Ihr Lieben,

auf die Gefahr hin, mich anzuhören, wie meine eigene Großmutter: Bloggen ist nicht mehr, was es mal war. Und das meine ich im bestmöglichen Sinne. Als ich vor neun Jahren angefangen habe, war Bloggen etwas vollkommen Exotisches. Also so exotisch, dass ich a) zuerst immer erklären musste, dass man Blog NICHT mit „ck“ schreibt und dass b) niemand wusste, was so ein Blog eigentlich soll – oder was man darauf macht.

Es gab weder Pinterest noch Instagram und kaum jemand in Deutschland war auf Facebook. Damals war Bloggen eine Mischung aus Liebhaberei, Tagebuch und Austausch mit Gleichgesinnten. Es gab weder die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen, noch gab es Blogagenturen oder Blogger Relations oder Blog press days oder Bloggerreisen oder Blog Awards. Und von Influencern hatte auch noch nie jemand gehört.

Damals habe ich viel genäht und viel gemalt. Meine Kinder waren klein und all das waren Dinge, die ich für sie oder mit ihnen gemacht habe. Und drumherum habe ich halt geschrieben und mehr schlecht als recht fotografiert.

zeit1Die 4-jährige Lissy und ihre Kusine Paula malen Kartons an. Halloween war schon immer unser Ding.

zeit2Das letzte Bild, das ich gemalt habe, ist 8 Jahre alt und hängt noch heute in Ludwigs Zimmer. Es ist echt groß und untypisch für mich. Denn am liebsten zeichne ich nur mit einem schwarzen Stift.

Tatsächlich ist auf meinem ersten Blog kein einziges Rezept. Von Food Blogs hatte ich noch nie gehört. Und weiß auch gar nicht, ob es sowas damals in Deutschland schon gab. Heute gibt es alles – und von allem viel. Ich merke: Es ist Zeit für mich, das Bloggen neu zu erfinden. Also nicht ich stellvertretend für alle. Sondern ich für mich.

Warum? Weil all diese Neuerungen zwar ein Zeichen des Fortschritts sind und ihre Berechtigung haben, aber ich einfach nicht so ticke. Deshalb aufgepasst – alles was ich jetzt schreibe gilt NUR für mich. Jeder darf machen was er will, aber ICH will eben nur auf meine Art bloggen. Und das heißt vor allem, dass es auch Dinge gibt, die ich NICHT tue.

zeit4Mein erstes Blogger Büro bei uns daheim anno 2008.

Ich möchte keine Anzeigen schalten und Fans kaufen, um höhere Zahlen zu erzielen, weil das heute eine Währung ist (denn machen wir uns nichts vor – das ist Teil jedes Businesses, in dem es einen Verdrängungsmarkt gibt.) Ich will keine Koops fahren müssen, die nicht zu mir passen, weil ich Geld brauche.

Wenn ich etwas für Geld mache, dann sind es Jobs abseits meines Blogs. Ein Seminar, ein Workshop, eine Keynote, ein Online Kurs. Ich erstelle Content für andere Plattformen und Unternehmen oder berate. Damit fühle ich mich wohl, denn das hat etwas mit meinem Wissen zu tun.

Ich will mit meinen Inhalten überzeugen. Und vor allem: Ganz und gar ich selbst sein.

Gerade habe ich ohne wahnsinnig viel zu schreiben die 175.000 Leser Marke überschritten. Das gelingt mir zum einen, weil ich mit jahrelangem Trial and Error verstanden habe, wie der Hase läuft und woher ich wann wie welchen Traffic bekomme. Und ja, das geht ganz ohne Anzeigen und ohne Beziehungen (ich habe keine).

Zum anderen habe ich diese hohen Leserzahlen, weil ich Dinge mache, die ich selbst liebe und gut finde.

Wenn die Zeiten sich also ändern und das System nicht mehr das gleiche ist, ist es meine Aufgabe als kreativer Mensch mich zu fragen: Was daran gefällt mir? Was daran gefällt mir nicht? Und was möchte ich tun, um mich weiterzuentwickeln – denn in einem sich verändernden Umfeld weiterzumachen wie bisher, heißt zurückzufallen.

1. Was daran, wie Bloggen und die Blogger-Szene heute funktionieren, gefällt mir?

Oh – DIE Liste ist lang. Ich sage ganz oft: „Bloggen ist gelebter Feminismus.“ Und das ist wohl auch das, was ich am meisten liebe. Dass jeder jederzeit einfach loslegen und sich ein Publikum suchen kann. Ich habe wirkliche Freunde unter Bloggern gefunden, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Ich habe gesehen, wie Frauen (und auch Männer) aus dem NICHTS etwas aus dem Boden stampfen und damit ihre Familien ernähren. Dass Blogger heute Ernst genommen werden, finde ich wundervoll. Dass Blogger Firmen beraten und bei Agenturen gelistet sind – all das ist aufregend und zeigt, wie wir uns hier in Deutschland im letzten Jahrzehnt eine Berechtigung und Relevanz erbloggt haben. Das macht mich stolz.

Auch dass Frauen (gerade in der Babypause) sich vielerorts nicht mehr alleine fühlen müssen, sondern sich mit Gleichgesinnten austauschen können, ist viel Wert. Genauso wie die unendliche Vielfalt an kreativen Ideen, die Blogger verbreiten. Und die sich in vielen Familien in ihren Häusern, bei ihrer Urlaubsplanung, in ihrem Bewusstsein und ihrem erweiterten Radius niederschlagen.

Was ich besonders toll finde ist, dass schon für viele sehr junge Frauen Bloggen eine Berufsoption ist. Sie bringen frischen Wind in die Szene und so bleiben wir modern und zeitgeistig – und das ist heute fürs Überleben wichtiger, als je zuvor.

2. Was daran gefällt mir nicht?

Ihr kennt ihn auch, den fünftausendsten Mom- oder Foodblog. Und überall sieht man die gleichen Themen und Kooperationen. Oft fehlt mir die Unverwechselbarkeit, die eigene Stimme. Bloggen ist für mich so viel mehr als ein Herbstrezept und ein gutes Instagrambild. Ja klar, Saisonalität MUSS sein (sagte die, die mit saisonalen Artikeln ihre Reichweite erzielt). Aber eben mit einem klaren USP und einer Ansprache, die die eigene Community mag.

Dann gibt es die ganzen Trittbrettfahrer aus der Reihe der Konzerne. (Reichweitenstarke) Blogger können sich vor ungewollten Mails, unpassenden Kooperationsangeboten und unverlangt eingehenden Päckchen kaum retten. Doch nur wenige können das wirklich: Gute Advertorials mit eigenem Dreh und einer Story schreiben. Das ist die Königsdisziplin.

Was ich gar nicht mag: wenn mein Instagram Feed für Wochen voller Joghurt/Bastelsets/Wasserflaschen ist. Weil mal wieder EINE Aktion auf 50 Blogs gleichzeitig gefahren wird. Dann merke ich: Der Kapitalismus hat endgültig Einzug gehalten und die Firmen haben wohl keine Lust, sich individuellere Konzepte auszudenken. Auch die Themen, die mein Herz berühren, finde ich nur noch bei Wenigen. Dabei ist es doch gerade das, was das Bloggen immer ausgemacht hat.

Aprops Instagram Feed. Das plötzlich alles wichtiger ist, als der eigene Blog, habe ich auch schon mal erlebt (muss ja auch Vorteile haben, dass ich schon so lange dabei bin). Damals, als Facebook bekannter wurde, habe auch ich eine Zeit lang weniger gebloggt. Wir dachten alle, dass Facebook ja viel praktischer ist, da man gleich mit so vielen Menschen gleichzeitig vernetzt ist. Aber nach einiger Zeit war klar: Wichtig ist und bleibt die eigene Seite im Netz, als Platz, an dem man auch längere Texte schreiben und seine Persönlichkeit zeigen kann.

Ich mache kein Snapchat, denn ich habe selbst kaum Zeit Snapchat zu schauen. Ich nehme noch keine Insta Stories auf, weil ich es nicht schaffe, die meiner Insta Kontakte anzusehen. Und auch weil mein Leben oft nichts hergibt, was broadcasttauglich ist. Aber ich blogge – regelmäßig. Und ich bin zuverlässig auf Facebook, Pinterest und Instagram zu finden.

3. Wie möchte ich mich weiterentwickeln?

Wie möchte ich in Zukunft bloggen? Um diese Frage zu beantworten, habe ich zuerst mal das getan, was jeder guter Unternehmer tut, wenn er sich verändern will. Ich habe mir die Zahlen der Vergangenheit angeschaut. Zum einen meine Google Analytics Statistik, zum anderen meinen Facebook Feed. Und das ist jetzt lustig.

Wenn ich mir das nämlich alles oberflächlich anschaue, sieht es so aus, als müsste ich NUR NOCH Kochrezepte und Bastelideen posten. Denn nehme ich alle Jahre zusammen und scrolle runter, sehe ich auf den ersten 100 Plätzen nur diese Art von Posts und Themen.

Also habe ich überlegt, woran das liegt – denn seit ich angefangen habe zu bloggen, hat sich ja nicht nur das Bloggerbusiness verändert, sondern auch das Web. Um genau zu sein: Das Visual Web hat Einzug gehalten. Deshalb performen Posts, die visuell ziehen, besonders gut. Ganz egal ob es Bilder sind oder Videos – nur Text reicht schon lange nicht mehr. Und das trifft sich gut. Denn nur Text reicht auch mir schon lange nicht mehr.

Meine Weiterentwicklung wird definitiv vor allem im visuellen Bereich stattfinden. Und da Fotografie noch nie mein Lieblings-Medium war, werde ich viel zeichnen und mich mit Grafikprogrammen beschäftigen. Auch Videos kann ich mir vorstellen.

Ich bin überzeugt davon, dass jeder Blogger, der nicht 20, hip und bildschön ist, sich visuell auf den Weg machen muss, um zu überleben. Ich sehe viele, die kämpfen. Spreche mit Bloggern, deren Zahlen seit Jahren stagnieren. Das muss nicht so sein. Da lässt sich so viel machen. Und der Anfang sollte sein, an der eigenen visuellen Unverwechselbarkeit zu arbeiten. Ich werde das jetzt mal wieder nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in der Tiefe tun. Von Zeit zu Zeit steht das einfach an.

Aber eins ist diesmal wirklich anders. Als ich damals das Schreiben gelernt habe (denn das habe ich in der Hauptsache hier mit euch gelernt, im Rahmen von 1.400 Posts – da war einfach genug Zeit zum üben), haben am Anfang nur 200 Menschen mitgelesen. Und mit denen war ich persönlich befreundet.

Nun bin ich zwar nicht unbegabt was das Zeichnen angeht, aber ich habe das nie geübt. Ich bin also noch auf dem Stand meines „Anfängertalents“. Mit dem Unterschied, dass heute nicht 200, sondern eben 175.000 Menschen da sind. Anstatt mir darüber aber jetzt einen Kopf zu machen, denke ich mir „Es ist noch kein Meister von Himmel gefallen“. Ihr seid mein Ansporn, jeden Tag besser zu werden. Deshalb ist zu wissen, dass ihr da seid, wirklich gerade mal wieder ein Riesengeschenk.

Mein Ziel: Ich werde so gut zeichnen lernen, dass ich schon im nächsten Jahr damit neue Jobs an Land ziehe. Bei meinen bestehenden Kunden darf ich schon heute Dinge visuell (mit-)gestalten – und das ist ein echter Booster für mein Selbstvertrauen.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Falls ihr auch bloggt – seht ihr das ähnlich mit der visuellen Entwicklung? Geben eure Zahlen ein ähnliches Zeugnis ab? Macht ihr ähnliche Erfahrungen? Und was sagt euer Bauchgefühl dazu?

P.P.S.: Der andere Bereich, in dem ich mich weiterentwickeln werde, ist mein Angebot. Ich hatte ja neulich schon mal geschrieben, dass ich mich für Self Publishing interessiere. Ich möchte einfach austesten, welche Plattformen es heute gibt, die für mich Sinn machen, wenn ich Produkte anbieten möchte. Was das alles sein wird und kann – keine Ahnung. Aber ich merke: Es gibt so viele innovative Konzepte zum Geld verdienen, da ist sicher auch was Spannendes für mich dabei. Auch darüber werde ich bloggen und euch von meinen Erfahrungen berichten.

P.P.S.: In den nächsten Wochen steht meine Blogplanung für nächstes Jahr an. Dafür habe ich mir den Epic Blog Planner geholt – habt ihr damit auch schon mal gearbeitet?

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