Gestern Nachmittag ist ja unsere Uroma Adele gestorben. Und genau zu der Zeit waren meine Kinder draußen im Garten. Sie lagen auf dem Gartensofa unter jede Menge Decken – denn es war ordentlich kalt.  Bei sich sein-3

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Da haben sie zusammen gekuschelt, Hörspiele gehört und waren so richtig bei sich. Miteinander, mit den Geräuschen der Natur und mit ihren Gedanken. Immer begleitet vom Klang unseres Windspiels, das draußen auf der Veranda hängt.

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Das hat dann manchmal fast schon was Meditatives. So richtig weltlich wird es nur, wenn sie zwischendurch nach Schokolade verlangen – die sie natürlich bekommen. Denn wer erinnert sich nicht noch an diese supergemütlichen Momente in der eigenen Kindheit.

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Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht nur, dass ich mir selten Zeit nehme, mich auf unser Gartensofa zu setzen. Letzten Sommer habe ich das genau einmal geschaffft – und bin dann direkt in einen wunderbar sorglosen halbe-Stunden-Schlaf gefallen.

Wenn man sich einfach mal fallen lässt, hat das ja wirklich eine ganz ganz eigene Wertigkeit. Ich weiß noch, dass das früher, als Studentin, die totale Normalität war. Wenn ich nicht zur Vorlesung wollte, habe ich mich einfach noch einmal umgedreht. Und das WAR vielleicht erholsam und sowas von den Moment gelebt. Einmal hat mich dann die Mittagssonne wieder aufgeweckt. Was war das für ein herrliches Gefühl, davon aufzuwachen, dass die Sonne die Haut wärmt.

Mit Familie ist für solche Späße keine Zeit. Denn die Zeit ist eingeteilt und aufgeteilt. Zeit ist für Mütter kostbar, weil sie selten welche haben. Zumindest nicht für sich alleine. Dabei ist das genau die Kraft, die Zeit in sich birgt: wir können sie so verbringen, dass sie uns stärkt – und nicht schwächt. Am Ende ist Zeit nämlich das einzige, was nie wiederkommt. Was man nicht kaufen kann und auch nicht borgen. Jede Zeit hat man nur einmal. Und dann nie wieder.

Wie oft schiebe ich Dinge auf, mit einem schnell gesagten: „Dafür habe ich keine Zeit.“ Verbiete meinen Kindern etwas, weil „keine Zeit mehr dafür ist“. Wie oft sage ich „Beeil Dich“, „Leg mal einen Zahn zu“ oder „Jetzt aber flott“. Und wie selten: „Mach mal langsamer.“ Das sage ich eigentlich nur, wenn ich Angst habe, dass jemand hinfällt. Und sonst nie.

Aber ist es nicht eigentlich immer so, dass man hinfällt, wenn man zu schnell macht? Wir Erwachsenen nennen das dann Nervenzusammenbruch, Burn out, fertig sein, überarbeitet sein, urlaubsreif sein. Aber ist es nicht komisch, dass wir als Kinder genau wissen, wann wir Ruhe brauchen – und sie uns auch nehmen. Ihr kennt das: da verschwinden die Kinder plötzlich zwei Stunden und man hört keinen Mucks. Da sind sie in ihrer eigenen Welt und eben ganz bei sich. Und als Erwachsene verlernen wir das irgendwie.

Ich muss zwar heute in die Küche und für die Challenge kochen und backen, aber zwischendrin werde ich mir bestimmt Zeit nehmen, mal auf dem Gartensofa zu sitzen. Und ich wünsche mir, dass ihr heute auch mal euren Lieblingsplatz aufsucht und einfach ein bisschen mit euch selbst zur Ruhe und ins Reine kommt.

In diesem Sinne – Happy Sunday.

Eure Svenja