Warum kleine Kinder nicht in eine Kita, sondern zu ihren Müttern gehören

Ich habe keine große Ahnung von Politik. Haltet das für flach, aber irgendwie ist den ersten Teil der Zeitung lesen für mich wie Friends schauen. Ich habe den Einstieg verpasst und deshalb verstehe ich Nichts. Zu viele Insiderjokes und keinerlei emotionale Bindung an die Charaktere. Doch wenn Politik ist, wie eine Fernsehserie, bei der man zu spät einsteigt, fragt man sich natürlich, ob das überhaupt noch jemand alles wirklich versteht. Katze aus dem Sack: Ich nicht. Das tut gut, kann ich euch sagen.

Nun ist es ja so, dass man nicht einfach in einer Gesellschaft leben kann, ohne sich für Politik zu interessieren. Denn manche Dinge, die „die da oben“ entscheiden, betreffen einen ja durchaus. Also habe ich mir so eine Art Politikpragmatismus zugelegt: was ich brauche, lasse ich mir von meinem Mann erklären. So auch die Sache mit den Kitas. Und wenn ich das richtig verstanden habe, sollen jetzt alle einen Anrecht auf einen Kitaplatz bekommen.

Das ist ja eine ganz tolle Idee, besonders für die Frauen, die unbedingt einen brauchen, weil sie einen ganz genauen Plan für ihr Leben haben. Erst neulich stand wieder eine vor mir, mit ihrem wunderschönen dicken Bauch und strahlte als sie mir sagte: „Nach einem halben Jahr gehe ich wieder arbeiten und ich habe auch schon einen Kita-Platz.“

Ähem. Moment Mal. Hast Du gerade „nach einem halben Jahr“ gesagt? Hat man da überhaupt schon abgestillt? Ach so, Du willst gar nicht stillen, damit das dann mit der Entwöhnung nicht so schwierig wird, wenn das Kind in die Kita geht. Gut, dass soll jeder für sich entscheiden. Aber willst Du nicht erst einmal abwarten, was Du für ein Kind bekommst? Ob es viel schreit, schlecht schläft, viel spuckt? In sich ruht oder viel Beschäftigung und Ablenkung braucht? Lebendig oder eher kuschelig? Oder beides?

Was, wenn es immer wieder Bauchweh hat? Oder mit 6 Monaten gerade anfängt zu zahnen – und immer, wenn ein Zahn einschießt, eine Mittelohrentzündung mit Fieber bekommt? Was, wenn es gerade anfängt zu fremdeln? Oder einfach „nur“ anhänglich ist und sich bei Dir am wohlsten fühlt?

Solche Frage zu stellen ist unpopulär – und deshalb stellen wir sie meist nicht. Denken: Sie wird das hoffentlich alles selbst merken, wenn das Kind da ist. Aber das tun die meisten nicht. Denn die meisten machen, was sie gelernt haben. Sie organisieren ihr Leben, denn dazu sind wir erzogen. Soll ja schließlich ein Erfolg werden. Und wenn Heirat, Schwangerschaft und Geburt hinter uns liegen, geht es weiter im Programm. Und das, liebe Leser, finde ich falsch.

Kinder zu kriegen ist keine Phase, sondern eine Entscheidung für ein anderes Leben. Das sagt euch keiner, weil es nicht passt in das Bild einer Zeit, in der Frauen studieren und unsere Familienministerin blutjung ist und ihr Kind neben dem Schreibtisch steht. Sieht ja alles so einfach aus. Ist es aber nicht – und das kann ich euch sagen, auch wenn ich keine Ahnung von Politik habe. Mein Kind stand nämlich auch neben dem Schreibtisch. Aber da muss ich kurz ausholen.

Ich war beruflich immer selbständig. Als ich meinen Mann kennen lernte, war er das Gott sei Dank auch. Als ich schwanger wurde, zog er von Köln zu mir nach Paderborn. Und als wir dann umzogen nach München, weil er nur noch unterwegs war und unser zweites Kind sich ankündigte, da habe ich gesagt: „Nicht ohne meine Mutter!“ „Wieso denn das nicht?“ hat mein Mann gefragt. Heute weiß er es.

Jetzt könnt ihr denken „Ahhh, siehst Du, die hatte ihre Mutter dabei! Kein Wunder, dass die über Kitas lästert.“ Erstmal möchte ich euch sagen: eine Mutter mit Mitte 60 in eine andere Stadt zu verpflanzen, ist für alle ein Kompromiss. Die ersten 3 Jahre hat meine Mutter sogar bei uns gewohnt. Auch nicht einfach, wenn man frisch verheiratet ist und kleine Kinder hat. Aber meine Mutter ist toll und ich bin froh, dass sie immer da war und ist.

Denn das versetzte mich in die glückliche Lage, mein zweites Kind morgens nach dem Stillen mit ins Büro zu nehmen (100 m Luftlinie von Zuhause) und es schlafend im Maxi Cosi neben den Schreibtisch zu stellen, bis es für die zweite Mahlzeit aufwacht – und dann wurde wieder gestillt. Danach kam meine Mutter, ist mit meinen beiden Kindern spazierengefahren und wenn mein Sohn wieder Hunger bekam, ging ich mittags nach Hause.

Ja, das ging alles nur, weil ich eine Mutter dabei hatte. Eine, die ihr Leben dafür geben würde, dass es ihren Enkeln gut geht. Die bei jedem Jammern das Kind hochnimmt und es rumträgt wenn es ein Bäuerchen machen muss. Hätte ich meine Mutter nicht gehabt, hätte ich nicht die 2 bis 3 Stunden jeden Tag arbeiten können und das war damals für unseren Betrieb wirklich wichtig. Hätte ich meine Mutter nicht gehabt, hätte ich mein Kind aber nie in eine Kita gegeben – dann wäre ich Zuhause geblieben und hätte die Arbeit in die Abendstunden jongliert – und wir alle wissen, wie anstrengend das dann ist.

Warum ich mein Kind nicht so früh in eine Kita gegeben hätte? Weil ich finde, dass ein Kind in den ersten Jahren in die Familie gehört. Mama, Papa, Oma, Opa – zu Menschen, die es bedingungslos lieben und nicht wie Einen unter Vielen behandeln. Einer unter Vielen – das wird man noch früh genug. Und das funktioniert meiner Meinung nach nur dann, wenn man in den ersten Jahren das Selbstverständnis, das Selbstbewusstsein, die Liebe und die Geborgenheit bekommen hat, die man braucht um DER eine unter Vielen zu werden. Es gibt natürlich auch ganz ganz tolle Kindermädchen oder Tagesmütter. Solche die wirklich wollen und können, mit wenig Kindern und viel Liebe und Aufmerksamkeit. (Ach Janka, wie wir Dich immer noch vermissen!) Der Betreuungsschlüssel von Kitas schnürt mir allerdings eher die Luft ab. Der Gedanke, dass Kinder, die noch nicht mal sprechen können, dahin gegeben werden, ohne dass sie sagen können, ob sie sich dort wohl fühlen, auch.

Ich habe keine große Ahnung von Politik, aber ich habe Ahnung von Menschen. Und wenn ich sehe, wie sich viele Kinder verhalten, die ihr Dasein von früh an in der Kita fristen mussten, dann weiß ich, dass das keine Perspektive für unsere Gesellschaft ist. Wenn das ein politisches Statement ist, ist mir das gerade Recht.

Und natürlich dürft ihr jetzt gerne sagen: Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Das glaube ich euch sogar. Sicher gibt es sie, die Ausnahmekitas. Aber sie sind eben, was sie sind: die Ausnahme. Was ich aber nicht mehr hören kann? “Mein Kita ist toll, denn da wird den Kindern so viel geboten – das könnte ich ja gar nicht.” Wieso denn nicht? Trifft man sich heute  nicht mehr mit anderen Müttern, die gleichaltrige Kinder haben? Glaubt ihr im Ernst, dass die Erzieherinnen euer Kind so lieben, wie ihr? Liebt IHR denn andere Kinder wie euer eigenes?

Kinder zu kriegen ist die Entscheidung für ein anderes Leben. Ein Leben, in dem man nicht jederzeit alles haben kann. Vor allem nicht dann, wenn die Kinder noch wirklich klein sind. Ist es nicht endlich mal an der Zeit zu verstehen, dass Emanzipation nichts aber auch gar nichts damit zu tun hat, in allen Lebensphasen übermenschliche Leistungen an allen Fronten zu bringen und sich verhalten zu müssen wie ein Mann?

Sondern vielleicht einfach damit, zu zeigen, was man als Frau alles drauf hat? Unsere hohe emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz da einzusetzen, wo sie am besten aufgehoben ist und unsere Familie und damit auch die Gesellschaft am Weitesten nach vorne bringt?

Wo das sein soll? Das kann ich euch sagen: Zuhause. Beim eigenen Kind.

242 Kommentare

  1. Was für ein rückständiges Weltbild. Und wie kann man Kitas bewerten, wenn man sein Kind nie in eine gegeben hat?
    Na ja, wenn man sich Politik vom Mann erklären lassen muss, sagt das ja einiges über das eigene Frauenbild.
    Eine gute Mutter kann ohne Probleme alles haben.

    1. Ach Nina. Lies Dir mal die Kommentare durch. Ich hatte mein Kind 5 Tagein der Kita. Genau deshalb komme ich ja zu diesem Schluss. Ich hoffe Du hast ein Modell gefunden, was zu euch passt. LGS

  2. Weiter so Svenja! Da hier so wenige Männer gepostet haben, möchte ich auch noch meinen Beitrag leisten.
    Wenn man als Mann dafür plädiert, dass die Frau zu Hause bleibt und sich um das Kind kümmert ist man Chauvinist und Frauenfeind! Was für eine kranke “Emanzipation” ist das bitte? Wir haben archetypische Rollenbilder in uns – und diese so zu leben ist für mich der natürliche Weg. Nicht umsonst werden nur Frauen schwanger und finden Babies soo süüß.
    Wenn man sich auf diese Rollen einlässt macht es das Leben wesentlich leichter. Aber wir sind eben alle Egomanen geworden, die auf der Suche nach Zufriedenheit das Glück an der falschen Stelle suchen. Ein bisschen weniger Materialismus würde uns allen gut tun. Und auch die finanziellen Probleme lösen, die sich vielleicht mit der Geburt eines Kindes auftun.
    Das ist es was fehlt. Zufriedenheit mit dem was man hat. Demut und Hingabe an das Leben und das Lebendige. Sich selbst ein Stück zurück nehmen.
    Erst schieben wir unsere Kinder ab und später im Leben dann unsere Alten. Wir sind ein Gesellschaft, die zunehmend echte Werte verliert und nur noch sich selbst im Mittelpunkt hat… Traurig!

    1. Lieber Leonard, also, ich kenne auch Männer, die Babies SOOOO süß finden :-) Ich glaube auch, dass der Materialismus und die vorgegebene Höher Schneller Weiter Maxime sehr viel kaputt macht. Dazu noch all die verplemperte Zeit auf Social Media. Das ist alles eine ganz ungünstige Kombi. Danke für Deinen langen Kommentar – habe mich sehr darüber gefreut. Svenja

  3. Finde du hast die richtige Entscheidung getroffen und all der Hass gegen deinen Blog kommt nur auf von Frauen die im Grunde ihres Herzens wissen dass das was sie ihren Kindern antun total falsch ist und ihnen schadet . Bei YouTube gibt es ein Video vom kinderpsychologen Wolfgang Bergmann , das empfehle ich allen Müttern die so überzeugt von der Kita sind .
    Du bist eine tolle Mutter und weisst was liebe ist

  4. Ich habe den Eintrag gelesen und auch die ersten Kommentare. Ich habe noch nie einen Beitrag oder Ähnliches in einem Blog verfasst. Ich bin gerade in der Situation, in der ich darüber nachdenke(n) muss mein Kind in die Kita zu geben. Mein Sohn ist jetzt 16 Monate alt. Ich habe ihn kurz nach der Geburt in unsere super tollen Dorfkita für die Zeit ab dem 4. Lebensjahr angemeldet. Das erste Jahr war ich zu Hause und nun im zweiten Jahr gehe ich 8 Stunden die Woche (zwei kurze Tage zu je 4 Stunden) arbeiten. Diese Tage verbringt er bei seinen Großeltern. Das klappt alles hervorragend. Alle sind glücklich damit. Ein Kind gehört in den ersten drei Lebensjahren zu Personen, die ihn lieben! Nicht in eine Betreuung. Dies ist optimal für seine Entwicklung. Aus diesem Grund wollte ich ihn in den ersten Jahren auch unbedingt in der Familie sehen. Nun ist es so, dass dieses kleine Wesen mir enorm viel abverlangt. Ja, einige können nun sagen, Kinder sind eben anstrengend und das wüsste man ja vorher usw… Aber es entwickelt sich nun seit ein paar Monaten in die Richtung, dass ich nicht mehr glücklich damit bin und ich das Gefühl habe, dass es dem kleinen Mann sogar sehr gut tun wird, soviel Neues in der Kita entdecken zu können. Es ist tatsächlich so, dass ich denke, dass er in der Betreuung besser aufgehoben ist als bei mir. Leider, das tut mir auch weh, aber es ist so. Ich würde ihn auch nur vormittags abgeben und ein paar mehr Stunden arbeiten und wäre dann Nachmittags auch für ihn da (oder er ist eben bei den Großeltern). Ich mache mir sehr viele Gedanken darüber, denn ich weiss auch, dass eine Fremdbetreuung in den ersten Jahren nicht optimal ist, aber manchmal trägt sie eben doch dazu bei, dass die Mutter dadurch entspannter und glücklicher ist und dies ist natürlich auch besser für das Kind. Ich glaube ich schreibe diesen Text eigentlich nur, um es vor mir selber recht zu fertigen. Denn ich muss kein schlechtes Gewissen haben (natürlich habe ich das), ich sorge nur dafür, dass es uns allen in der Situation besser geht. Und genau aus diesem Grund bin ich eine gute Mutter, weil ich individuell auf unsere Familiensituation eingehe…so jetzt soll es auch genug sein. Ich zumindest habe mir nun einmal alles von der Seele geschrieben und wer auch immer diesen Text gelesen hat darf sich daran erfreuen oder nicht. Ich benötige keine blöden Kommentare als Antwort, lieben Dank!

    1. Ich finde es richtig toll, dass Du das alles aufgeschrieben hast. Du hörst auf Dein Herz und schaust genau, was Du und Dein Kind brauchen. Nur weil es für mich und meine Kinder so richtig war und ist, muss das nicht für alle so sein. Mein Artikel ist für Frauen gedacht, die wanken. Die fühlen, dass es für alle besser wäre, dass sie zuhause bleiben, aber die sich dem gesellschaftlichen Druck dessen beugen, was eine “moderne” Frau zu tun hat. Du aber, Du härst ganz aufmerksam in Dich hinein und spürst, was Dir und Deinem Kind gut tun würde. Ich bin mir sicher, genauso wirst Du die Betreuungseinrichtung mit Bedacht auswählen und JA, genau deshalb bist Du eine tolle Mutter. Mach Dich frei vom schlechten Gewissen. Du bist so liebevoll und nachdenklich – sei auch Dir gegenüber gut. Ich drück Dich, Svenja

  5. Hallo Sevenja
    2018 lange her Dein Artikel.
    Mittlerweile istz allers noch viel schlimmer geworden.
    Vor allem wird man von den super Mamis gedisst, ich habe beide Modell mitgemacht. Weder das eine teilzeit modell oder zu Hause bleiben noch das komplett Hasusfrau sind in Deutschsprächigen Raum tolleriert. Oft sind es einfach Geldentscheidungen..oder weil die betreuungskonzepte insgesamt nicht gut sind. Etweder zu teuer oder zu mangelhaft. Ich wäre dafür das Eltern beide teilzeit gehen könnten und dafür mehr kindergeld oder grundeinkommen bekämen,vor allem bräuchte man weniger betreungspersonal oder Einrichtungen ,auch sollte es von staatlicher Seite sich auch was an dem Wertegefühl geschraubt werden. Man muss nicht alles haben oder mitmachen. Wertigkeit muss wieder langfristiger sein. Erzeihung ist zum Wirtschaftsfaktor gworden nicht zur Lebenseinstellung. Kinder werden hier im saarland nur noch verwahrt zu tote geregelt und Andersartigkeit weg therapiert. Auch eltern werden ständig irgenwelcghe Kurse oder projekte aufgehalst-die sie neben ihrer beruflichen und haus wirtschaftlichen tätigkeit als Mutter und supi tolle ehfrau ableisten sollen. Nicht jede Familie hat das Glück oder die bildung super viel geld zu verdienen oder gar Eigenstädnig zu leben. Ich sehe mir das Drama seit 23 Jahren an habe inzwischen das 5kind bald aus dem kita und alle ressurcen genutzt. Ich würde heute alles anders machen weil ich nur funktiniert habe und meine kinder mit. In Deutschland Kinder zu bekommen gleicht einer Katsastrophe ob mit oder ohne viel Geld. Wenn das leben nicht fein nach Plan läuft bist du abserviert für die nächsten Jahrzehnte. Ich hab nen tollen mann der mich stützt und menschen die mich verstehen um mich aber viele haben niemand und machen was andere für sie richtig halten. Keiner wehrt sich gegen dieses System das von der wirtschaft gesteuert wird, alle machenprav drei bis vierfachbelastungen mit und stecken ihre kinder wegem chef und geld in Verwahranstalten. Und wenn wunderts das da Vereine und Dörfer kein leben mehr haben da ja alle afrebiten und sich den Einrichtungen und ihren wünschen beugen müssen. Das ist kein starker tabak..sonder erlbet. ich hab schon malüberlegt ein buch drüber zu schreiben. Was mich traurig macht ist die intolleranz gegenüber vielfach Eltern..und das sich in 22jahren nix verändert hat sondern durch den Krippedruck-1 Erziehungsjahr sogar alles verschlimmert hat. Sorry meintext. Gr Tanja

    1. Tanja, ich kann Dich so gut verstehen. “Wertigkeit muss wieder langfristiger sein.” und “Erziehung ist zum Wirtschaftsfaktor gworden nicht zur Lebenseinstellung.” Das ist alles so wahr. Kapitalistisch ausgerichtete Systeme legen kein Wert auf das Gedeihen des Einzelnen, sondern auf das Funktionieren. Mich kotzt das alles nur noch an. Danke für Deine Meinung, Deine Erfahrungen und Deinen langen Kommentar, den ich sehr wertvoll finde. Und ich freu mich riesig für Dich, dass Du das unsägliche System durch Dein großes Herz und mit einem unterstützenden tollen Umfeld für Dich anders siehst und lebst. Es geht nie darum, nachher was anders machen zu wollen. Sondern darum, es dann anders zu machen, wenn man es verstanden hat. If you know better, you do better. Drück Dich, Svenja

  6. Super klasse! Toll geschrieben!

    Ich stoße überall auf Misgunst, wenn ich sage, Kinder gehören mit einem Jahr nicht ins Leben geschmissen und alleine gelassen unter fremden Menschen.

    Bis mindestend 3 Jahren brauchen Kinder ihr Nest, ihre soziale Sicherheit und den Schutz der Familie – keine fremden Kinder oder Erzieher.

    Sorry, aber wer so wenig Interesse an seinem Kind hat, und dessen Entwicklung nicht miterleben und steuern will – der soll sich doch bitte keine Kinder anschaffen. Punkt.

    Tiere sind sozialer und fürsorglicher mit ihrem Nachwuchs als wir Menschen. Eine Hundemutter würde ihren Welpen niemals mit 4 Wochen freiwillig zu anderen Lebewesen geben. Niemals.

    Das Ergebnis der modernen Kindererziehung sehen wir bereits: Plärrende, nervöse, emotional gestörte kleine Menschen überall wo wir hinschaun. Kinder können heute nicht mehr ruhig sprechen oder einfach zuhören. Sie brüllen, sind überreizt und rasten bei jeder Gelegenheit aus.
    Schlimm. Und aus denen werden irgendwann einmal Erwachsene…

  7. Ich will Svenja zustimmen. Für mich war klar, dass meine Kinder mit einem Jahr in die Kita kommen da war mein erstes Kind noch nicht mal geboren.
    Als mein Erster dann ein Jahr war begann die Eingewöhnung. Mein Sohn schrie viel und ich litt ohne Ende. Trotzdem war ich vermeintlich der Überzeugung, Kinder müssen bzw. sollen in die Kita.
    Mit der Zeit erging es mir immer schlechter. Hetzten zwischen Arbeit, Kita, Haushalt, Freunde, Hobbies und meine Ehe. Mein Mann unterstütze mich wo er nur konnte in der Hoffnung ich wäre bald ruhiger, entspannter und emotional wieder verfügbar.
    Ich schlidderte in eine verdeckte Depression. Zum Glück fand ich einen tollen Therapeuten. Mit ihm könnte ich die Ursache meines Stresses heraus finden. Zum einen bin ich selbst mit einem Jahr in die Kita gekommen. Tiefenpsychologisch überforderte es mich als Kind maßlos. Als Kind war ich aber glücklich, mir war nichts anzumerken. Häufig erleidet man die Spätfolgen im Erwachsenenalter.
    Zum anderen konnte ich meine wahren Bedürfnisse gar nicht erkennen. Die nämlich waren, mein Kind bis zum dritten Lebensjahr zu Hause zu behalten. Nicht ich wollte das mein Kind 30 Stunden fremd betreut wird, sondern die Gesellschaft will das so. Am allermeisten die Politik und die Wirtschaft. . Die Politik suggeriert einem, es sei das beste die Kinder früh in die Kita zu geben. Nicht weil es für die Kinder das beste ist, sondern für die Staatskasse. Würde die Politik das so offen äußern, würde jeder Mutter sagen „ Natürlich kommt mein Kind nicht in die Kita, damit das Geld für den Staat stimmt.“ Wir nennen es, sich selbst verwirklichen müssen und wollen. Wer will denn schon noch normal oder gewöhnlich sein.
    Im Laufe der Jahre hat uns die Politik gefühlstot gemacht. Es zählt nur Geld, steile Karrieren, Selbstverwirklichung und nicht auffallen.
    Das System ist so ausgelegt, dass Mütter aus finanziellen Gründen arbeiten müssen und das auch angeblich wollen sollen.
    Ich befinde mich noch in Therapie und habe zudem mit meinem Mann eine Paartherapie abgeschlossen. Denn aufgrund der frühen Trennung von meiner Mutter, habe ich ein Trauma erlitten. Als Kind ging es mir gut, doch heute habe ich Probleme gesunde Beziehungen zu führen, fühle mich schnell angegriffen, bin unausgeglichen und auf Leistung und Geld gedrillt. Zum Glück bekomme ich das langsam in den Griff.
    Ich lerne meine Bedürfnisse und wünsche wieder kennen. Diese musste ich in frühester Kindheit schon lernen zu unterdrücken. Ich wollte als einjährige definitiv nicht in die Kita. Aber Kinder beugen sich dem Willen der Erwachsene, wenn schreien nicht mehr hilft. Dann fügt man sich. Und weil das so eine ganze Gesellschaft betreibt, gilt es als normal und gut.
    Ich habe meinen Job aufgegen . Habe jetzt drei Kinder für die ich viel Zeit habe. Ich habe Gleichgesinnte Mütter kennengelernt, wir geben uns halt und unterstützen uns, wenn Not am Mann ist.
    Ich habe trotzdem Angst vor der Zukunft. Ich zahle nicht ein für die Rente. „Abhängig“ bin ich von meinem Mann. Zum Glück ist es unser Geld. Bis ich das so annehmen konnte, sind Jahre vergangen.
    Wir mussten unsere Ansprüche verändern. Dem Konsumwahn konnten wir nicht mehr standhalten. Langsam kommen wir gut zurecht und fühlen uns wohl. Wir leben ein Modell wie in den Sechzigern. Leben bescheiden aber glücklich, haben viele Freunde. Viel Zeit für Freunde und Familie und mein Umfeld schätzt die Rolle der Mutter und Hausfrau. Das ist meine persönliche Emanziaption. Es war kein leichter weg. Viele Tränen, viel Therapie, fast Scheidung,, oft der Verzweiflung nah waren nötig, sich aus diesem Leistungssystem und diesem Konsumzwang zu distanzieren und meine Weiblichkeit und meine emotianalität zu entdecken. Schlimm was die Politik und die Wirtschaft aus uns Menschen, aus unseren Familien gemacht hat. Reinste gehirnwäsche. Wir Frauen müssen zusammenhalten …. wir unterschätzen unsere Rolle maßlos. Aber WIR Frauen können leben gebähren und haben die Fähigkeiten die Könige und Königinnen von morgen groß zu ziehen. Das ist das wertvollste was es gibt…. und die Politik hält die beruflichen Karrieren für das essenziellste. Die Herrscher hören auf zu herrschen, wenn die Kriecher aufhören zu kriechen.
    Es braucht wohl noch Zeit, bis die Gesellschaft sich wieder wandelt und Menschlichkeit und Mitgefühl wieder an erster Stelle stehen… anstatt Geld.

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