Ihr Lieben,

letzte Woche war ich ja auf der PromaxBDA in Amsterdam. Ich habe meinen Mann begleitet, der dort eine Keynote über Storytelling gehalten hat. Und obwohl ich dachte, dass die Inhalte der Konferenz hauptsächlich für Film- und Fernsehleute interessant sind und ich mich als klassisches Plus One sah, war es dann ganz anders. Und unglaublich wertvoll für mich.

Während der Vorträge und Sessions ging in meinem Kopf ein wahres Feuerwerk los – und alles drehte sich ums Bloggen. Vielleicht, weil ich null Druck hatte und ganz locker sein konnte. Vielleicht, weil ich null mit solchen Inspirationen gerechnet hatte. Aber vielleicht auch, weil die Grenzen zwischen den Medien tatsächlich immer mehr verschwimmen und wir endlich begreifen dürfen, dass es nicht mehr entweder Frauenzeitschrift oder Blog gibt. Entweder Serie oder Vlog. Sondern tatsächlich Formate, Themen und Persönlichkeiten, die Menschen heutzutage sehen möchten. Und das völlig unabhängig von dem Medium, auf dem sie  gerade gespielt werden.

Damit ihr aus diesem Post möglichst viel mitnehmen könnt, fasse ich heute das Wichtigste  der Sessions und meine Learnings von A-Z zusammen. Wenn euch also auch interessiert, was ihr morgen schaut und welche Inhalte kommen – oder natürlich wenn ihr einen Blog habt oder Unternehmer(in) seid – könnte dieser Post was für euch sein.

Die Konferenz fand mitten in Amsterdam bei Beurs van Berlage statt. Eine superschöne, wirklich beeindruckende Location.

Starten möchte ich mit zwei Folien von Mailine Swildens, Director bei Google Zoo Emea. Beide Folien handeln davon, wie wir unser Smartphone nutzen. Dabei sind alle im folgenden genannten Zahlen Durchschnittswerte.

Wir nehmen unser Smartphone morgens um 7:31 das erste Mal in die Hand.

Wir checken es 150 (und mehr) Mal am Tag.

Wir verbringen am Tag fünf Stunden (und mehr) Zeit am Handy.

87% der Smartphonebesitzer haben ihr Handy Tag und Nacht griffbereit.

„Wow“, dachte ich in der Session. „Es hat sich wirklich viel verändert in den letzten Jahren.“ Und dann kam da diese leise nörgelnde Stimme, die sagte: „Nur wir Blogger, wir sind größtenteils stehengeblieben.“

Stimmt ja leider auch. Wir machen viel Me too. Es gibt wenig echte Formate. So etwas wie „Wochenende in Bildern“ wurde vor Jaaaahren entwickelt und wird seitdem nur noch kopiert. Neu ist da nichts. Alles sieht so gleich aus (bis hin dazu, dass gefühlt die Hälfte der Blogs mittlerweile das gleiche WordPress-Theme nutzt).

Klar, die „alten“ Blogger, die kenne ich und kann sie zuordnen. Da sind einige zur Marke geworden. Die stehen für was. Bei den jüngeren Bloggern verschwimmt das Bild schon etwas. Zum einen, weil visuell alles so ähnlich ist. Aber zum anderen – und das ist der wesentlich wichtigere Gedanke – weil ich mich frage: Wo bleibt die Innovation??? Der Weg ist doch geebnet.

Bloggen ist jetzt ein Beruf, mit dem man Geld verdienen kann. Ich würde mir von euch jungen Bloggern wünschen, dass ihr neuen Wind reinbringt. Uns „Alte“ aufmöbelt. Zeigt was technisch möglich ist. Wie man heute erzählt. Aber Fehlanzeige. Da kommt nichts (oder ich kenne diese Blogs nur nicht, dann freue ich mich über jede Menge Tipps und Neuentdeckungen in den Kommentaren).

Weil das so ist, möchte ich euch heute einfach zeigen, was ich über neue Erzählmöglichkeiten von Sahar Baghery, Head of Global Research and Content Strategy bei Eurodata TV in ihrer Session gelernt habe.

Kurz vorab – die Beispiele mit Links kommen gleich: Besonders gut laufen lokale und digitale Formate (klar – nah dran am eigenen Leben und unseren modernen Sehgewohnheiten angepasst).

Soziale Experimente werden immer wichtiger – ein Beispiel wäre Look me in the eye von Redseven. In dem Format geht es darum, Menschen, die sich verkracht haben, wieder zusammenzuführen. Aber nicht etwa Old School wie bei „Vermisst“. Sondern im Rahmen einer Gamification – und das funktioniert so. Die beiden Personen werden in einen Raum gesetzt, auf zwei Stühle, die sich gegenüber stehen und schauen sich zwei Minuten lang in die Augen. Danach entscheiden sie, ob sie getrennte Wege gehen oder miteinander sprechen wollen.

Ähnliche Formate sind zum Beispiel dieses digitale „Blind Date“ Experiment.

Oder dieses digitale Format zum Thema „First Impression“.

Wo früher Popstars und DSDS gut liefen, wird die Eintrittsschwelle heute gesenkt. Denn bei den Lipsync Battles muss man noch nicht mal mehr singen können. Eine andere Spielart bei den Musikformaten läuft unter dem Motto „Man against the Machine“. In dem Format „Beat Shazam“ (das bald mit Jamie Foxx auf Fox laufen wird) treten zwei Teams gegeneinander an. Es geht darum, Musiktitel, die angespielt werden, so schnell wie möglich zu erkennen. Nach mehreren Runden gibt es ein Gewinnerteam, das dann tatsächlich gegen die App „Shazam“ antritt – die ja genau das kann: Musikstücke erkennen.

Auch die Kochformate entwickeln sich weiter. Es reicht nicht mehr, nur gut zu kochen, um Leser vor den Bildschirm zu bekommen. Bei Familiar Taste – einem chinesischen Format – kochen Berühmtheiten für jemanden, den sie lieben oder bewundern, eine besondere Mahlzeit. Das kann eine Mutter oder ein Bruder sein, genauso wie eine Grundschullehrerin oder ein Basketballtrainer.

Vielleicht beginnt ihr jetzt zu verstehen, warum in meinem Kopf während der Sessions ein Feuerwerk losging. Man könnte ja richtig tolle Sachen auf Blogs machen. Vor allem auch zusammen. Mit anderen Bloggern. Mit der Unterstützung durch Unternehmen. Weg von den öden „Ich halte ein Produkt in die Kamera“ Kooperationen. Hin zu Formaten, die richtig Spaß bringen. Uns Bloggern genauso wie den Lesern.

Weiter ging es mit dem Thema „Pushing Social Boundaries – Empowerment“. Tatsächlich werden in vielen Formaten bereits erzählerische Grenzen erweitert. Inhalte, die „man früher nicht erzählt hat“, werden heute erzählt. Wir dürfen mutiger sein. Ohne dass ich jetzt auf jedes Format detailliert eingehe – hier ein paar im Überblick, für alle Leser, die sich mehr reindenken wollen. Für alle anderen: Einfach unten nach den Videobeispielen weiterlesen.

Beispiele für Women Empowerment

Beispiele für Community Empowerment

Beispiel für Pushing Narrative Boundaries

Danach kamen noch so viele tolle Anregungen für neue Reiseformate. Und Ideen für Digitalformate, die auch auf Blogs super laufen würden. Aber ich will hier nicht nur auflisten, sondern auf einen bestimmten Punkt hinaus.

Es gibt Inhalte, die die wirkliche Leidenschaft eines Bloggers und den Suchmaschinentraffic zusammenlaufen lassen können. Mit denen man Geld verdienen UND unterhalten kann. Die Leser UND Unternehmen glücklich machen.

Schon seit Längerem spreche ich immer mal wieder mit einzelnen Bloggern. Ich merke, dass da etwas in der Luft liegt. Dass bald die Zeit reif ist für eine Neuorganisation. Eine Restrukturierung, wie sie längst überfällig ist. Bei der viel wegbrechen wird, was wir eh nicht mehr gebraucht haben. Und wo Neues, manchmal auch Gemeinsames, einen Platz hat.

In einer anderen Konferenz-Session, ging es darum, wie wichtig bei Fernseh- und Kinotrailern die Vertonung ist. Die Referentin sagte: „We are selling the promise of an experience leaving you with a feeling.“ Etwas, was meiner Meinung nach auf zu wenigen Blogs in Deutschland passiert. Und auch einer der Gründe, warum ich euch neulich in einem anderen Post geschrieben habe, dass ich ab April wieder mehr ausprobieren möchte. Mehr mit anderen brainstormen und selber einfach machen.

Das Schlusswort möchte ich Johnny Rotten, dem ehemaligen Sänger der Sex Pistols überlassen.

Er war der Panelspeaker in der Abschlusssession und sprach sehr offen darüber, dass ihm heute bei den meisten Menschen der Selbstausdruck fehle. Genauso wie die Bereitschaft, sich mal zu langweilen. Die Menschen würden nicht mutiger, sondern gleichgeschalteter. Als der Moderator ihn fragte, was ihn an dieser Gesellschaft am meisten ärgere, sagte er:

„The manipulated make me angry. Taking personality away through devices makes me angry.“

Und ja, ich kann das verstehen.

Ich bin wirklich dankbar, dass ich meine Lebensreise mit einem Mann begehe, der genau wie ich für solche Themen brennt. Der auf solchen Veranstaltungen spricht, so dass ich die Gelegenheit habe, dort zwei Tage zu verbringen und einfach nur zu lernen  (was für ein Luxus). Und dass ich dann heute Morgen in meinem blauen Sessel in der Bibliothek sitzen darf, mit einem Chai Tee, und auf meinem Blog für euch alles nochmal Revue passieren lassen darf.

Hätte ich zu Schulzeiten gewusst, welche Freiheit in meinem späteren Leben auf mich wartet (to be real: welche Freiheit ich mir mit meinem Mann zusammen erkämpft habe) – ich hätte vor Glück gar nicht mehr schlafen können.

In diesem Sinne,

Eure Svenja

P.S.: Am Wochenende bin ich auf der Projektin in Nürnberg und halte einen Workshop zum Thema „Personal Branding – Erfolgreich eine Marke aufbauen„. Morgen wird glaube ich das letzte Kartenkontingent online gestellt – alle anderen waren immer flugs weg. Wer also Lust hat, mich einmal persönlich zu erleben und auf dem Networking Event danach mit mir zu reden: Ich freu mich auf euch und eure Gedanken zu diesen Themen. Und zu allem, was euch darüber hinaus beschäftigt.

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