Ihr Lieben,

ich will das nicht und deshalb mache ich das auch nicht. Dieser kurze Content in snack bite Qualität, der von vorne bis hinten fake ist.

Das perfekte Foto auf Insta, das ich Tage vorher geplant und geshootet habe. #spontaneous #happeningrightnow

Die Kooperation, die ich nur für Geld mache, obwohl das Produkt Dreck ist. #greatdeal #favourite

Das Selfie in voll geschminkt und mit facetune bearbeitet. #Iwokeuplikethis

Der Snap, in dem ich mädchenhaft an meinen Extensions rumfummele bzw. meine falschen Wimpern richte. #loveyourself

Die Instagram Story, in der mein Leben wie eine einzige Party aussieht, obwohl ich einsam bin und nur Klicks will. #feelingloved #mygirls

Ich kann das nicht und ich will das nicht. Weil ich das total bescheuert finde. Weil das nichts mit meinen Werten zu tun hat und oder mit meinem Leben.

Ich will nicht eine von denen sein, die anderen Frauen ein Scheißgefühl gibt. Ich will nicht so tun, als wäre mein Leben toller und leichter, als es ist – oder als eures. Ich will mir keinen künstlichen Status online schaffen, damit Menschen mich für Dinge bewundern, die nicht der Realität entsprechen. Ich will nicht, dass sich jemand zu dick, zu alt, zu hässlich, zu unbedeutend, zu ungeliebt und zu unbeachtet fühlt, weil ich mein Leben online so verdreht darstelle, dass es wirkt, als könnte niemand anders soooo toll sein und solche Dinge erleben.

Und wisst ihr warum ich das nicht will? Weil das Betrug wäre. An euch sowieso aber viel schlimmer noch (denn mit euch muss ich nicht zusammenleben): AN MIR.

Ich bin nämlich auf dieser Welt, weil ich was bewegen kann. Davon bin ich fest überzeugt. Dass es nur die Seelen schaffen, geboren zu werden, die eine Aufgabe haben. Meine Aufgabe ist es, andere zu ermutigen – und nicht ihr Leben zu disqualifizieren. Deshalb will ich das Maximum rausholen aus allem. Und dazu brauche ich ein gutes Selbstwertgefühl. Ein sicheres Standing. Ich muss wissen wer ich bin und was ich kann.

Mich nervt das schon so lange, wie die Medien die Knöpfe toller Frauen drücken, weil sie zu junge und zu dünne Models auf den Covern haben. Seit Generationen werden wir zugeballert mit Headlines wie „Schlanker mit xyz“ oder „Schönere Haare durch abc.“

Habt ihr Zeitschriftenredakteure und Outlets euch eigentlich mal gefragt, ob wir vielleicht gar nichts an uns optimieren wollen? Ob wir es völlig OK finden, älter zu werden? Klüger zu werden? Nicht jedem Trend hinterher rennen zu müssen? Nicht jedem gefallen wollen, weil wir uns gut gefallen, wie wir sind?

Dass wir uns mögen – nicht weil wir den von euch erfundenen Schönheitsidealen und Maßstäben entsprechen. Sondern weil es sich egal in welchem Alter und mit welcher Kleidergröße herrlich lachen lässt, herrlich fühlen lässt und herrlich kreativ sein lässt? Weil wir echt was im Kopf haben und auf ganz andere Sachen stolz sind, als auf unsere Oberschenkel? Und weil das, was für uns das Mutter sein ausmacht, nichts mit neuen Plätzchen Rezepten zu tun hat (siehe das Brigitte Cover weiter unten), sondern ganz viel damit, was in den Augen unserer Kinder passiert wenn wir fragen: „Habt ihr Lust, heute Plätzchen zu backen?“

Glaubt ihr wirklich, dass wir nicht verstanden haben, dass ihr uns permanent wie ein Mantra vorkaut, dass wir nicht perfekt genug sind, nicht gut genug – damit wir dann etwas kaufen, was uns vermeintlich glücklicher macht? Und von dem ihr ein Percentage abbekommt?

Glaubt ihr nicht, es wäre mal an der Zeit, zu verstehen, was wir wirklich brauchen und wollen? Nämlich wir selbst sein und unsere Persönlichkeit ausdrücken. In jeder Facette und jeder Rolle und jedem Moment unseres Lebens.

brigitte_cover-beitrag_2

Manchmal macht es mir Angst, wenn ich diese Instagram Klone sehe. Wenn eine 17-jährige irgendwohin geflogen wird und mit einer Limousine rumkutschiert wird, von deren Rücksitz aus sie dann ihr wichtiges Leben snappt. Wenn Praktikantinnen und Volos den markenbildenden Snapchat Kanal ihres Magazins bespielen. Wo soll das hinführen?

Denn dass das nicht so bleibt, dass viele für die Industrie jetzt funktionierende Influencer in Wahrheit austauschbare Eintagsfliegen sind, dass andere, unterhaltsamere Mädchen kommen, ist ja klar. Und all das wird ja etwas mit diesen Frauen machen (ähem – und mit den Marken, die diese Mädchen wie Ware behandeln).

Diese Mädchen werden irgendwann nicht mehr das Mädchen links auf dem Bild sein, sondern die Frau in der Mitte. Und dann die Großmutter rechts. Und wir alle als Gemeinschaft und Gesellschaft tragen Verantwortung dafür, dass es ihnen in jedem Lebensalter gut geht.

nicht

Meine Tochter (13), ich (45), meine Mutter (74)

Wenn Zeitschriften aber nur 21-jährige Models abbilden, obwohl ihre Leserinnen im Schnitt Ü40 sind, dann meine Lieben, dann steige ich aus.

Ermutigt doch alle anstattdessen, den Parenthashtag #blessed mit #vollgespuckt ersetzen. Das ungeschminkte Selfie dem aufgedonnerten vorziehen.

Ich habe mich schon vor Jahren lieber bei der Bloggerliste vom ersten Platz austragen lassen, als bei diesem Fake mitzumachen, der – warte mal – für WEN Klicks und Werbeeinnahmen generiert?

Ich glaube, dass es für jedes Magazin und jede Instafame-Besessene besser wäre, einfach darüber zu schreiben und zu reden, was Frauen und sie selbst wirklich beschäftigt. DAS fände ich revolutionär. Und gesund. Damit würdet ihr meinen Respekt zurückgewinnen.

Seid mehr Jennifer Rostock und weniger Jennifer Aniston. Und wenn ihr nicht wisst, wie das geht, schließt eure Kopfhörer an, dreht voll auf und fangt an zu tanzen.

In diesem Sinne

Eure Svenja

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken