Was verbirgt sich hinter Nummer 15?

Vorgestern schrieb mir meine Leserin Ulli.

“Hallo Svenja, kannst du mir sagen wieviel ein halber Hefewürfel ist? Ich lebe in Sydney und kann lose Hefe kaufen, aber nicht in Wuerfeln. Mag Deinen Blog. Habe seit 2 Monaten einen Thermomix und kenne seitdem auch Dich ;) Der Farmersalat war lecker. Ulli”

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich mich über diese Mail gefreut habe wie Bolle. Und eigentlich hatte ich geplant, am Ende des Jahres eine Top 10 meiner Bloggerlebnisse und -begegnungen zu schreiben. Aber dann haben wir hin- und hergemailt und Ulli schrieb mir:

“Werde morgen mit meinen Klienten in der Arbeit Deine Weihnachtssterne basteln (arbeite in einer Drogen Reha).”

Da habe ich geschluckt. Meist schreibe ich meine Blogposts in der wenigen Freizeit, die ich habe. Mein ganzes Leben scheint fremdbestimmt und manchmal denke ich: Wofür mache ich das eigentlich? (Und ihr wisst, ich liebe es hier zu schreiben, ich freue mich über jeden einzelnen Leser, aber manchmal ist das Leben eben ereignisreich und ein Blog einfach der Tucken zu viel.)

Heute hat mir Ulli dann zurückgeschrieben:

“Übrigens, heute habe ich die Sterne mit meinen Mädels in der Reha gemacht. Die waren total begeistert. Selbst die Kinder haben mitgeholfen. Das ganze Haus ist geschmückt und ich glaube viele von ihnen haben noch nie im Leben so etwas gemacht. Im Moment habe ich viele Aborigines dort und nannte die 3-dimensionalen Sterne “Schneeflocken”, weil ich Deutschland an Weihnachten vermisse. Die hatten total Verständnis dafür ;)”

Meine Lieben, ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper, als ich das gelesen habe. Weil ich abends in meinem blauen Ikea-Sessel Anleitungen für Weihnachtssterne rausgesucht habe, haben Aboriginesfrauen in Australien in einer Drogenreha unter Ullis Anleitung miteinander gebastelt – wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben. Da war klar, ich kann nicht bis ans Jahresende warten, um euch das zu erzählen. Es gibt auch keine Blog Top Ten. Es gibt einfach nur diese eine Erkenntnis:

Egal, wie klein unser Beitrag manchmal scheinen mag, egal wie flüchtig eine Begegnung ist, egal wie wir einen Tipp oder Ratschlag so dahinsagen, als hätte er keine Bedeutung. ALLES hat eine Bedeutung. Jeder kleine Akt der Menschenliebe, jede Berührung, jeder Blick. Jede Zeile, die ihr schreibt. Jedes liebe Wort, das ihr sagt. Es landet in den Seelen eurer Kinder, Partner, Freunde, Mentoren, Leser und Zufallsbekanntschaften.

Auch wenn wir uns manchmal überfordert fühlen und unbedeutend. Zu wenig anerkannt, zu dick, zu unattraktiv, nicht erfolgreich, zu wenig gelobt. Die Währung, die zählt, ist Liebe. Und irgendjemand da oben hat einen Masterplan für uns.

Deshalb möchte ich euch aus tiefstem Herzen bitten: Kocht diese Weihnachten ein leckeres Essen für eure Liebsten. Umsorgt die ältere Generation und hört ihnen zu. Singt zusammen und sagt Gedichte auf. Macht euch Freude. Lasst den Neid beiseite. Seht euch an und erkennt euch als Menschen mit Eigenarten, Talenten und Charme. Gebt von Herzen. Und liebt.

Nur wenn wir geben, was wir können, können wir die Welt verändern. Und ich weiß wovon ich spreche, denn mein kleiner Blog wird in 82 Ländern gelesen. An 15. Stelle steht Australien. Und genau deshalb basteln Aborigines in einer Drogenreha in Sydney Weihnachtssterne. Das erste Mal in ihrem Leben.

Eure Svenja, die heulen könnte vor Freude. Und das jetzt auch tut.

12 Kommentare

  1. Und ich heule jetzt mit. Dein Erlebnis, und wie du darüber schreibst, macht mein Herz ganz weit.
    Alles Liebe – im wahrsten Sinne des Wortes
    Daniela

  2. Ich habe schon so Probleme mit tränenden Augen aber mich hat die Geschichte sehr berührt und mir noch mehr Tränen beschert ;-) Meist lese ich still mit aber heute gebe ich dir mal in allem Recht! Erst mal diese tolle Geschichte und dann die Liebe welche zu Weihnachten nicht vergessen werden soll! Ich bzw. wir feiern ganz groß mit der ganzen Familie. Wir kochen uns ein Menü mit mind. drei/vier Gängen und das für alle Mann (sind 16 Leute). Wir helfen alle mit und singen Weihnachtslieder! Und wenn gespült wird, wird die Weihnachtsgeschichte oder eine Geschichte zum Nachdenken vorgelesen! Dann kommt der wirkliche Weihnachtsmann (der bei uns einfach Tradition hat und wir wissen warum wir Weihnachten feiern und finden, dass das Christkind nix mit dem Christuskind zu tun hat) und rügt jeden für seine Fehler und wir sollen doch noch mehr lieben! Ich kann gar nicht verstehen das es Familien gibt die NICHT besinnlich feiern können?!?!!
    Es ist das was wir selbst daraus machen! Wir sind selber für ein tolles Fest verantwortlich! Und DAS hat nix mit ueberschuettung von Geschenken zu tun! Friedliches Beisammen sein, lachen und einfach nur lieben reicht völlig aus!! Ich mag deinen Blog und wünsche dir hiermit auch schon mal ein tolles Weihnachtsfest! Wir haben selbst die ganzen Kärtchen von dir ausgedruckt und an einem Adventssonntag zusammen ausgeschnitten. Wir sind weiß Gott nicht christlich veranlagt, aber wenn man sich Weihnachten nicht besinnt, wann denn dann??

    Liebe Gruesse
    Silvia

  3. Liebe Svenja,

    jetzt mußte ich auch heulen. Ich wünsche Dir und uns allen ein tolles Weihnachten und bitte hör nie auf, mein “Gutes Gewissen zu sein!”

    Anja
    (nach Diktat unterwegs, die Schule zu dekorieren)

  4. Oh man, und ich heule mit euch allen! Diese Gedanken sind soooo toll! Und Ja Svenja du hast mal wieder recht mit dem was du schreibst!!! Es sind so oft die kleinen unscheinbaren Dinge die doch sooooooo wahnsinnig viel Wert sind!

    LG Sabrina

  5. Schön! habe auch Gänsehaut!
    Habe gestern den bunten Stern gebastelt, er geht heute noch als Geschenk für eine liebe Regenbogenfamilie auf Reisen!
    Ich freue mich immer bei dir zu lesen und lasse mich so gerne von dir inspirieren!
    danke!

  6. Habe gerade Nummer 15 Eintrag gelesen. Und ich denke da wurde mir erst die ganze Sache erst so richtig klar. Ich sitze hier an meinem Computer und werde von einem Menschen 20.000 km entfernt beruehrt, der wiederum von meinen wenigen Beitraegen beruehrt wird und wie das dann Kreise zieht. Und wie wir alle miteineander irgendwie verbunden sind. Und wie mein Alltag, der mir so unwichtig vorkommt auf einmal in den Vodergrund rueckt und ich merke wie wichtig er ist und wie er Menschen veraendert und wie ich ueber mein eigenes Leben und was ich mache auf einmal nachdenke und das aus einer anderen Sicht sehe und das alles weil ich auf einem Blog im Internet war und von Weihnachtssternen und Butterhoernchen traeumte.
    Und ich freue mich dass dies alles dein Blog ausgeloest hat. Der mich und andere zum Nachdenken anregt und uns verbindet und das an Weihnachten. Ich fuehle die Schneeflocken die in Muenchen fallen hier in Sydney. Danke dafuer und ich freue mich auf weiter Beitraege in deinem Blog der diese Welt veraendert, immer ein bischen mehr. Ulli

  7. Auch ich sitze Zuhause vorm Kamin… Meine Tochter und ich sind grad’ fertig geworden mit unserem kleinen “Weihnachtsdorf basteln”. Auch diese Idee stammt von dir! Es ist einfach nur schön geworden und hat sehr viel Spaß gemacht und ist genau die richtige Einstimmung auf Weihnachten….Nun fertig… Bei einer Tasse Kaffee lese ich deine Zeilen und auch mir wird ganz warm ums Herz…
    Ich teile deine Gedanken und Weihnachten wird es bei uns genauso ablaufen….. Im Kreise der Familie, wenn leider auch nicht alle…. Aber wir genießen die Zeit zusammen… Denn wie heißt es so schön: So jung kommen wir nie wieder zusammen…..

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