viel dazugelernt und könnt einen neuen Sinn in Vielem erkennen. Das ist einer der Gründe, warum in Filmen jetzt meist ein Bild oder eine Redewendung aus Akt 1 wiederholt und mit einer neuen Bedeutung aufgeladen wird.

Sicher erinnert ihr euch noch an Jerry Maguire und Tom Cruise magischen Satz “Du vervollständigst mich”. Zum ersten Mal kommt dieser Satz vor, als Tom und Rene Zellweger mit einem taubstummen Liebespaar im Fahrstuhl fahren. Die beiden unterhalten sich in Zeichensprache und er sagt zu ihr: Du vervollständigst mich. In der Stufe 12 schlägt Tom in Renes Wohnzimmer auf und sagt diesen Satz zu ihr, weil er durch das, was er erlebt hat, diesen Worten einen neuen Sinn geben kann.

Oder denkt mal an die Sofaszenen in Harry und Sally oder Mr. und Mrs. Smith – zu Beginn des Films und an die letzte Szene.

Bei Pretty Woman wird dieses Stilmittel anders eingesetzt. Es gibt den “Happy Man”, der sowohl am Anfang des Films, als auch am Ende durchs Bild läuft und jeweils ähnliche Worte sagt:

Welcome to Hollywood! What’s your dream? Everybody comes here; this is Hollywood, land of dreams. Some dreams come true, some don’t; but keep on dreamin‘ – this is Hollywood. Always time to dream, so keep on dreamin‘.“

Diesmal sind wir Zuschauer diejenigen, bei denen das Elixier freigesetzt wird. Denn nachdem wir den Film gesehen haben, in dem das Unmögliche wahr wird (von der Prostituierten zur Ehefrau eines Milliardäres), haben wir auch neue Hoffnung für unser Leben und auch unsere Träume scheinen plötzlich viel greifbarer.

Aber wie merkt ihr, dass ihr in eurem Leben und auf eurer Heldenreise in der Stufe 12 angekommen seid? Ganz einfach. Ihr beherrscht das Problem. Ihr habt die Schulden abgezahlt. Ihr habt euer Traumgewicht erreicht. Ihr löst die Aufgabe, die zu Beginn eurer Heldenreise unmöglich schien.

Ich weiß, dass viele von euch einen Traum haben, den sie noch nicht ereicht haben, aber ganz bestimmt erreichen können. Deshalb ist mein Video für euch heute der Happy Man aus Pretty Woman, der jeden, der ihm entgegenkommt fragt: Was ist Dein Traum? Wenn ihr das wisst, bitte ich euch nur um Eines: Macht euch auf den Weg, tretet eure Reise an und kommt wieder. Nicht als der, der ihr sein könntet, sondern als der, der ihr seid. Denn wie Joseph Campbell, der Entdecker der Heldenreise sagt:

“Das Privileg Deines Lebens ist es, Du selbst zu sein.”