Wenn ihr hier schon länger mitlest: Lest bitte ganz zuende. Dieser Post ist anders. Im besten Sinne.

Ihr Lieben,

erst war es nur ein Bauchgefühl. Aber je länger es anhält, desto mehr denke ich: Wann sag ich’s euch? Ich wackle. Und zwar ganz schön heftig.

„Irgendwas passt nicht mehr“ wollte ich jetzt eigentlich schreiben. Aber das stimmt so nicht und hört sich auch viel zu negativ an. Es ist eher „So ist das, ich zu sein. Mit allen Verletzungen und daraus entstandenen Talenten.“

Ich denke viel über Menschen nach in letzter Zeit. Über ihre Geschichten. Dinge, die mich interessieren und über die ich gerne schreiben würde. Themen, zu denen es mich geradezu magnetisch zieht. Zuerst war das mehr ein Spazierendenken. Gedanken, denen ich beim Joggen nachhänge. Oder für die ich mir kurz vor dem Einschlafen Zeit nehme. Aber immer mehr spüre ich: Es reicht mir nicht, drauf rumzudenken. Ich möchte das machen. Was gleichbedeutend ist mit „Raum dafür schaffen“.

Nun habe ich in den letzten beiden Wochen so viel im Außen gerödelt, dass ich rund um die Uhr beschäftigt war. Habe mit Lissy ihr neues Zimmer geplant, renoviert, eingerichtet und bezogen (einen Post dazu schreibe ich noch, versprochen).

Hatte jede Menge schöne private Erlebnisse, wie z.B. den Abend im Greenfingers beim Aquarellkurs mit Silvia von Sweetlitttledots.

Oder das Treffen am Flughafen mit Kristin von 4more. Habe Workshops besucht:

Mir ein fabelhaftes Skypecoaching gegönnt und einen herrlichen Tag mit den Damen des Frauen verbinden Netzwerks.

Jedes Erlebnis für sich wäre einen Blogpost wert. Aber ich schreibe keinen. Aus gutem Grund. Und dann schrieb MIR jemand. Nämlich meine wunderbare Leserin Julia:

„Schon oft haben mir Deine Beiträge wichtige Impulse gegeben und bei vielen Themen sprichst Du mir geradezu aus der Seele. Auch die Vegan-Challenge hätte ich ohne Dich und die FB-Gruppe wohl nicht begonnen. Ich finde es sehr spannend zu verfolgen, wie Du Dich weiterentwickelst und uns Leser/innen daran teilhaben lässt. Momentan habe ich aber fast das Gefühl, Du „eilst mir manchmal etwas davon“. Ich habe mich früher noch stärker mit Deinen Beiträgen identifizieren können, war noch näher dran – und bei Deiner längeren Blogpause sogar ein kleines bisschen traurig.

Ich kann nicht genau sagen, woran sich dieser Eindruck festmachen lässt. Vielleicht weil (zumindest gefühlt) immer öfter die Business-Svenja zu Wort kommt und weniger die private…?! Oder weil Du mittlerweile so megaerfolgreich bist, dass die Messlatte „Wenn ich das kann,…“ immer höher liegt?! Nicht falsch verstehen: Ich gönne Dir Deinen Erfolg von Herzen und Du hast ihn Dir wirklich verdient. Es macht nur einen Unterschied für den Leser, denn – mal ganz plakativ gesagt: Eine tolle Dekoidee nachzubasteln bekommt fast jeder hin, sich jobmäßig so professionell aufzustellen und so durchzustarten wie Du – dafür braucht es schon etwas mehr…:-) „

Ach. Julia. Danke. Großartig, dass Du mir das schreibst, denn jetzt habe ich einen Ansatzpunkt, um meine Gedanken zu sortieren. Deine Mail ist ein Geschenk. Ich habe es ja neulich schon einmal gesagt. Näher ran als das geht im Moment nicht. Und jetzt hat mein „Ich wackle“ Gefühl seinen großen Auftritt.

Egal wie gerne ich unterrichte, was ich unterrichte. Egal wie nerdy ich bin und mich in Themen reinfuchse. Egal wie super ich Pinterest hoch und runterbuchstabieren kann. Wie ich Reichweite aufbauen kann und verstanden habe, wie ich das Internet für meine Zwecke nutzen kann.

Egal wie ich das alles LIEBE – etwas in mir wird dadurch nicht genährt.

Seit dem Tag, als ich wusste, dass meine Eltern sich trennen, bin ich extrem sensibel, was die Schwingungen anderer Menschen angeht. Ich nehme sehr sehr viel wahr, was andere nicht sehen. Manchmal kann ich aus einem Satz, den ihr bei Facebook postet – und der für andere nur ein Satz ist – genau herauslesen, wie es euch geht und was ihr gerade erlebt und durchmacht. Der ein oder andere von euch weiß das, weil ich euch dann manchmal schreibe und ermutige und ihr völlig überrascht seid, woher ich das jetzt weiß.

Manchmal sehe ich aber auch, dass ihr dafür nicht offen wäret. Dann kann es schon vorkommen, dass ich einen Post für EINE EINZIGE Leserin schreibe. Und ich weiß, dass sie nicht nur kommentieren wird, sondern mir eine Mail schreiben wird. Sie wird sagen, dass sie sich so angesprochen gefühlt hat von dem Post und dass ihr meine Gedanken sehr geholfen haben. Der am häufigsten fallende Satz „Du hast mir aus der Seele gesprochen.“ Ähm. Ja. Weil ich Dir aus der Seele gesprochen habe.

Ein bisschen hört sich das vielleicht an wie Zauberei. Ein bisschen fühlt es sich für mich manchmal auch so an. Aber ich weiß: Manche denken jetzt, ich sollte mich mal untersuchen lassen.

Deshalb rede ich da ganz selten drüber und geschrieben habe ich es euch noch nie. Manchmal verfolgt mich diese Gabe auch. Zum Beispiel wenn mir ein Kleinkind im Supermarkt entgegen kommt und ich spüre, dass es todtraurig ist und sich vernachlässigt fühlt. Jetzt könnt ihr denken „Die spinnt ja.“ Tue ich nicht. Ich sehe das so deutlich wie andere sehen, dass das Kind eine rote Jacke trägt. Und es ist auch genau so real und echt und wahr.

Manchmal sitze ich in meinen Business Workshops und möchte schreien und alle schütteln. Weil doch jeder spüren können muss, dass das Fachliche, über das wir sprechen, nicht das Hauptproblem ist. Sondern dass es einen elephant in the room gibt, über den wir sprechen müssen. Einen fetten Elefanten, der sich im Team, in der Firma, im Projekt mit seinem dicken Popo in die Mitte gesetzt hat und jetzt geht nichts mehr.

Ich muss Menschen auf Instagram entliken, weil ich spüren kann, dass sie sich selbst was vormachen. Das tut mir fast körperlich weh.

Und dann gibt es viele Momente – meine Kinder können ein Lied davon singen – in denen wildfremde Menschen sich mir emotional innerhalb eines ganz kurzen Gesprächs total öffnen. Das passiert an der Supermarktskasse, in der Schlange beim Metzger oder wenn mich jemand nach dem Weg fragt. Auf der offenen Straße geht plötzlich jemand neben mir und spricht mit mir. Innerhalb dieser wenigen Minuten laden mich diese Menschen in ihre Häuser ein, zu ihren Ausstellungen, in ihr Leben und ihre Gedanken. Als würden sie spüren, dass ich was sehe, was sonst keiner sieht. Dass ich ihren Need erfüllen kann.

Früher haben meine Kinder dann immer gelacht und gesagt: „Mama, wollte die wieder mit Dir befreundet sein?“. Heute ist mir klar – das hängt alles ganz anders zusammen.

SO ist das, wenn man Ich ist, liebe Julia. Für mich gibt es keine nahbare Svenja, deren einfache Bastelideen man toll nachmachen kann. Und eine die megaerfolgreich ist, der man kaum noch folgen kann, weil das eigene Leben nicht im gleichen Tempo voranschreitet.

Es gibt EINE EINZIGE Svenja. Die seit ihrem bodenlosen emotionalen Fall mit acht Jahren diese Antennen hat. Oder sie vielleicht schon immer hatte, aber das Trauma hat dazu geführt, dass eine Tür aufgesprungen ist.

Diese Svenja möchte nur, dass es Menschen gut geht. Dass Familien sich lieben und miteinander reden und zusammenhalten. Dass Firmen miteinander einen Schritt vor den anderen setzen und dass Kollegen sich unterstützen. Dass Frauen die Möglichkeit haben, von zuhause aus Geld zu verdienen und die Chancen des Internets nutzen, um gleichzeitig bei ihren Kindern sein zu können. Dass Mütter rauskommen aus der Überforderungsschleife und mehr in sich rein spüren.

Deshalb schreibe ich Kochbücher, Spieleratgeber, schreibe über den Thermomix, über Bastelideen, übers Bloggen und über den Einfluss von Social Media auf unser Wohlbefinden. Deshalb mache ich vegane Challenges und Sportchallenges. Deshalb gebe ich Workshops und schreibe persönliche Gedanken auf und erzähle, was ich fühle. Und könnte schreien wie wenig Frauenzeitschriften bzw. Zeitschriften, Zeitungen und das Fernsehen, ach, eigentlich Medien allgemein, all das wahrnehmen und aufnehmen, was für uns Menschen und menschlich wichtig wäre.

Diese eine Svenja bin ich. Ich, die auch mit 46 Jahren jeden Tag daran arbeitet, diese oft schmerzliche Gabe in etwas Positives zu verwandeln.  Die versucht, zu verstehen, wie sie das, was sie bei anderen sieht – den Need, den Schmerz, das Bedürfnis, die Angst, die Sperre – in etwas Positives verwandeln kann. Etwas, das den Menschen Kraft gibt und ihr selbst nicht die ganze Energie rauszieht.

Ich wackle, weil ich das noch nicht gefunden habe. Nach Workshops fühle ich mich manchmal – und wer mich in letzter Zeit getroffen hat, weiß das, denn ich sage das immer wieder – als hätte ich nur noch die Hälfte meines Blutes im Körper. Ich brauche manchmal ein oder zwei Tage, um mich zu erholen. Nicht weil die Menschen nicht toll waren. Nicht weil das Thema mich nicht interessiert. Nicht weil ich nicht für die Unternehmen oder ihre Sache brenne. Sondern weil ich für das, was ich kann, für die meinesvenja secret sauce ein neues Outlet brauche. Ein anderes Ventil.

Ich  kann noch tausend Videos drehen, Projekte starten, Facebookgruppen ins Leben rufen, Blogposts schreiben und fachliche Workshops geben.

Aber NICHTS davon wird das, was ich kann, in den größten Nutzen verwandeln. Und mir das Gefühl geben, angekommen zu sein.

Näher kann ich das noch nicht fassen, aber ich muss euch das trotzdem jetzt schon sagen. Ich habe wirklich mit mir gerungen und bei allem was ich je geschrieben habe, ist das wahrscheinlich der Post, in dem ich euch am meisten von meinem Inneren zeige.

So wunderschön es ist, all das zu spüren, so sehr fühle ich nämlich auch eine Riesenverantwortung. Denn ich spüre das alles ja nicht nur, ich habe das Talent, es in Worte zu fassen. Ich habe eine große Plattform, auf der ich es teilen kann. Und ich weiß genau, wer das alles brauchen würde, weil ich genau das ja sehen kann.

Ich wackle, weil ich davor stehe, zu tun, wozu ich auf dieser Welt bin, ohne genau zu wissen, wie. Ich wackle, weil das heißen wird, mein Innerstes nach Außen zu kehren. Ich wackle, weil ich weiß, dass das mich, mein Leben und einfach alles verändern wird.

Eure Svenja

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