Ihr Lieben,

ich komme aus der ostwestfälischen Provinz. Dort gilt es wahrscheinlich heute noch als schick eine Daunenweste zu tragen, wenn ein kühler Wind geht. Kein Wunder also, dass ich nie über Mode schreibe. Ich habe schlicht und ergreifend keine Ahnung davon.

Doch diese Woche wurde ich hellhörig. Hei, ich meine: Man kann mir fast alles verkaufen, wenn man über meine Leidenschaft spricht. Das Bloggen. Als Michaela vom fridaynightbookclub also in höchsten Tönen von dem neuen Buch einer französischen Fashion Bloggerin schwärmte, in dem es (ACHTUNG!!) NICHT ausschließlich um Mode zu gehen schien, sondern auch ums Bloggen, war ich angefixt. DAS brauchte ich.

Love Beitrag

Also habe ich heute das Päckchen mit dem Rezensionsexemplar von Love x Style x Life: Die Fashion-Sensation aus Paris und New York aufgerissen, mich in den Ohrensessel gesetzt und etwas getan, was ich sonst nie tue: Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Schallend gelacht, mich ganz oft wiedererkannt (und zwar nicht als Bloggerin, sondern als Frau) und einiges gelernt.

Darüber, dass ich nicht KEINEN Stil, sondern MEINEN Stil habe.

Denn es ist tatsächlich total OK, das gleich T-Shirt viermal in derselben Farbe zu besitzen und immer wieder zu kaufen. Das ist kein Spleen. Das machen Fashionblogger auch.

Love(2)

Ich darf hohe Schuhe lieben und kaum Verwendung für sie in meinem Leben haben. Dass ich trotzdem die Boots mit dem Mörderabsatz und den Fransen dringender brauche, als die Sneaker, die ich jeden zweiten Tag anziehen würde, ist ganz logisch.

Je länger ich lese, desto mehr macht das alles plötzlich Sinn. Denn nicht der Fashion Sense ist es, der mir fehlt. Sondern ein Buch, das alles in die richtige Perspektive rückt. Aber das habe ich ja jetzt gefunden.

Das einzige, was ich offensichtlich noch brauche: Die Fähigkeit, ein perfektes Smokey Eye zu schminken. Ich werde also sobald ich diesen Post fertiggetippt habe meine 12-jährige Tochter nach dem besten youtube Tutorial zum Thema befragen.

Love(1)

Mädels, endlich verstehe ich alles. Warum dieser ganze Quatsch mit „Was Pariserinnen alles richtig machen“ gelogen ist, denn eigentlich machen sie nur eins richtig. Sie sagen NEIN zu allem, was ihnen verdammt noch nicht mal in den Kram passt oder schmeckt oder zu anstrengend ist oder sonst irgendwie gerade nicht reinläuft. Und was das angeht finde ich mich in letzter Zeit ziemlich pariserisch. Und fashionable.

Love

Dann diese Passagen über die Männer. Die Texte über Liebe. Und über Situationen, in die man sich selbst bringt und aus denen man gerettet werden muss. Oder Situationen, aus denen man irgendwie selbst rauskommen muss, obwohl man zu viel getrunken hat und Versprechungen gemacht hat, die man plötzlich GAR NICHT mehr einhalten kann. (Oh, I’ve been there. I know that.)

Love(3)

Ganz nebenbei geht es auch noch ums (Fashion)Bloggen und einige Fragen, die ich insgeheim schon immer hatte, werden beantwortet. Zum Beispiel „Wie komme ich in die erste Reihe auf der Fashionweek“ (also nicht dass ICH das will, aber wie diese Industrie tickt, hat mich schon interessiert) oder „Und wenn ich eingeladen bin, was ziehe ich an?“

Ach so – Fashionbloggerinnen können das AUCH nicht beantworten??? Warte mal, heißt das etwa, dass EGAL wie viel ich über Mode weiß oder nicht weiß, ich immer wieder die falschen Schuhe kaufen werde? Ja, das heißt es.

Love(4)

Aber wen interessieren schon Schuhe, wenn es auf der nächsten Seite schon wieder um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens geht. Um das, was ich in meinem Leben sein will. Um immerwährende Fragen zum Sinn meines Lebens. Die Suche nach der großen Liebe. Um Freundschaften, Kreativität und Dinge, die nur Frauen verstehen.

Zum Beispiel warum diese eine buttercremefarbene Clutch, über die vor zehn Jahren jemand eine Cola geschüttet hat, die beste Handtasche war, die wir je besessen haben. Und warum der eine süße Typ damals in Korsika am Strand mit den roten Haaren – ich will ja nichts vorwegnehmen, aber ich glaube, der konnte Kunststücke.

Egal wie viele Kinder ihr habt, egal wie viele Jahre ihr schon mit eurem Mann zusammen seid. Dieses Buch ist ein Jungbrunnen. Es weckt Erinnerungen, schürt Träume und macht Mut für alles, was noch kommt. Und das allerbeste: Es schenkt euch einen Mädchenabend ganz mit euch alleine. Und den hatte ich ich nicht mehr, seit Sex and the City abgesetzt wurde.

Mein Tipp: Kauft es!

In diesem Sinne

Eure Svenja