Meine Lieben,

ich bin immer wieder geschockt darüber, was Frauen so alles schaffen. Hier ein Bastelnachmittag im Kindergarten, da ein Abendessen für Gäste, dort ein Halbtagsjob und nebenbei noch die eigene Firma planen. Alte Kontakte auf facebook pflegen, nicht vergessen die Sonnenmilch einzupacken und die Tageszeitung lesen (wenn auch abends, aber immerhin!)

Eine Frage von euch, die immer wieder auftaucht, ist: Wie schaffst Du das eigentlich? Machst Du das, was ich in Deinem Blog sehe und lese, wirklich alles alleine? Oben seht ihr meinen Schreibtisch (an einem guten Tag). Ja, ich mache viel alleine – aber lange nicht alles. Was mich auf die Idee gebracht hat, mal ein kurzes Video über einen ganz normalen Tag zu drehen. Da würdet ihr euch garantiert alle wiederfinden :-)

Mhhhhh…aber die Überschrift war doch: „Die schlechteste Mutter der Welt“? Manchmal schaffe ich eben nicht alles und neige dann dazu, mein Leben grundsätzlich in Frage zu stellen. Wie neulich, an dem Wochenende an dem mein Sohn Ludwig bei zwei Kindergeburtstagen eingeladen war. Ich bin also am Samstagmorgen mit beiden Kindern in die Riem Arcaden gefahren, damit er etwas Schönes für seine Freundinnen aussuchen kann. Zuhause habe wir die Geschenke dann gemeinsam verpackt. Der erste Geburtstag war am Samstagnachmittag hier bei uns in der Siedlung und alles lief prima.

Am Sonntag musste ich zur Messe und meine Mutter hat die Kinder gehütet. Nur dass ich vergessen habe, ihr nochmal ausdrücklich zu sagen, dass die eingepackten Geschenke im Schrank in der Garderobe liegen und Ludwig um 15:00 bei Emily sein muss. Und weil die Einladung ein kleiner Blumentopf mit einer gebastelten Papierblume war, hing sie auch nicht an unserer Familienpinnwand im Eingang. Als ich also abends ziemlich geschafft von der Messe kam, blinkte eine Nachricht von Emiliys Mutter auf facebook: „Wir haben euch heute sehr vermisst“.

Wer selbst Kinder hat, weiß, wie sich so etwas anfühlt. Ludwig und Emily mögen sich wirklich gerne und mir war klar, dass sie immer wieder gefragt haben musste, wo er bleibt. Ich hatte nur einen einzigen Gedanken: Oh Gott, ich bin die schlechteste Mutter der Welt. So etwas vergisst man doch nicht. War ich wirklich so egoistisch und stellte meine Bedürfnisse über die meiner Kinder? Wie konnte mir das nur passieren?

Meine Freundin Jessica meinte: „Du, das ist doch nicht schlimm, das kann jedem mal passieren. Du hast ja auch so viel um die Ohren.“ Ja, genau das war ja das Problem. Vielleicht hatte ich zu viel um die Ohren oder die Prioritäten falsch gesetzt.

Ich schreibe euch das alles so ausführlich, weil ich durch viele Mails von euch weiß, dass die meisten meiner Leserinnen genau mit diesen Fragen kämpfen. Die, die Zuhause bleiben, fühlen sich durch die ewige Frage „Was machst denn Du beruflich?“ wie Menschen zweiter Klasse. Dabei ist doch für unsere Gesellschaft nichts wichtiger, als die nächste Generation anzuleiten und auf ihrem Weg zu begleiten. Eine Familie glücklich zu machen und ein Zuhause herzurichten ist eine wunderbare, aber eben auch sehr anspruchsvolle Aufgabe, die viel Fremdbestimmung behinhaltet – und das ist manchmal gar nicht so einfach wegzustecken.

Wer „nur“ Teilzeit im Büro arbeitet, wird nicht wirklich ernst genommen, weil man sich „den Stress antut und finanziell nichts hängenbleibt.“ Wer mit Kindern Vollzeit arbeitet hat entweder eine Großmutter in der Nähe, gibt ein Vermögen für Kinderbetreuung aus oder ist schlicht „eine Rabenmutter“. Und wer ab 38 gar keine Kinder hat, wird eh nur belächelt. Warum eigentlich?

Wie wäre es, wenn wir uns alle mal ein bisschen entspannen. Mädels, wir sind toll wie wir sind. Jede von uns hat ihre ganz eigenen Aufgaben und versucht diese zu meistern – mit den Gegebenheiten, die zur Verfügung stehen. Alle, die mir schreiben, haben Doppel- und Dreifachbelastungen – und finden das ganz normal. Wichtig ist doch nur, dass WIR mit unserem Leben zufrieden sind. Und wenn wir halt mal langsamer machen müssen – dann machen wir eben langsamer. Schneller geht immer, dass haben wir ja jetzt jahrelang bewiesen!

Für jede Aufgabe die wir haben, gibt es immer eine Lösung die passt. Nach dem verpassten Geburtstag habe ich bei Emilys Mutter angerufen und wir haben einen Nachfeiertermin verabredet. Natürlich war es nicht toll, dass ich einen Kindergeburtstag vergessen habe. Aber jeder anderen Frau hätte ich gesagt: Das kann jedem passieren. Da hat jeder Verständnis für. Und es wird Dir keiner den Kopf abreißen.

Und nach ein bisschen Durchschnaufen ist selbst bei mir durchgesickert, dass ich eines deshalb bestimmt nicht bin: Die schlechteste Mutter der Welt.