Warum kleine Kinder nicht in eine Kita, sondern zu ihren Müttern gehören

Ich habe keine große Ahnung von Politik. Haltet das für flach, aber irgendwie ist den ersten Teil der Zeitung lesen für mich wie Friends schauen. Ich habe den Einstieg verpasst und deshalb verstehe ich Nichts. Zu viele Insiderjokes und keinerlei emotionale Bindung an die Charaktere. Doch wenn Politik ist, wie eine Fernsehserie, bei der man zu spät einsteigt, fragt man sich natürlich, ob das überhaupt noch jemand alles wirklich versteht. Katze aus dem Sack: Ich nicht. Das tut gut, kann ich euch sagen.

Nun ist es ja so, dass man nicht einfach in einer Gesellschaft leben kann, ohne sich für Politik zu interessieren. Denn manche Dinge, die „die da oben“ entscheiden, betreffen einen ja durchaus. Also habe ich mir so eine Art Politikpragmatismus zugelegt: was ich brauche, lasse ich mir von meinem Mann erklären. So auch die Sache mit den Kitas. Und wenn ich das richtig verstanden habe, sollen jetzt alle einen Anrecht auf einen Kitaplatz bekommen.

Das ist ja eine ganz tolle Idee, besonders für die Frauen, die unbedingt einen brauchen, weil sie einen ganz genauen Plan für ihr Leben haben. Erst neulich stand wieder eine vor mir, mit ihrem wunderschönen dicken Bauch und strahlte als sie mir sagte: „Nach einem halben Jahr gehe ich wieder arbeiten und ich habe auch schon einen Kita-Platz.“

Ähem. Moment Mal. Hast Du gerade „nach einem halben Jahr“ gesagt? Hat man da überhaupt schon abgestillt? Ach so, Du willst gar nicht stillen, damit das dann mit der Entwöhnung nicht so schwierig wird, wenn das Kind in die Kita geht. Gut, dass soll jeder für sich entscheiden. Aber willst Du nicht erst einmal abwarten, was Du für ein Kind bekommst? Ob es viel schreit, schlecht schläft, viel spuckt? In sich ruht oder viel Beschäftigung und Ablenkung braucht? Lebendig oder eher kuschelig? Oder beides?

Was, wenn es immer wieder Bauchweh hat? Oder mit 6 Monaten gerade anfängt zu zahnen – und immer, wenn ein Zahn einschießt, eine Mittelohrentzündung mit Fieber bekommt? Was, wenn es gerade anfängt zu fremdeln? Oder einfach „nur“ anhänglich ist und sich bei Dir am wohlsten fühlt?

Solche Frage zu stellen ist unpopulär – und deshalb stellen wir sie meist nicht. Denken: Sie wird das hoffentlich alles selbst merken, wenn das Kind da ist. Aber das tun die meisten nicht. Denn die meisten machen, was sie gelernt haben. Sie organisieren ihr Leben, denn dazu sind wir erzogen. Soll ja schließlich ein Erfolg werden. Und wenn Heirat, Schwangerschaft und Geburt hinter uns liegen, geht es weiter im Programm. Und das, liebe Leser, finde ich falsch.

Kinder zu kriegen ist keine Phase, sondern eine Entscheidung für ein anderes Leben. Das sagt euch keiner, weil es nicht passt in das Bild einer Zeit, in der Frauen studieren und unsere Familienministerin blutjung ist und ihr Kind neben dem Schreibtisch steht. Sieht ja alles so einfach aus. Ist es aber nicht – und das kann ich euch sagen, auch wenn ich keine Ahnung von Politik habe. Mein Kind stand nämlich auch neben dem Schreibtisch. Aber da muss ich kurz ausholen.

Ich war beruflich immer selbständig. Als ich meinen Mann kennen lernte, war er das Gott sei Dank auch. Als ich schwanger wurde, zog er von Köln zu mir nach Paderborn. Und als wir dann umzogen nach München, weil er nur noch unterwegs war und unser zweites Kind sich ankündigte, da habe ich gesagt: „Nicht ohne meine Mutter!“ „Wieso denn das nicht?“ hat mein Mann gefragt. Heute weiß er es.

Jetzt könnt ihr denken „Ahhh, siehst Du, die hatte ihre Mutter dabei! Kein Wunder, dass die über Kitas lästert.“ Erstmal möchte ich euch sagen: eine Mutter mit Mitte 60 in eine andere Stadt zu verpflanzen, ist für alle ein Kompromiss. Die ersten 3 Jahre hat meine Mutter sogar bei uns gewohnt. Auch nicht einfach, wenn man frisch verheiratet ist und kleine Kinder hat. Aber meine Mutter ist toll und ich bin froh, dass sie immer da war und ist.

Denn das versetzte mich in die glückliche Lage, mein zweites Kind morgens nach dem Stillen mit ins Büro zu nehmen (100 m Luftlinie von Zuhause) und es schlafend im Maxi Cosi neben den Schreibtisch zu stellen, bis es für die zweite Mahlzeit aufwacht – und dann wurde wieder gestillt. Danach kam meine Mutter, ist mit meinen beiden Kindern spazierengefahren und wenn mein Sohn wieder Hunger bekam, ging ich mittags nach Hause.

Ja, das ging alles nur, weil ich eine Mutter dabei hatte. Eine, die ihr Leben dafür geben würde, dass es ihren Enkeln gut geht. Die bei jedem Jammern das Kind hochnimmt und es rumträgt wenn es ein Bäuerchen machen muss. Hätte ich meine Mutter nicht gehabt, hätte ich nicht die 2 bis 3 Stunden jeden Tag arbeiten können und das war damals für unseren Betrieb wirklich wichtig. Hätte ich meine Mutter nicht gehabt, hätte ich mein Kind aber nie in eine Kita gegeben – dann wäre ich Zuhause geblieben und hätte die Arbeit in die Abendstunden jongliert – und wir alle wissen, wie anstrengend das dann ist.

Warum ich mein Kind nicht so früh in eine Kita gegeben hätte? Weil ich finde, dass ein Kind in den ersten Jahren in die Familie gehört. Mama, Papa, Oma, Opa – zu Menschen, die es bedingungslos lieben und nicht wie Einen unter Vielen behandeln. Einer unter Vielen – das wird man noch früh genug. Und das funktioniert meiner Meinung nach nur dann, wenn man in den ersten Jahren das Selbstverständnis, das Selbstbewusstsein, die Liebe und die Geborgenheit bekommen hat, die man braucht um DER eine unter Vielen zu werden. Es gibt natürlich auch ganz ganz tolle Kindermädchen oder Tagesmütter. Solche die wirklich wollen und können, mit wenig Kindern und viel Liebe und Aufmerksamkeit. (Ach Janka, wie wir Dich immer noch vermissen!) Der Betreuungsschlüssel von Kitas schnürt mir allerdings eher die Luft ab. Der Gedanke, dass Kinder, die noch nicht mal sprechen können, dahin gegeben werden, ohne dass sie sagen können, ob sie sich dort wohl fühlen, auch.

Ich habe keine große Ahnung von Politik, aber ich habe Ahnung von Menschen. Und wenn ich sehe, wie sich viele Kinder verhalten, die ihr Dasein von früh an in der Kita fristen mussten, dann weiß ich, dass das keine Perspektive für unsere Gesellschaft ist. Wenn das ein politisches Statement ist, ist mir das gerade Recht.

Und natürlich dürft ihr jetzt gerne sagen: Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Das glaube ich euch sogar. Sicher gibt es sie, die Ausnahmekitas. Aber sie sind eben, was sie sind: die Ausnahme. Was ich aber nicht mehr hören kann? “Mein Kita ist toll, denn da wird den Kindern so viel geboten – das könnte ich ja gar nicht.” Wieso denn nicht? Trifft man sich heute  nicht mehr mit anderen Müttern, die gleichaltrige Kinder haben? Glaubt ihr im Ernst, dass die Erzieherinnen euer Kind so lieben, wie ihr? Liebt IHR denn andere Kinder wie euer eigenes?

Kinder zu kriegen ist die Entscheidung für ein anderes Leben. Ein Leben, in dem man nicht jederzeit alles haben kann. Vor allem nicht dann, wenn die Kinder noch wirklich klein sind. Ist es nicht endlich mal an der Zeit zu verstehen, dass Emanzipation nichts aber auch gar nichts damit zu tun hat, in allen Lebensphasen übermenschliche Leistungen an allen Fronten zu bringen und sich verhalten zu müssen wie ein Mann?

Sondern vielleicht einfach damit, zu zeigen, was man als Frau alles drauf hat? Unsere hohe emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz da einzusetzen, wo sie am besten aufgehoben ist und unsere Familie und damit auch die Gesellschaft am Weitesten nach vorne bringt?

Wo das sein soll? Das kann ich euch sagen: Zuhause. Beim eigenen Kind.

242 Kommentare

  1. Hallo Svenja!
    Ja, dein Artikel ist schon etwas älter, aber inhaltlich voll aktuell!
    Nur ist eine neue Dimension dazugekommen, die ich unfassbar finde! Durch den Ausbau der U3 Plätze, ist es zunehmend schwierig einen Kita Platz Ü3 zu bekommen. Die Eltern haben oft die Wahl: ihr Kind geht entweder U3 in den Wunschkindergarten oder der Platz ist vergeben. Das kann es doch nicht sein. Nicht alle, aber viele Kinder sind zu hause oder einer liebevollen Tagesmutter deutlich besser aufgehoben!
    Natürlich gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Platz, aber keinen auf eine Wunscheinrichtung!
    Ich finde es zum heulen, was da passiert und völlig an den Kindern und den Familien vorbei!

  2. Hallo Svenja,
    ich bin nicht in allen Punkten Deiner Meinung. Unsere Kinder gehen sehr gern in die Krippe; wir haben uns extrem viel Zeit für die Auswahl der Einrichtung genommen und eine Krippe ausgewählt, in der es einen überdurchschnittlich hohen Betreuungsschlüssel gibt, ein inklusive Kinderhaus, wo in jeder Gruppe 1-2 entwicklungsverzögerte oder behinderte Kinder sind, die besondere Förderung brauchen. Zusätzlich können wir an 3 Tagen pro Woche kostenfrei mit einer Psychologin sprechen. In dem Kinderhaus geht es extrem ruhig zu, es gibt eine reizarme Umgebung mit relativ wenig Spielsachen, die nach jedem Spiel wieder aufgeräumt werden. Unsere Kinder gehen auch nicht von 8-18 Uhr dorthin, das finde ich viel zu lang, sondern von 8:30 oder 9 Uhr bis 15:30, das ist schon lang genug. Gelegentlich holen wir sie auch früher ab. Die Krippe hat extrem viele Schließtage (30), an denen unsere Kinder ohnehin von uns betreut werden. Mein Mann und ich haben uns dafür entschieden, beide Teilzeit zu arbeiten und weniger Geld zu verdienen, weil wir uns gern Zeit für die Kinder nehmen möchten und holen sie abwechselnd ab, so dass der, der nicht abholt, auch mal länger arbeiten kann. Wir können leider nicht auf Großeltern zur Betreuung zurückgreifen, weil sie entweder sehr alt, oder krank sind, finden aber das Konstrukt aus Teilzeit und Krippe gut und bereichernd. Unsere Kinder haben ein sehr enges Verhältnis zu ihren Betreuern und fragen schon am Samstag nach ihnen, das verletzt uns als Eltern keineswegs, sondern wir finden es schön, dass die Kinder mehrere Bezugspersonen haben. Wenn sie nur von uns zu Hause betreut worden wären, hätten sie sehr vieles nicht gelernt: sie dürfen z.B. abwechselnd beim Kochen helfen und mein Sohn konnte schon mit 1,5 Jahren Gurken und Tomaten schneiden, während wir ihm zu Hause nie ein echtes Messer gegeben haben, weil wir es zu gefährlich fanden. Es gibt viele weitere Beispiele für Dinge, die sie dort gelernt haben und bei uns nicht. Die Erzieher sind natürlich viel erfahrener als wir Neu-Eltern und können andere, oder zusätzliche für das Kind bereichernde Impulse setzen. Mein Fazit: Krippe ja, aber nicht zu lange, es muss ausgewogen sein und genug Zeit mit den Eltern bleiben, in der sie sich wirklich mit den Kindern beschäftigen und ihnen nicht nur z.B. beim Abendessen machen schnell irgendein Spielzeug hinlegen, damit sie dabei nicht “stören”, das ist keine Beschäftigung mit dem Kind. Andererseits sollte die Krippe so viel Flexibilität bieten, dass vielleicht auch nochmal ein Stündchen in der Woche bleibt, zu dem die Eltern mal zu zweit einen Kaffee trinken und sich mal in Ruhe unterhalten, das ist auch wichtig und die Kinder profitieren von einer guten, stabilen Beziehung der Eltern untereinander. Eine Stunde pro Woche kann da oft schon Wunder wirken…

    1. Meine Liebe, Danke für den ausführlichen Kommentar. Wir sind gar nicht so unterschiedlicher Meinung, denn Du lebst “Krippe at its best”. Deine Lebensumstände hast Du aufs Beste eingerichtet, ihr seid beide bereit Teilzeit zu fahren, ihr lasst die Kinder nicht unmäßig lange dort, der Betreuungsschlüssel ist top, ihr seid achtsam mit allem. DAS ist aber eben oft die Seltenheit. Viele müssen den Platz nehmen, den sie kriegen. Viele können nicht auf Teilzeit gehen. Dann wird es schwierig. Ich wünsche mir ein Deuschland, in dem jeder wählen kann und der Arbeitgeber/Statt Müttern (oder Vätern) in den ersten 3 Jahren 80% des Gehalts weiterzahlen muss. Dann kann jeder frei entscheiden und nicht nur Menschen, die in so einer glücklichen Lage sind wie ihr oder mein Mann und ich. Alles Liebe, Svenja

  3. Hallo Svenja,
    Danke für deinen Artikel.
    Ich freue mich immer sehr, wenn ich zu der Thematik was finde, dass nicht beleidigend in die eine oder andere Richtung ist.
    Ich hab meinen Zwerg mit 18 Monaten in die Krippe gegeben. Jetzt ist er 34 Monate und bleibt noch, bis er im September in den Kindergarten wechselt.
    Mir ist es damals zugegeben auch schwer gefallen, – und manchmal tut es das heute noch – ,da ich jedoch nicht verheiratet bin, wirds dann auch versicherungstechnisch schwierieg. Stichwort: 450-Euro-Job (nur 2 Jahre Elternzeit beantragt).
    Mein kleiner geht Montag-Donnerstag von 8-14 uhr. Bekommt natürlich Mittagessen und macht Mittagsschlaf in der Krippe.
    Freitags ist Mama-Tag und das genießen wir beide.
    Ich muss dazu sagen, dass wir in der krippe einen (wie ich finde) guten Betreuungsschlüssel haben… 1:4 oder 1:3.
    Ich arbeite von 8:30-13:30 uhr… also “Freizeit” ist nicht. Dafür hab ich persönlich ehrlich gesagt nicht soviel Verständnis :-/ .
    Gerade in Zeiten, in denen es immer mehr Alleinerziehende gibt, finde ich , gehört es auch zu den Elternpflichten, dass man sicherstellen kann, dass man finanziell für sich und das Kind sorgen kann.
    Ich bin zwar zum Glück nicht akut davon betroffen :-) , aber ich finde es schon beruhigend zu wissen, dass ich im Falle einer Trennung nicht gezwungen bin, mein Kind in dieser schweren Phase aus seiner gewohnten Umgebung reißen zu müssen (kein Umzug oder Stunden aufstocken nötig).

    Mich würde wirklich deine Ansicht zu diesem Thema interessieren.

    Mit den besten Grüßen

  4. Liebe Svenja,
    Ich weiss der Post ist schon älter, aber er spricht mir aus dem Herzen.
    Wir haben zwei Kinder (4,7 und 2 Jahre) und leben in Frankreich, einem Land in dem KITA und FREMDBETREUUNG noch viel, viel grösser geschrieben werden als in Deutschland. In Frankreich geben die meisten Mütter ihre Kinder frühzeitig als Babys in die Kita. Und wer das nicht tut und, Gott bewahre, sein einjähriges Kind noch stillt, der hat, nach französischer Ansicht, ein psychisches Problem, da er sich nicht von seinem Kind lösen kann.
    Das geht so weit, dass die Mamis die Langzeit stillen (wie ich) beim Kinderarztbesuch nur still hoffen, dass ihr Kleines jetzt nicht trinken möchte, um den strengen Blicken und teilweise wirklich dämlichen Kommentaren des Arztes zu entgehen.
    Auch sind Frauen die nicht arbeiten gehen, sondern sich “nur“ um ihre Kinder kümmern in Frankreich gesellschaftlich nicht anerkannt, sogar verpönt.
    Kita ist Tradition in Frankreich. Die wohlhabenderen Familien nehmen sich, manchmal auch zu mehreren Familien, ein Kindermädchen, welches dann zwar ihre Kinder betreut aber seine eigenen Kinder kaum sieht (auch verrückt), denn oft bleibt die „Nounou“ bis um 20:30 Uhr oder später die Eltern nach Hause kommen und ihrem, dann bereits gebadeten und gefütterten Sprössling, gerade noch „Bonne Nuit“ sagen können.
    Viele Familien nehmen das Kindermädchen sogar mit in den Urlaub, denn „sonst ist es ja kein Urlaub! Ich arbeite schließlich!“.
    Ich habe dieselbe Einstellung wie Du, Svenja, d.h. ich habe mir meinen Beruf so eingerichtet, dass ich im Büro das unter unserer 30m2- Mini-Wohnung liegt, arbeiten kann. Wäre ich in einem Angestelltenverhältnis, könnte ich 4-8 Mal so viel verdienen wie jetzt und hätte weniger zu tun.
    Mein Mann ist Musiker und Komponist und baut sich, anstatt auf Tournee zu gehen, auch gerade seinen Kundenstamm auf, der es ihm erlauben soll, von zu Hause zu arbeiten. Das ist knochenhart und auf Tournee zu gehen wäre sicherlich einfacher und auch lukrativer. Aber so ist immer einer von uns bei unseren Kindern.
    Wir kommen gerade so über die Runden. Meine Eltern leben in Deutschland, die meines Mannes in der Schweiz.
    Ich stehe generell um 5:00 Uhr auf, um mein Arbeitspensum erledigen zu können und manchmal ist unser Alltag hart. Aber ich würde es immer wieder so machen.
    Das Erziehungssystem hier in Frankreich ist allgemein sehr zeitintensiv, wenn auch, meiner Ansicht nach nicht mehr Stoff gelernt wird als in Deutschland (das belegen auch die PISA-Studien), sondern nur die Zeit in der Schule abgesessen wird bis die Eltern endlich von der Arbeit kommen. Die Einstellung der Lehrer und deren Qualifikationen lassen auch teilweise zu wünschen übrig. Meinungs-, Denk- und Ausdrucksfreiheit der Schüler wird nicht gefördert, um es milde auszudrücken. Auf persönliche Entfaltung wird sehr wenig Wert gelegt, sondern eher darauf, dass man sich gut in das System einfügt, aber das ist ein anderes Thema.
    Ich verstehe nicht warum Frankreich für Deutschland als Vorbild gilt bzgl. Der Kitafrage. Da liegen wir, meiner Meinung nach, ganz falsch und diese Distanz die willentlich durch dieses System zwischen Eltern und Kindern geschaffen wird ist außerdem nicht nur nicht schön, sie ist gesellschaftsgefährdend.
    Wir haben beschlossen nach Deutschland zu ziehen, obwohl unser gesamter Kundenstamm in Frankreich ist und wir unsere Firma auch hier behalten werden. Das wird eine große Umstellung, mit ein paar Reisen verbunden, aber wir schaffen das. Für uns sicherlich komplizierter, aber machbar und für unsere Kinder besser. Sie werden dort frei erzogen, können am Nachmittag das Leben eines Kindes leben, spielen, Hobbies nachgehen und werden auch täglich ihre Großeltern sehen können, eine Beziehung, die wir für sehr persönlichkeitsbereichernd halten.
    Sie werden nicht ihr Leben in der Schule absitzen müssen. (Kinder in Frankreich verbringen mindestens ca. 35-40 Stunden länger pro Monat in der Schule). Wir werden ZEIT miteinander verbringen und nicht eines Tages aufwachen, um festzustellen, daß wir unsere Kinder gar nicht kennen, weil wir zu ihnen keine Beziehung aufgebaut haben, denn das braucht ZEIT.
    Versteht mich nicht falsch, ich sehen schon, daß es bei manchen nicht anders zu gehen scheint. Und dennoch denke ich gibt es irgendwie immer mehr Möglichkeiten, als man denkt, auch wenn dies bedeutet, Prioritäten setzen zu müssen.
    Dieser Umzug macht uns beiden Angst, aber wir gehen stur einen Schritt nach dem anderen voran.
    Mein Kleiner wird sicherlich nicht vor 4 in den Kindergarten gehen.
    Ich verstehe also was Du meinst, Svenja, wenn Du davon sprichst, für das Wohlergehen der Kinder wie eine Löwin zu kämpfen.
    Gut gebrüllt, Löwin.
    Alles liebe,
    Julia

    1. Julia – vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Was für ein mutiger und wichtiger Schritt von euch, euch für die Kindheit eurer Kinder und ein echtes Miteinander zu entscheiden. Ich bin mir sicher: DAS wird der Schritt sein, über den Du mit 80 im Schaukelstuhl denkst: Alles richtig gemacht. Am liebsten würde ich mich gerade mit Dir und einer Tasse Tee hinsetzen und reden, reden, reden. Alles Liebe, Svenja

  5. Hallo,
    das ist das erste Mal, dass ich überhaupt ein Kommentar irgendwo hinterlasse und doch kann ich es mir hier nicht verkneifen! ;)
    Auch ich habe mich erst etwas über den Beitrag geärgert, weil ich das Gefühl hatte, dass er gegenüber Müttern, die ihre Kinder in die Fremdbetreuung geben, intolerant ist. Letztendlich kann ich aber vollkommen nachvollziehen, dass die Situation mit der Omabetreuung als vollkommen gelungen eingeschätzt wird und natürlich ist es etwas Tolles, das Kind zur Oma zu geben.
    Mehr geärgert habe ich mich über zahlreiche Kommentare.
    Ich selbst wurde mit sechs Wochen in die Krippe gegeben. Meine Mutter musste ihr Studium beenden, mein Vater Geld verdienen und nun ja, in der ehemaligen DDR war es durchaus Gang und Gebe, Kinder schnell und lange in die Betreuung zu geben. Wenn meine Mutter damals die Möglichkeit gehabt hätte, hätte es Elterngeld gegeben, sicher wäre sie auch mit mir Zuhause geblieben. Trotzdem möchte ich einmal betonen, dass ich eine sehr gute Bindung zu meiner Mutter habe. Viel mehr als an Kindergartenerlebnisse, erinnere ich mich an meine Mutter, wie sie mir jeden Abend vorgelesen und vorgesungen hat, wie wir morgens mit Fahrrad zur Kita gefahren sind oder ich abends noch zu ihren Füßen lag und gemalt habe, wenn sie noch etwas zu erledigen hatte. Meine Tante hat sich über die enge Beziehung zwischen mir und meiner Mutter lustig gemacht und meinte, wir verstünden uns ohne Worte, bei uns werde sicher nie ein Wort geredet. Qualität statt Quantität!
    Mit 26 bekam ich selbst mein erstes Kind. Als mein Sohn zehn Monate alt war, begann ich mein Ref und mein Mann blieb noch zwei Monate Zuhause, der Kleine wurde bei der Tagesmutter eingewöhnt. Diese Tagesmutter war ein Schatz und wurde zur Freundin. Übrigens tat es der Beziehung zwischen meinem Mann und meinem Sohn so gut, dass ich (regelmäßig) einfach mal nicht da war. Und plötzlich fühlte sich auch mein Mann in einer ganz neuen Form wirklich gebraucht. Mein Sohn blieb bis über seinen dritten Geburtstag hinaus bei der Tagesmutter, dann ging er in die Kita. Eingewöhnung? Wie schon zuvor bei der Tagesmutter kein Problem. Dort konnten wir ihn schon am dritten Tag die erste Stunde allein dort lassen, was von anderen Müttern neidvoll beobachtet wurde. Dazu muss ich sagen, dass das einfach eine tolle Kita ist, wir sind alle per du und gehen sehr persönlich miteinander um. Wenn ich meinen Sohn heute abhole und mich extra beeile, muss ich mir ständig anhören, warum ich so früh da bin.
    Nun habe ich meinen zweiten Sohn bekommen, aber eine Heike (Tagesmutter)gab es nicht mehr, da wir umgezogen sind. Und ich habe hier keine vergleichbare Tagesmutter gefunden. Ich muss zugeben, ich hatte erst Angst, meinen zweiten in die Krippe zu geben. Ich hatte auch diese Horrorvorstellungen, dass mein Kind mit wunden Po und total verheult nach Hause kommt. Dass man sich einfach nicht genug um ihn kümmert. Aber auf den Versuch kam es letztendlich an. Übrigens läuft die Eingewöhnung hier nicht in 5 Tagen ab. Nach 5 Tagen bin ich für 10 Minuter gegangen und wäre sofort zurückgerufen worden, hätte es nicht geklappt. Es blieb beim Konjunktiv. Mein Kind ist dort gut aufgehoben. Ich habe da noch nie ein Kind allein weinen sehen (und durch die Glastür kann man da durchaus mal eine Weile unbemerkt zuschauen). Natürlich klammert er sich mal an mich und will mich nicht gehen lassen und weint. Das macht er aber auch, wenn er bei meinem Mann bleiben soll. Für genau 10 Sekunden.
    Ich glaube, meine Kinder können dich deswegen gut von mir/uns trennen, weil ich ihnen in den ersten Monaten und auch jetzt in unserer gemeinsamen Zeit ganz viel Nähe, Liebe und Vertrauen gebe. Qualität nicht Quantität!
    Warum ich meine Kinder “weggebe”? Sicher auch aus finanziellen Gründen. Ich verdiene wirklich gutes Geld (auch bei 70%) und wir bauen jetzt ein Haus. Aber auch einfach, weil ich GERNE arbeite. Ich liebe meinen Job, dafür habe ich studiert. Meine Rolle als Mutter erfüllt mich, mein Job auch. Ich möchte beides machen, das macht mich glücklich und ausgeglichen und das überträgt sich auf meine Kinder. Deswegen fühle ich mich nicht als schlechte Mutter. Deswegen kann ich aber auch Mütter, die mit ihren Kindern wesentlich länger Zuhause bleiben, nicht weniger verstehen. Für sie ist das die Erfüllung.
    Ich wünschte mir mehr Toleranz von Seiten vieler Mütter. Irgendwie erlebe ich ganz oft, dass Mütter untereinander so unglaublich unnachgiebig sind. Um ehrlich zu sein, war ich nach meinem ersten Kind auch ein wenig so. Ob man stillt, die Flasche gibt, Brei selbst kocht, Brei fertig kauft, das Kind im eigenen Bett schläft, im Familienbett… die Kinder von der Mutter, der Oma, der Tagesmutter oder der Kita betreut werden. Jede Familie findet ihren Weg und das ist richtig so, solange die Kinder, Mamas und Papas damit glücklich sind.

    1. Liebe Anne, Danke für Deinen langen Kommentar. Bei einigen Deiner Ausführungen war ich ein bisschen traurig – vor allem, als ich gelesen habe, dass Du mit 6 Wochen in eine Krippe gekommen bist und kaum Erinnerungen an Deine Zeit dort hast – aber weißt Du: Das ist Deine Geschichte. Für Dich fühlt sie sich gut und richtig an. Das ist Dein Weg und Du gehst in voller Lieber mit Deiner Mutter und Deiner Familie. Ich freu mich, wenn Du glücklich bist. Svenja

      1. Ja, da hast du recht! Das ist traurig. Ich möchte auch nicht sagen, dass man sein Kind mit sechs Wochen in die Fremdbetreuung geben soll. Für MICH persönlich unvorstellbar! Ich habe die Elternzeit mit meinen Kindern wirklich genossen. Ich wollte entgegen einem vorherigen Kommentar nur deutlich machen, dass die Beziehung zur Mutter deswegen nicht zwangsläufig schlecht sein muss. Was mich bei manchen Kommentaren, an der Überschrift des Beitrags und an vielen Müttern überhaupt oft stört, ist der Imperativ, mit dem aufgetreten wird. Damit das Kind glücklich ist, muss man… Man darf nicht… Man kann doch nicht… Warum denn nicht? Wenn es doch nun für genau diese Familie das Richtige ist? Die Kita kann für eine Familie die perfekte Lösung sein, für eine andere die Tagesmutter, die Oma, die daheimbleibende Mutter. In Deiner Antwort sagst du ja genau das, in dem Beitrag wurde das nicht so deutlich.
        Übrigens zu den wirklich schlecht geführten Kitagruppen: Beschwert euch bei der Leitung, geht notfalls eine Instanz weiter, schließt euch als Eltern zusammen, fragt nach, hinterfragt, kritisiert! (Da ist er wieder, der Imperativ ;)) Aus Erfahrung durch eine Freundin, die in einer Krippe arbeitet, weiß ich, dass Eltern da durchaus sehr viel ausrichten können. Gemeinsam, nicht einsam! Und so musste die entsprechende herrische und maulende Erzieherin wieder von dannen ziehen!

      2. Ja, es gibt unterschiedliche Lösungen für unterschiedliche Familien. Aber ich bin mir fast sicher, dass es auch für locker 75% der Kinder, die in einer Kita sind, zuhause schön oder schöner wäre. Zumindest wenn ich mir die Kitas hier in München anschaue. Unglaubliche Zustände. Und Du hast Recht: Das muss nicht so sein.

  6. Liebe Svenja,

    es findet derzeit in Deutschland ein Paradigmenwechsels zu diesem Thema statt. Obwohl es viele Studien gibt, die das Gegenteil belegen, wird Müttern plötzlich eingetrichtert, dass Kinder durch eine Krippenbetreuung besser gefördert werden, als wenn sie zuhause in der Familie betreut werden. Ich finde es sehr gut, dass Du hier so deutlich Stellung beziehst. Natürlich gibt es familiäre Gegebenheiten unter denen es besser ist, wenn ein Kind fremdbetreut wird (bspw. Sucht, psychische Erkrankung eines Elternteils usw.), in der Regel kann jedoch eine liebevolle Mutter, die bereit ist, sich auf ihr Kind einzulassen, ihr Kind mindestens genau so gut fördern, wie dies im Rahmen einer Kinderkrippe möglich ist. Natürlich soll jede Familie selbst entscheiden, wie ihre Kinder betreut werden. Ich wehre mich jedoch gegen diesen Wechsel in der öffentlichen Meinung, der vermutlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass viele Mütter, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind, selbst als Kinder so betreut wurden und damit argumentieren, dass ihnen dies “auch nicht geschadet hat”.
    Auch die sogenannte “Quality-Time” ist meiner Meinung nach ein gedankliches Konstrukt, das jeder Grundlage entbehrt. Erzählt doch mal einem Arbeitgeber, dass ihr in Zukunft nur noch zwei Stunden am Tag in die Arbeit kommt und in dieser Zeit dann effektiver arbeitet, als andere, die den ganzen Tag anwesend sind, weil ihr dann motivierter seid. Ich vermute es wird wenig Arbeitgeber geben, die diese Vorstellung teilen und bereit sind das gleiche Gehalt zu bezahlen.

    1. Danke für Deine Meinung Angelika. Bin in vielen Dingen bei Dir, aber den Paradigmenwechsel haben wir glaube ich vor allem dem Kapitalismus, dem endlosen Konsumantriggern und der schneller werdenden Welt zu verdanken ;-) Ganz liebe Grüße, Svenja P.S.: Aber ich weiß schon, was Du meinst. Je mehr diese Art der Kinderbetreuung in der Gesellschaft durch Erfahrung und gelebte Muster verankert ist, desto mehr ist es eine gemähte Wiese….

  7. Hi der Beitrag ist schon älter ich weiss ^^ eigentlich habe ich gesucht ob andere ihre 3 Jährigen mit dem Kindergarten (in der Eingewöhnung) schon von 8-15 Uhr in den Zoo fahren lassen würden. Aber nichts gefunden:(
    Zu diesem Artikel wollte ich trotzdem was schreiben, ich finde es sehr toll geschrieben! Ich war 3 Jahre mit meinem Kleinen, Alleinerziehend, zu Hause. Ohne Oma etc die mal aufgepasst hätten. Es war nicht immer leicht und viel Geld hatten wir auch nicht aber ich würde es immer wieder genauso machen. Mein Kind aufwachsen zu sehen und ihm Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken war und ist mit nichts zu ersetzen.

    Und die Kommentare von wegen “ich muss arbeiten und mein Baby abschieben weil ich sonst kein Geld habe ” machen mich so wütend! Dann setz kein Kind auf die Welt wenn du meinst du kannst es nicht verpflegen UND ihm liebe schenken!!! Und sowas wie “wir haben erst ein eigenheim gekauft (oder sonst was) und jetzt müssen wir dafür arbeiten” halloooo?? Was ist denn das bitte für eine Priorität?? Das ist mir unbegreiflich!!! Dann kauft man halt mal nicht die teuersten Sachen. Dann sollte man halt nicht rauchen oder sonst was. Das Geld reicht und für was ist das Kindergeld das jedes Kind bekommt?? Na für das Kind und das reicht wenn man gut damit umgeht! Also schreibt nicht so einen Blödsinn von wegen ich MUSS arbeiten!! Das eigene Kind ist das wichtigste! Und nicht das was der ach so tolle Staat uns beibringt (du musst arbeiten sofort und dein Baby machst du in eine Einrichtung damit du für mich arbeiten kannst und wenn das kind grösser ist wird es auch für mich arbeiten…..aber dieses Thema ist ein anderes Thema.)

  8. Hi Svenja, dein Artikel ist zwar schon älter, aber dennoch betrifft er ja viele auch heute noch. Klar, Familie ist und sollte für das Kind das wichtigste sein. Und auch klar, ein Leben mit Kind, ist ein anderes Leben. Jedoch haben weder Kinder in Skandinavien, noch Kinder in anderen europäischen Ländern einen Schaden davon getragen, dass sie zum Teil schon sehr früh fremd betreut wurden. Das 1. Lebensjahr ist ein Baby am Besten bei der Mutter aufgehoben. Doch ein Kind sollte seinen Horizont auch erweitern können und eine gute Tagesmutter kann da einiges tun, um die Entwicklung des Kindes zu fördern. Mein Sohn kommt ab September mit einem Jahr zu einer ganz tollen Tagesmutter, die mit den Kids immer draussen ist und viel unternimmt. Und ich freue mich wirklich sehr darauf, wieder arbeiten zu gehen, zum Teil im Büro, zum Teil im Home Office. Aber wieder neue Inspirationen zu bekommen und nicht mit dem Kind in einen Mikrokosmos zu verfallen, finde ich sehr wichtig. Die Freude auf beiden Seiten wird sehr groß sein, wenn man den Nachmittag zusammen verbringt. Die Zeit, die man gemeinsam hat, kann effektiv genutzt werden, denn man weiß sie zu schätzen. Meine Eltern haben immer Vollzeit gearbeitet und mein Verhältnis zu ihnen ist ganz wunderbar. Ich werde Dich mit Sicherheit nicht für Deine Einstellung angreifen, denn jeder hat ein Recht darauf zu schreiben, was er denkt. Aber fair ist es nicht, alle Kitas und Betreuungsmöglichkeiten schlecht zu machen. Ebenso sollte man eben auch als Frau an später denken…eine Trennung, ein Unglück und auch die Rente sind Themen, die jeden betreffen können/ werden. Ich kenne übrigens auch Männer, die in Elternzeit waren, während die Frau Vollzeit arbeiten ging..und es klappte sehr gut. Dies ist für Kinder auch eine Bereicherung, ein intensive Zeit mit dem Vater zu verbringen. Und dann habe ich ein Beispiel aus meinem Umfeld, dass mich doch abschreckt. Die Mutter hat noch nie gearbeitet, das Kind ist 7, und alles, aber auch wirklich alles, richtet sich nur nach der Tochter. Es gibt außerhalb der Tochter kein Leben mehr…wenn sie erstmal ein Teenager ist, das kann was werden… Jede Frau sollte also auch dafür sorgen, sich trotz Kinder, selbst zu verwirklichen. Denn heutzutage haben wir diese Möglichkeiten, die sich frühere Generationen nur gewünscht hätten. Viele Grüße, Denise

    1. Vielen Dank für Deine lange und ausführliche Antwort. Ich kann alles, was Du schreibst sehr gut nachvollziehen. Toll, dass Du neue Aspekte angesprochen hast – ich wünsche Dir viel Spaß bei und Erfolg für Deinen neuen Lebensabschnitt und Deine Pläne! Liebe Grüße, Svenja

  9. Ich hatte meine ersten Kinder in der Kita, mein drittes Kind ab 2 für 3 Vormittage im Waldkindi und so werde ich es mit meinem 4. Mäuschen ( fast 2) auch handhaben. Der Lärm, der Trill und überhaupt war das in der Kita echt schlimm. Nie wieder! Wir waren eben anfangs ne junge Familie und brauchten das Geld ( wobei mein Gehalt!! fast !! Für die Betreuung draufging) ich hatte nicht viel von meinen zwei ersten Kindern. Morgens um 7 gingen wir aus dem Haus und um 16.00 +/- wurden sie wieder abgeholt. Noch schnell einkaufen usw…. bis wir alle zu Hause waren, dann 18/19 Uhr Abendessen und Gott ja ich bin ja auch nur ein Mrnsch war ich froh, wenn die Kinder im Bett waren…. was für ein ” Familienleben”!!!
    Mit dem 3. Kind wollte ich es definitiv anders machen. Wir genossen die ersten 2 Jahre zusammen seeeehr. Es gab mir so viel, für meinen Sohn da zu sein. Er ist ein aufgewecktes Kerlchen, dem es auch als Nicht-Kita-Kind nicht langweilig war! Diese emotionale erste Phase im Leben eines Kindes durften wir zusammen genießen und dafür bin ich unendlich dankbar! Es war wie Balsam für mein Seele, da ich im Nachhinein sehr darunter gelitten hatte, die viele Entwicklungsschritte der Kinder nicht so richtig mitbekommen zu haben ( krabbeln, erste Schritte, alleine Essen, Spracheentwicklung…)
    Kopfschüttelnd muss ich aber erkennen, dass die Kitaunterbringung heutzutage eines der wichtigsten Dinge sei soll.

    Wacht auf Mamas!!!

    Nie wieder könnt ihr diese Zeit mit euren Kindern zurück holen. Sie ist uneinbringlich vorüber. Was wollt ihr für ne Beziehung aufbauen, wenn ihr euch nur wenige Stunden seht. Und aus zuhause betreuten Kindern werden nicht zwangsläufig Ego-Tyrannen. Meine letzten beiden sind es definitiv nicht, sondern sehr emphatische und sehr soziale Kinder.

  10. Bravo! Ich freue mich über jeden, der sich traut, gegen den Mainstream aufzustehen! Ich kenne keinen einzigen Kinderpsychologen, der frühkindliche Fremdbetreuung gutheißt. Die Schäden, die das in den Menschen anrichtet, werden wir erst in den nächsten 40 Jahren entdecken. Natürlich erzählt jede Mutter eines Krippenkindes wie gut das Kind entwickelt ist. Natürlich merkt man frühkindliche Schäden erst viele Jahre später. Warum sind die Praxen der Psychologen so voll? Die Antidepressiva auf Rekordhoch? Und haben die Mütter dieser Generationen damals gemerkt, was sie ihren Kindern antun? Nee. Die glaubten, dass das gut so ist. Schlafprogramme, Schreien lassen, Babies schon ins eigene Zimmer, bloß nicht verwöhnen…

    1. Puh – ich habe schon so viel Gegenwind auf diesen Post bekommen. Aber ich lasse ihn stehen. Ich bin der Meinung jedes Kind ist vor dem Kindergarten zuhause besser dran. Und finde es schade, dass das in dieser Gesellschaft oft belächelt wird. Oder nicht geht. Warum eigentlich nicht? Danke, Christine.

  11. Liebe Svenja,
    ich habe Deinen Artikel mit Begeisterung gelesen und bin froh – wenn auch nur im Netz – jemanden gefunden zu haben, die das mit der Betreuung so sieht wie ich. Nur kurz zu mir: ich habe eine 13 jährige Tochter, die ich mit 3 Jahren BEWUSST zu einer Tagesmutter geschickt habe, weil ich Kitas nicht mag. Ich finde dort ganz einfach die Gruppen zu groß und bin der Auffassung, dass mein Kind nicht jede “Seuche” mitnehmen muss. Sicherlich werden Kinder auch mal krank, das müssen sie, um ihre Abwehr zu stärken, aber in einer kleineren Gruppe ist die Wahrscheinlichkeit nicht so groß, dass das passiert. Jetzt haben wir seit 1 Jahr einen kleinen Nachzügler Zuhause. Allerdings gerate ich ständig mit meinem Partner in Streit, weil er den Kleinen mit 1 Jahr in der Kita hätte. Weil alles ja dann soviel einfacher wäre – sagt er. Ich habe 2 Jahre EZ genommen. Mein Partner arbeitet eigentlich voll, obwohl er nur einen Teilzeitvertrag hat. Finanziell geht es uns gut, aber das leidige Thema um die Betreuung bringt mich zur Verzweiflung. Ich würde mich freuen, könnte man sich privat darüber austauschen. Vielleicht hättest Du den ein oder anderen Tipp für mich. GLG

    1. Liebe Andrea, vielen Dank für Deinen Kommentar und Dein Vertrauen. Leider kann ich Dir gerade keinen privaten Austausch anbieten, da mich einfach zu viele Mails täglich erreichen. Was ich Dir aber vorschlagen möchte ist, Dich einmal ganz in Ruhe mit Deinem Partner hinzusetzen. Sprich einmal mit ihm darüber, warum es für Dich so wichtig ist, euren Nachzügler auch daheim zu betreuen. Welche Motive hast Du, welche Gefühle hast Du? Was hat bei Deiner Tochter schon so gut geklappt, dass Du das dem Kleinen auch bieten möchtest? Ich bin mir sicher, wenn er Deine ganze Geschichte hört und Du ihm auch Raum lässt, seine Geschichte zur erzählen (Was wäre für ihn einfacher, wenn der Kleine schon betreut wäre? Könnt ihr seine Wünsche miteinbeziehen?), findet ihr eine Lösung, die für euch beide passt. Ich drücke Dir ganz feste die Daumen und finde es toll, dass Du an deinem Bauchgefühl festhalten willst. Svenja

  12. Liebe Svenja, 29.Oktober,2017

    ich möchte Dich in Deinen Beobachtungen, Gefühlen und Gedanken bestärken und bestätigen. Ich selbst bin langjährige Kinder-und Jugendlichen-Therapeutin, habe selbst 2 Kinder und 4 Enkelkinder im nahen Umfeld.
    Vor allem in den ersten 3 Jahren ist ein Kind auf sichere Bindung angewiesen, die in der Regel am liebevollsten und verlässlichsten in der Familie gelebt werden kann. In Kitas sind häufige Betreuerwechsel unumgänglich und die Kinder leiden unter der Trennung von ihren vertrauten Bindugspersonen, wie auch unter der Unruhe (Reizüberflutung) in der Kindergruppe. Soziales Lernen geschieht in diesem Alter noch in der Zweierbeziehung zu reifen, liebevollen Erwachsenen. Die Erzieher sind meist überfordert mit mehreren Kindern.
    Hinweisen möchte ich auf die Internetseiten “Für Kinder” oder “frühe-bildung-und-seelische-gesundheit.de”, ebenso auf Bücher, wie “Kinder brauchen Mütter” von H.K.Götze oder “Vater-Mutter-Staat” von R.Stadler

  13. So mal nebenbei. Die Wirtschaft hat den Feminismus für eigene Interessen missbraucht und in den Kopf der Frauen gepflanzt, dass sie genau so arbeiten müssen wie Männer (somit hat die Wirtschaft auch erfolgreich geschafft, die Gehälter in Relation zur Inflaktion zu senken und aus einem Arbeiter -Mann- gleich 2 -Mann und Frau- zum selben Preis zu machen). Tja Schade nur, dass sie immer mehr als Männer arbeiten, da Männer selten was im Haushalt machen und keine Kinder kriegen.
    Wenn mehr Frauen den Gürtel enger schnallen würden und länger zu Hause bleiben würden, würde die Wirtschaft sich auf lange Sicht entsprechend wieder ändern die Gehälter der Männer würden wieder höher werden und die klassische Rollenteilung würde langsam zumindest teilweise zurückkehren.
    Ich arbeite 40 Stunden in einem stressigen Job (mittleren Management) und basteln an einem Kind. Ihr könnt euch sicher sein, sobald mein Kind da ist bleibe ich mindestens 2 Jahre zuhause und steige nachher woanders Teilzeit ein.
    Emanzipation hin oder her. Kinder haben sich nicht hierher bestellt. Wir Erwachsenen entscheiden das und haben die Pflicht, unsere Kinder an der ersten Stelle zu setzen!

    1. Ich finde es mutig und toll, dass Du Kinder an erster Stelle siehst. Und auch wenn ich es toll finde, dass Frauen heute arbeiten KÖNNEN, finde ich genau wie Du, dass das ganze System stinkt. Gut, wenn man sich privat entscheiden kann, ob man da mitläuft oder sein Leben in seinem eigenen Stil und Wertesystem lebt. Ich drück Dir die Daumen für die Familiengründung – was für eine spannende Zeit!

  14. Hallo Svenja, ich habe mit Interesse deinen Beitrag gelesen. Ich bin Mutter einer 1 1/2 -jährigen Tochter, Erzieherin und Pädagogin und habe mich im Studium viel mit den Themen Bindung sowie Qualität in Kitas befasst. Meine Kentnisse dazu: Vor dem ersten Lebensjahr wird Fremdbetreuung als nicht günstig angesehen, da in der Zeit der Aufbau einer sicheren Bindung des Kindes zur Bezugsperson erfolgt. Die sichere Bindung entsteht dadurch, dass die Bedürfnisse des Kindes feinfühlig und unmittelbar befriedigt werden, also Stillen, Kuscheln, Trösten etc. Diese sichere Bindung ist ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit des Kindes, so sind diese Kinder seelisch widerstandsfähiger gegenüber Lebenskrisen und Schicksalschlägen und weniger anfällig für Suchterkrankungen. Dieser Aufbau der sicheren Bindung ist natürlich nicht mit dem 1. Lebensjahr abgeschlossen, die Erfahrungen aber elementar.Es kann dann leichter gute Bindungen zu weiteren Bezugspersonen eingehen. Soviel zur Theorie.
    Ich lebe in einer Großstadt mit hohen Mieten, in der ein Einkommen nicht ausreicht . Zudem sind viele Frauen zwar gut ausgebildet, haben aber sehr unsichere , befristete Verträge, dass sie natürlich auch nicht zu lange aussetzen können. Von daher verstehe ich völlig, dass die Frauen auf Fremdbetreuung angewiesen sind. Diese wird hier auch finanziell gut gefördert, die Beiträge sind einkommensgestaffelt und nicht übermäßig hoch. Es gibt auch viele Krippenplätze, was auch nicht überall selbstverständlich ist. Von daher gehen die meisten Kinder um das erste Jahr herum in die Kita. Selbstverständlich braucht das Kind auch in der Krippe sehr viel Zuwendung, Schutz, Liebe und Einfühlungsvermögen, also all die Dinge, die für den Aufbau einer verlässlichen Bindung notwendig sind. Meine Erfahrung als Erzieherin ist: Wir geben uns alle Mühe , aber die Wahrheit ist: Es ist nicht zu schaffen. Nicht, wenn eine Erzieherin bis zu sieben Kinder betreuuen muss, nicht wenn es generell zuwenig ErzieherInnen gibt und die dann auch noch wesentlich kürzer arbeiten, als die Kinder da sind,nicht wenn Urlaube und hohe Krankheitsausfälle hinzukommen, nicht, wenn dadurch ständig die BezugserzieherInnnen wechseln,wenn wir vor lauter Dokumentation, pflegerischen und hauswirtschaftlichen Aufgaben nicht mehr schaffen , das Kind zu sehen. Nicht, wenn Urlaube so genommen werden müssen, dass sie endlich weg sind, ohne Rücksicht auf Eingewöhnungskinder, nicht , wenn zu viele Kinder auf kleinem Raum sind, die gleichzeitig toben, schreien und weinen, so dass vor lauter Lärm und Stress die Empathie flöten geht.. . Ich könnte endlos weitermachen. Ich bin überzeugt davon, dass ein Kind , dass im ersten Lebensjahr eine sichere Bindung zu seiner Bezugsperson aufbauen konnte, mit einer guten Krippe / Tagesmutter klarkommen würde, sofern die Eingewöhnung behutsam stattfindet, die Beziehung zur Erzieherin / Erzieher stimmt und die erste Bindungsperson weiter verlässlich da ist. Ein Kind ohne eine solche Bindung hätte die Chance , von der Beziehung zur Erzieherin zu profitieren.Aber eine schlechte Kita ist einfach nur übel. Und davon gibt es leider, trotz engagierter ErzieherInnen , viel zu viele. Und das sehen die meisten meiner Kolleginnen auch so. Die , die es sich leisten können, lassen ihr Kind , so lange es geht , zu Hause. Die anderen geben ihr Kind mit blutendem Herz ab. Wenn ich dann lese, dass Babys mir 3 Monaten schon in eine Krippe gehen, dann geht mir das emotional sehr nahe und ich bin einfach nur dankbar , in einer solch priviligierten Position zu sein, es nicht zu tun zu müssen. Jeder Mutter, die es kann empfehle ich das selbe, allen anderen Eltern: Lasst euch nicht blenden. Engagiert euch dringend für die Verbesserung der Standarts und bleibt aufmerksam. Vielleicht ist auch eine Tagesmutter die bessere Alternative, zumindest was die Verlässlichkeit der Bezugsperson betrifft. Liebe Grüße

    1. Wow. Tausend Dank für diese differenzierte und wichtige Einsicht in Deinen Beruf und in das Tagesgeschehen in Kitas. Ich bin für diesen Post schon so oft angefeindet worden. Meiner Meinung nach deshalb, weil viele genau wissen und fühlen, was Du beschreibst. Aber ihr Kind trotzdem abgeben. Ob sie es immer müssen oder ob ein Verzicht auf Freiheit, Geld oder die aktive Suche nach einer Tagesmutter nicht doch lohnender wäre? Ich sehe es so. Natürlich muss und darf jeder selbst entscheiden. Natürlich gibt es ganz tolle Kitas, Tagesmütter und Einzelfälle. Aber es bleiben für mich Einzelfälle. Der höhere Prozentsatz von Kindern findet sich in den von Dir beschriebenen Zuständen wieder und kann sich nicht wehren und nichts daran ändern. Ich glaube, dass das was mit unserer Gesellschaft macht und sehe bei vielen Kindern Defizite. Genauso wie bei deren Müttern – im Sinne von Überforderung. Burn Out. Hohen Scheidungsraten. Sich schnell wieder eingliedern zu lassen, weil unsere Gesellschaft daraus ausgelegt ist, dass wir alle viel konsumieren sollen – das kann es nicht sein. Tausend Dank, ich weiß es sehr zu schätzen, wie viel Zeit Du Dir genommen hast, um Deinen ausführlichen und gedankenvollen Kommentar hier zu lassen. Svenja

  15. Hallo Svenja. Ich finde, zur Diskussion ist eigentlich schon fast alles gesagt/angesprochen worden. Meine Tochter ging erst mit drei Jahren in den Kindergarten. Leider, wie es scheint, ein Ausnahmekindergarten, mit Betreuungsschlüssel Ü3 4/12 (irgendeine hatte von der Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der Kinderbetreuung geschrieben. Die gibt es leider schon – keine meiner Freundinnen in den städtischen Einrichtungen ist glücklich, ihr Kind dort zu lassen. Wann kommt endlich die propagierte Qualität in die staatlichen Einrichtungen? Ich wäre bereit viel höhere Gebühren an eine städtische Einrichtung zu bezahlen, wenn dafür die Qualität für alle Kinder steigen würde. Stattdessen hier: Keine Kita-Gebühren für alle. Alleinerziehende, Studenten und Azubis sollten kostenfreie Betreuung bekommen, gerne auch die Freigrenze auf mittlere und ordentliche Einkommen hochsetzen, aber wenn Gut- und Spitzenverdiener in staatlichen Kindergärten nichts zahlen müssen, dann ist das meiner Meinung nach ein Witz. In den besten Wohngegenden in unserer Stadt gibt es garkeine städtischen Kitas und teilweise auch keine Grundschulen mehr – dafür fahren dort jeden Tag die Mini-Busse der Privatschulen (wir wohnen im Umkreis Frankfurt Main und es gibt Auswahl genug) hinter denen ich mich mit dem Auto oft einreihe.
    Aber in die städtischen und kirchlichen Einrichtungen, die für uns einen Platz gehabt hätten, hätte ich meine Tochter nie gegeben.

    Hier übrigens ein paar außergewöhnliche Dinge, die man mit nicht fremdbetreuten Kind über 1 Jahr machen kann (es gingen uns nämlich mit dem 1sten Geburtstag tatsächlich die Kinder und Mütter zum Treffen aus – Straßen und Spielplätze verwaist, Spielgruppen ziemlich dünn ab 2 Jahre)
    Einkaufsbauernhof besuchen, Blumen selber pflücken, Erdbeeren etc; Schwimmen gehen im Altenstift (ältere Menschen sind generell super Spielkameraden) oder ins Cafe des Altenheims, Museen und Ausstellungen besuchen ( und zwar solche, die für Erwachsene sind ;) ) – man glaubt ja garnicht, was die alten Meister oder auch eine moderen Installation in so kleinen Köpfchen bewirken können, Naturkundemuseum sowieso der Hit, Gartencenter mit großer Pflanzenausstellung und ebenfalls mit Alte-Leute Cafe, klassische Konzerte am Nachmittag (letzte Reihe mit Sitz am Ausgang nehmen) oder auch Chorproben des Kinder- und Jugendchors, großes Hornblasen zur Rehjagd der Jäger oder after-work im Sommer auf der Cocktailterasse mit DJ (2-jährige können gut auf Michael Jackson und Trance tanzen, hab ich festgestellt), wenn nix mehr half oder Schlafengehen schwerfiel: Busticket für die Ringlinie und mit Aussicht immer schön rundherum und rundherum und…
    So, und jetzt nenn mir einer die Kita, die das (nebst dem üblichen Turnen, Malen, Backen, Zoo, Spielplatz, Wald etc.) alles hinkriegt.

    1. OH MANN. Mir ist so das Herz aufgegangen bei Deinem Kommentar. Wäre es für Dich Ok, wenn ich einen Teil davon im Blog veröffentliche? Es ist für mich wie ein Lottogewinn zu sehen, wie Du mit Deinen Kindern lebst/gelebt hast. Aus jedem Vorschlag sprechen eigene Erfahrungen, eine große Achtsamkeit für sich selbst und das eigene Kind, eine empathische Beobachtungsgabe und klar – das war auch oft viel und nicht ganz leicht. Aber euer Kindheitsglas war mindstens immer halbvoll und ich ahne: eher oft auch ganz voll. Ich finde das und Dich einfach super. DANKE!

  16. Hallo Svenja,

    Super Artikel mit sehr interessanter Diskussion!???? Ich bin Mama einer zweijährigen Tochter, Vollzeitmami mit Leib und Seele und überzeugter Gegner von den Trend, alle Kinder sollten ab 1 Jahr schon in die Kita. Was mir noch einfällt:

    Ich bin sehr dankbar, dass wir genug zum Leben haben, damit ich nicht schon jetzt wieder arbeiten gehen muss. Mein Job hat mir Spaß gemacht und ich freue mich auch schon wieder darauf, wieder arbeiten zu gehen – doch jetzt ist erst mal Kinderzeit???? Und ich genieße jeden einzelnen Tag mit meiner Tochter. Von Herzen.

    Ich verstehe, dass es manchmal aus finanziellen Gründen nicht anders geht als Kinder in Kitas (U3) zu geben. Ich kenne auch Beispiele, bei denen ich nachvollziehen kann wenn die Mutter mir sagt dass ihr Kind andere Kinder braucht und sich sonst langweilt. Nur eines macht mir große Sorgen: Wenn sich in allen Spielgruppen, in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis und auf dem Spielplatz ab der magischen Grenze von 1 Jahr alles nur noch um Kitaplätze und Kitaeingewöhnung dreht… Wenn der erste Satz, den ich von Fremden auf der Straße höre, die sich nach dem Alter meiner Tochter erkundigen, ist, ob meine Tochter schon in die Kita geht… Von Mamis wie von älteren Leuten.

    Die Fremdbetreuung vor dem Kindergarten mit 3 scheint der neue Standard geworden zu sein…

    Ich bezweifle nicht, dass es Kinder gibt, denen Kita gut tun mag. Doch wie es lebhafte Kinder gibt, so gibt es auch schüchterne, zurückhaltende Kinder. Kinder denen der Geräuschpegel im der Kita zu laut ist. Die sich nicht wehren, wenn andere Kinder Ihnen mal das Spielzeug wegnehmen. Die nicht von sich aus auf andere Kinder zurennen und sich ins Getümmel stürzen. Und ich denke, dass man bei solchen Kindern gerade am Anfang sehr viel kaputt machen kann wenn man sie zu früh in die Kita gibt.

    Natürlich kann man sagen, dass die Kinder dadurch lernen sich zu behaupten. Aber da scheint mir die liebevolle Einzelbetreuung zuhause (egal ob jetzt durch Mama, Papa, Oma, Opa oder kompetente Tagesmutter) die bessere Wahl. So lange, bis das Kind von sich aus bereit für die Kita oder den Kindergarten ist???? Ich denke, dass gerade solche Kinder bei unserer derzeitigen Politik sehr schnell unter die Räder gelangen…

    1. Danke für Deinen wertvollen Beitrag Yvonne. Besonders freue ich mich darüber, wie Du die jetzige Phase zu genießen weißt und dankbar dafür bist, dass Du zuhause bleiben kannst. Ich war das auch und bin meinem Mann bis heute extrem dankbar dafür, dass er lange der Alleinverdiener war. Ich hatte so eine schöne Zeit mit unseren Kindern. Ganz liebe Grüße und Danke für Deine interessante Betrachtung! Svenja

  17. Ich muss sagen, ich bin entsetzt wie schwarz/weiß viele die Welt immer sehen und dass es offenbar beim Thema Kinder (Schwangerschaft, Geburt, Erziehung, Betreuung) nicht akzeptiert ist, seinen eigenen Weg zu gehen und auch Grautöne zuzulassen und zu aktzeptieren. Das fängt schon an beim Thema natürliche Geburt/Kaiserschnitt, Stillen/Flasche usw.. Jeder tickt anders, jeder hat andere Voraussetzungen und Umstände im Leben, jeder (Kinder und Eltern) haben andere Bedürfnisse.
    Bei den Kommentaren gibt es oft sehr einseitige, extreme Meinungen – gibt es auch jemanden, der die Nuancen dazwischen sieht? Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Kinder ihre Mütter (und Väter übrigens auch!) brauchen!!! Aber ich bin auch der Meinung, dass Kinderbetreuung in Kitas nicht chlecht ist, und dass beides sich sehr gut ergänzen kann! Ich bin auch so eine “Rabenmutter” ;-) (und fühle mich so gar nicht als eine), die ihre Kinder zwischen 1-1,5 Jahren in eine Kinderkrippe gegeben hat. Weil ich es beruflich und finanziell musste, aber auch WOLLTE (auweia!). Und mein Fazit daraus war (auch wenn es mir natürlich anfangs auch schwerfiel, sie “wegzugeben”): Ich hätte es nicht besser machen können. Vielleicht hatten wir auch unglaubliches Glück, aber wir waren im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit unseren Einrichtungen (Krippe wie Kindergarten) und die “Fremdbetreuung” hat unsere Kinder unheimlich gefördert. Sie haben dort so viel gelernt und so viele verschiede Dinge ausprobiert, da wäre ich zu Hause nie und nimmer selbst drauf gekommen. Wir hatten das Glück, sehr nette und engagierte Erzieherinnen zu haben und in unseren Einrichtungen gab es kein Dauerweinen von kleinen Kindern, sondern es war gute und fröhliche Stimmung, wannimmer ich dort hinkam (was natürlich nicht heißt, dass nicht auch mal ein Kind geweint hat).
    Jedenfalls fiel mir Rabenmutter nach ca. 1 Jahr durchaus die Decke auf den Kopf. Ich habe 5 Jahre studiert, Referendariat, Probezeit… Ich wollte nebenher sehr gern auch arbeiten. Ich wollte beides und das hat super geklappt. Natürlich ist es stressig, aber zu wissen, dass meine Kinder immer unheimlich gern in ihre Kitas gegangen sind (meine Tochter hat heute, mit 8, noch ihre beste Freundin aus der Kita) hat es mir leicht gemacht. Und für mich war diese Wahl optimal: Ein paar Stunden am Tag bin ich meinem Beruf nachgegangen und die Kinder haben sich in der Kita ausprobiert und ausgetobt, und am Nachmittag haben wir Zeit zusammen verbracht. Das war ein super Gleichgewicht und ich würde es immer wieder so machen. Ich habe zu meinen Kindern ein emotional sehr enges Verhältnis – und das trotz “Kaiserschnitt” (ungewollt) – noch ein Rabenmutterpunkt ;-) und “Fremdbetreuung” (für einige offenbar totale Reizworte) – für mich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun.

    Also – wer gern mit seinen Kindern die ersten 3 Jahre daheim bleibt hat meinen vollsten Respekt und ich freue mich für die, die darin aufgehen und eine schöne Zeit haben!
    Wer sein Kind in eine Krippe / Kita gibt und nebenher arbeitet (egal ob muss oder will) – ebenfalls gute Entscheidung und es wird der Entwicklung eurer Kinder keinen Abbruch tun, denn in aller Regel (es mag Ausnahmen geben, aber die gibt es immer) profitieren sie von den Anreizen und Aktivitäten in der Kita genauso wie davon mit Mama zu Hause zu bleiben. Und wer ein “Zwischending” macht (z. B. 2 Tage arbeiten), auch super! Niemand gehört für seine Entscheidung und Lebensmodell als Familie kritisiert oder verurteilt. Alles hat Vor-/Nachteile und jeder entscheidet für sich. Wenn man das Gefühl hat, man macht es richtig, ist es auch richtig für die Kinder!

    P.S. Ganz nebenbei, finde ich es durchaus sehr verantwortungsbewusst (auch den eigenen Kindern gegenüber!), sich um seine berufliche Zukunft und Rente Gedanken zu machen, denn später zu sagen, ich kann von meiner Rente nicht leben, weil ich Kinder großgezogen habe… (hört man immer wieder)…

    1. Liebe Katinka, danke für Deine lange Antwort. Toll, dass Du so positive Erfahrungen in einer Kita sammeln konntest und dass es so für Dich und Deine Familie genau gepasst hat. Ja, das gibt es. Es GIBT tolle Kitas. Sie sind halt nur sehr sehr selten und meist sehr teuer. Deshalb: Super, dass Du es gut getroffen hast. Das freut mich aufrichtig. Es löst aber nicht das Problem der fürchterlichen Betreuungsschlüssel und diverser Probleme in vielen Kitas. es haben ja auch einige Erzieherinnen hier kommentiert, die das durchweg bestätigen. Auch glaube ich, dass es den Kindern gut tut, zuhause zu bleiben. Deshalb habe ich es so gemacht und entschieden. Es anders zu entscheiden und für die Familie passende Einrichtungen zu finden, steht sicherlich jedem frei. Ob die dann aber in jedem Fall so passend sind, wie in eurem, wage ich sehr zu bezweifeln. Nochmal: Vielen Dank für Deinen Kommentar. Svenja

  18. Ich finde den Artikel richtig gut! Und bin ganz dieser Meinung. Der Begriff Kita entspricht immer mehr einem Mode-Wort. Man hat schon fast das Gefühl man müsse sein Kind in eine Kita geben um „up to date“ zu sein.
    Ich bin selbst nach einem Jahr wieder arbeiten gegangen, Teilzeit. Meine Kleine ist in diesen 2 Tagen bei ihrer Oma, was mir ein besseres Gefühl gibt als sie zu Fremden zu geben, auch wenn es mir mein schlechtes Gewissen nicht ganz nimmt. Obwohl sie gerne bei Oma ist, und die sich auch wirklich alle Mühe gibt! Und sie über alles liebt.
    Ich habe mich mit Erzieherinnen unterhalten, und alle waren gleicher Meinung: es ist zwar ihr Job. Aber fragt man sie privat zur Einrichtung Kita: nein! Keinesfalls, sofern es irgendwie anders geht!

    Natürlich geht es manchmal nicht anders, aber es gibt leider auch diejenigen, die einen Tag in der Woche arbeiten und die Kinder 5 Tage in die Kita stecken!
    Und dann abends ihre 3 Stunden mit Kind ein fröhliches Kind haben wollen, dass dann zu Hause keine Regeln und Grenzen gesetzt bekommt. Was wiederum zu Problemen im Kindergarten führt! So wurde es mir von Erzieherinnen geschildert und klingt für mich plausibel.
    Fazit: wenn irgendwie ein Weg vorbei an der Kita führt, nutzt ihn. Kinder können mit einem oder 2 Jahren dort keine Freunde haben oder spielen, da dies geistig schlicht und einfach erst im Kindergarten Alter möglich ist!

  19. Es ist Luxus eine Person zu haben, die genügend Einkommen hat, die gesamte Familie zu ernähren. Es ist Luxus, es sich leisten zu können. eine lange Ausbildungszeit nicht für Berufstätigkeit nutzen zu wollen und zu müssen. Es ist kein Luxus , sich ein Kind zu wünschen und es groß zu ziehen ohne die Privilegien. Sondern das ist das wirkliche Leben!!! Und zufriedene Mütter schaffen ein gutes Familienklima.

  20. Hallo, schade dass es das Mutterverdienstkreuz nicht mehr gibt. Ich hör mich aber um, ob ich einen Heiligenschein bestellen kann, der gehört dann Dir, du Gute. Behalt deine Ergüsse für dich u sei froh u demütig, dass Du Dich mit deiner Situation zufrieden gibst. versuch doch nicht den anderen Mamas ein schlechtes Gewissen zu machen, nur weil Du denkst dasss Dein Kampfhubschraubermodus der Einzige ist. Viel Glück weiterhin. Gruß u Kraft auch an die Mama

    1. Wenn ich eins gelernt habe von den 224 Kommentaren unter diesem Artikel, dann dass Dein Kommentar alles mit Deinem Leben und nichts mit meinem zu tun hat. Und auch nichts mit meinem Post. Ich wünsche Dir, dass Du mehr Anerkennung bekommst, nicht mehr anonym im Netz posten musst und für Dein Leben Lösungen findest, die Dir gut tun. Alles Liebe, Svenja

  21. ich komme aus Argentinien und in meiner Kultur geht die Frau meistens arbeiten. Der Grund ist einfach. Geht Frau nicht arbeiten, hat Frau später eine schlechte Rente, eine schlechte Krankenversicherung und wird (für) immer von dem Mann finanziell abhängig sein. Die Kinder werden von Mama und Papa erzogen und betreuet; oft sind auch Omas und Opas sowie Kitas bei der Betreuung involviert. Für uns ist das ein Teil unseres soziales Leben. Kinder werden durch Kontakt mit anderen Menschen sehr offen und ausgeglichen. Ganz normal.und simpel, locker und ohne Stress. Hauptsache: die Familia ist unita.

  22. es geht doch, Kinder und Karriere. Wichtig ist es nur, der richtiger Partner für das Leben zu finden, oder gute Ntzwerke, die uns
    dabei emotional und praktisch unterstützen. Also das gilt natürlich sowohl für Frau als auch für Mann. Und: solange die Familie zusammen halt (egal welche Art von Familie) und diese als Priorität steht, sind die Kinder froh und die Eltern auch.

    1. Anita, ich bin voll bei Dir. Wir haben uns gegen Kitas entschieden, weil hier in Deutschland viele einfach unterirdisch sind. Du kannst es ja in den Kommentaren lesen, wie viele Erzieherinnen kommentieren und genau das bestätigen. Auch in Deutschland gibt es sicher gute Kitas, aber meits sind sie voll oder unbezahlbar. Das alles hat dazu geführt, dass ich zuhause geblieben bin. Toll, dass in Argentinien die Uhren anders ticken.

  23. Liebe Svenja,

    danke für Deinen schönen Beitrag! Unsere Gesellschaft kann froh sein, um jeden Menschen, der Deine Einstellung teilt.
    Dass unter den Menschen, die im Internet einen solchen Beitrag kommentieren, der Anteil an Frustrierten groß ist, ist klar. Und die würden jeden Beitrag negativ kommentieren. Viele der Kommentare spiegeln also keine inhaltlichen Argumente gegen Deine Ansichten wider, sondern sind im Grunde nichts Anderes als ein Symptom dieser besorgniserregenden politischen Fehlentwicklung hin zur Kita. Aber politische Entwicklungen kommen ja schließlich aus der Gesellschaft, und von daher lässt sich diese Richtung auf das zurückführen, was ich als “Ego-Hädo-Strömung” bezeichne.
    Da mein Kommentar hier aber positiv bleiben soll, deute ich das hier nur an.
    Vor allem möchte ich hier meine tiefe Sympathie Dir gegenüber ausdrücken, sowie meine Abneigung gegenüber all den Leuten, die ihr Zweitauto (neben dem SUV) ihrem lieben Kind vorziehen, sprich die Leute, die denken, es ginge nicht ohne Kindertagesbetreuung ab dem zweiten Lebensjahr. Aber es ist nie zu spät für ein Umdenken.
    Und ich freue mich über jeden, der einfach nur ehrlich zu sich selbst ist, indem er der intelligenten Svenja auf voller Linie (ohne jedes “aber”) zustimmt. Wegen mir darfst Du später gerne Familienministerin werden, liebe Svenja!
    Danke!

    1. Lieber Florian, nun musste ich herzlich lachen. Danke für Deinen Kommentar. Da ich so oft für den Post angegriffen werde, ihn aber wichtig finde und deshalb stehenlasse, tut es gut, wenn Du einfach mal sagst: Finde ich gut. Familienministerin werde ich wohl nicht mehr, dafür bin ich nicht diplomatisch genug. Aber es gab schon Frauen, die kommentiert haben: Wegen Dir und Deinem Artikel bin ich dann doch zuhause geblieben und habe auf mein Bauchgefühlt gehört. Dafür lohnt sich jede Schelte von anderen Frauen. Und auch ich versuche, jedem mit Respekt zu begegnen, so gut es geht. Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung finde ich einfach nur zum Kotzen und todraurig. Ich versuche im kleinen Kreis etwas zu verändern und hoffe, dass das Viele tun. Ganz liebe Grüße und Danke Dir nochmal für Deine lieben Worte. Svenja

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