Das Motto dieses Posts – denn verkrampfte Einzelgänger(-Blogger), die keinen Nutzen bieten, werden untergehen

Ihr Lieben,

so viele von euch haben mir in den letzten Wochen – und vor allem nach den letzten Posts – geschrieben. Es sind echt spannende Zeiten. Auch von Bloggerkolleginnen werde ich momentan häufig nach einer Einschätzung gefragt. Wie geht es für uns weiter? Welche Plattform oder Geschäftsidee ist zukunftsweisend? Wie wird es in einem Jahr aussehen? Was sind die Verdienstmodelle der Zukunft? Deshalb möchte ich heute auf meinem Blog für alle Leser meine Gedanken zusammenfassen.

Wie es jetzt ist

Ich habe ja schon in „Die Zukunft des Bloggens“ darüber geschrieben, das Bloggen für mich einen Tiefpunkt erreicht hat. Es wird viel zu oft für die Suchmaschine und den eigenen Vorteil und viel zu selten für den Leser geschrieben. Ich glaube, dass dieses Phänomen zwei Ursachen hat:

1.) Bloggen ist heute eine Industrie mit klaren Regeln, in der man Geld verdienen kann. Die „alten“ Blogger haben sich diese Wege erkämpft, die „neuen“ profitieren davon. Das ist gut und richtig, denn so funktioniert Fortschritt. Aber: Noch vor einigen Jahren hat der Großteil der Blogger aus Überzeugung geschrieben (aus was auch sonst, Geld verdienen konnte man mit Bloggen ja nicht). Es ging darum, sich im Rahmen einer Community auszutauschen und mitzuteilen. Heute werden Blogs oft „nur“ zum Geld verdienen gegründet. Und damit verliert Bloggen seine ursprüngliche Aufgabe. Nämlich Sinn und Nutzen zu stiften für Gleichgesinnte und Suchende. In einer sich durch Technologien rasant verändernden Welt. Und für alle damit einhergehenden Möglichkeiten und Herausforderungen.

2.) Dadurch, dass die Werbung von der Seitenleiste in unsere Texte gerutscht ist, hatten wir „Alten“ einen Gewissenskonflikt. Denn natürlich hatten wir weiter den Anspruch, Nutzen zu bieten. Das hat uns aber in eine ganz andere Bredouille gebracht. Jetzt schrieben wir zwar „Werbung“ über den Post. Aber anstatt dann auch Werbung zu bringen, vermischten wir unseren eigenen Ausdruck und unsere Botschaften und Werte mit dem Schreiben über ein Produkt. Und das war oft von Anfang an ein verlorenes Spiel. Wer mehr dazu wissen will, schaut sich einfach mal Heather Armstrongs Vortrag an:

Ich – als ehemalige Werbetexterin und Germanistin – wusste schnell, dass ich das nicht miteinander vermischen will. Weil ich das nicht kann. Werbung und Herzenstexte sind nämlich unterschiedliche Textgattungen. Und wenn ich die vermische, sieht das immer ein bisschen hingewurschtelt aus. Das Geld, was mir angeboten wurde, hätte ich aber durchaus auch gerne verdient, so ist das nicht.

Was interessant ist: Frauenzeitschriften haben dieses Problem nicht. Die schreiben größtenteils eh unpersönlich, die Redakteurin kennen wir nicht. Wenn sie also sechs verschiedene Sonnenmilchprodukte vorstellt und fünf Hotels, kommen wir gar nicht auf die Idee, „Schiebung“ zu rufen. Vielleicht auch, weil Frauenzeitschriften eh nur deshalb gegründet wurden, um Werbung zu verkaufen. Da war es also komplett andersherum. Die „Nutzen“-Artikel wurde dazugemischt, um ein Businessmodell für die Anzeigen zu haben. Verrückt, oder?

Wie es werden könnte

Ich glaube, wir haben uns da in was reingeritten. Gut gemeint ist nicht unbedingt immer gut. Warum nicht mit gutem Gewissen eine Kooperation machen und einen werblichen Text schreiben, wenn ich das Produkt BOMBE finde? Oder eine Werbung schalten, NUR weil ich dafür bezahlt werde? Ist doch erlaubt! Warum nicht trotzdem hauptsächlich über alles schreiben, was mich und euch bewegt? Warum nicht meine Industrie, das Bloggen, für mich neu erfinden? So wie es mir passt? Warum nicht verstehen, dass ich niemandem Rechenschaft schuldig bin, wenn ich mich ordentlich an Kennzeichnungspflichten halte? Und mich dann auch nicht verteidigen, sondern neidische Kommentare löschen und NICHT das Gefühl haben, ich müsste mich erklären? Warum nicht MEINE Regeln aufstellen und nach denen leben?

Mehr „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“. So wie auf dem nächsten Bild – Kinder können das. In einem Schwimmbecken ohne Wasser schwimmen sie mit Stoffschwimmflügeln. Und keiner sagt: „Das geht aber so nicht.“ Die passen sich einfach immer wieder ihrer Umgebung und den Möglichkeiten im JETZT an. Wie klug ist das bitte?

Mir ist das alles nochmal so klar geworden, als ich neulich bei Studio71 war. YouTuber sind auf eine Plattform gegangen, um GELD zu verdienen. Und schämen sich nicht dafür – und angegriffen werden sie auch nicht.

Wir Blogger sind auf einer Plattform, auf der man NUR mit der Plattform eben nichts verdienen kann. Wir produzieren ohne Ende Content und sehen keinen Cent. Deshalb sind wir jetzt, wo das Ausbeuter-Kooperationssystem für unsere Branche nicht mehr funktioniert, weil es dem Ruf eines ganzen Genres schadet, sogar GEZWUNGEN neue Werbeformen, Onlineshops, Formate, Kooperationsarten, Seminare und Konferenzen zu erfinden. Aber dafür müssen WIR in die Gänge kommen und nicht nur nehmen, was uns angeboten wird. Machen wir das nicht, wird das passieren, was allen passiert, die sich der Evolution nicht anpassen: Wir werden aussterben.

Seit mir neulich der nervige Troll erzählen wollte, dass ich Schleichwerbung mache, habe ich viel nachgedacht. Ich meine, das ist ja echt der größte Witz. Da ist man tatsächlich einer der wenigen werbefreien Blogs (und nein, ich habe da GAR NICHTS gegen, wenn jemand Werbung schaltet, Hauptsache jeder entscheidet für sich und fühlt sich wohl) und dann kriegt man so was vor die Füße geschmissen.

Ich sehe es so: Bloggen, wie es jetzt stattfindet und stattfinden muss, wenn man auf dem Blog Geld verdienen möchte, ist tot. Wir müssen endlich aufstehen und sagen, was wir wollen und wozu wir bereit sind. Und uns nicht dem unterwerfen, was „üblich“ ist. Das führt nur dazu, dass emotionslose Werbeblogs aus dem Boden schießen wie Pilze. Und dass die, die gute Inhalte bieten wollen und immer auch werden, sich für Kooperationen bei ihren Lesern fast entschuldigen müssen. Und am Ende führt es auch dazu, dass die Unternehmen viel weniger von uns bekommen, als sie bekommen könnten, wenn wir uns ZUSAMMEN tun würden.

Lasst uns das einfach ändern. Ich für meinen Teil werde das jetzt tun. Ich habe nämlich gar keine Lust mehr, mich einzuschränken, weil ich an Gepflogenheiten eines Clubs festhalte, die vor zehn Jahren galten. Ich habe aber auch weiterhin keine Lust, mich von Agenturen vermarkten zu lassen und unauthentisch über die üblichen Verdächtigen zu schreiben. Ich sage nur „Gerolsteiner Wasserwoche“ – klingelt es da bei irgendwem?

Blogger sind doch so viel mehr als das. Ihr eigener Herr. Innovativ, kreativ, stark. Wir haben was zu sagen und das können wir durchaus auch denen sagen, die uns wegen Kooperationen anschreiben. Mein Gefühl ist, dass die, die Farbe bekennen und zu ihren Werten stehen, überleben werden. Ein paar von euch werde ich in den nächsten Tagen ansprechen. Vielleicht habt ihr Lust auf eine Idee, die ich habe.

Denn ich sehe, dass sich gerade ein Fenster öffnet für Kollaborationen, die wir eine Zeitlang nicht mehr für möglich gehalten haben. Dass wir abrücken, von dem kleinen „Mein Blog – meine Welt“ Gedanken. Dass die, die lange dabei oder einfach open minded sind, wieder mehr Lust haben auf Gemeinsamkeit. Auf konkurrenzloses Miteinander. Auf Spaß. Auf Wissen teilen. Auf sich unterstützen und helfen. Auf miteinander spielen.

Wir schauen wieder genauer hin. Dahin, wo die Menschen sind, mit denen wir gemeinsame Energien haben. Da geht es gar nicht darum, dass man sich schon ewig kennt. Bei mir kriegen Menschen einen Vertrauensvorschuss, einen Rat und eine lange Mail, wenn ich merke: Uns verbindet was. Wir kämpfen für die gleiche Sache.

Bloggen ist seit Jahren stehengeblieben und viel zu old school, als dass wir uns halten könnten, wenn künstliche Intelligenz und Virtual Reality erstmal mit ihrem gesamten Entertainmentfaktor zuschlagen. Was uns bleibt ist die volle Breitseite Menschlichkeit, das Miteinander, die Community. Ehrlichkeit, Kreativität, Inspiration. Und das sich neu Denken. Lasst uns voller Elan in eine andere Zeitrechnung springen. In das, was sich für uns gut anfühlt.

Danke an alle, die in den letzten Wochen Gespräche mit mir geführt haben. Die mir in Vorträgen das Gefühl gegeben haben, auf dem richtigen Weg zu sein. Die mir in Mails und ihren Posts gezeigt haben: Wir sind da. Wir sind lebendig. Und wenn wir uns zusammen nach vorne bewegen und uns gemeinsam neu erfinden – spielerisch, leichtfüßig, voller Vertrauen und Mut – dann wird Bloggen lebendiger sein als jemals zuvor.

Let’s do this. Together.

Eure Svenja

P.S.: Bei mir läuft im Hintergrund gerade viel dieses Mindsets an. In Form neuer Dinge. Ich werde euch wie immer jeden step of the way mitnehmen. Ehrlich, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Und sicher nicht alleine. Denn meine Gespräche mit anderen sind viel zu spannend, um sie euch vorzuenthalten.

P.P.S.: Brandaktuell plane ich aus all diesen Gründen das erste Mal ein Seminar bzw. einen Workshop mit meinem Mann zusammen – als living room session. Quasi die volle Ladung Input, Frontrunner-Denken und sich neu aufstellen. Nicht nur für Blogger, sondern für alle, die Schritt halten oder noch besser: in der Zukunft ankommen wollen, bevor diese beginnt. Sobald der Termin steht, schreibe ich drüber.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken