Wenn ich mal wieder darüber stöhne, dass ich ja noch so viel zu tun habe (stimmt ja auch) und eigentlich so müde bin (dito) sagt mein Mann oft: „Du musst Dir halt mal eine Auszeit nehmen!“ Meine erste Reaktion darauf ist meistens: „Wie denn? Ich muss noch ein Geburtstagsgeschenk kaufen, zwei Anrufe machen, einkaufen, einen Blogpost schreiben, Muffins backen, die Fahrräder aufpumpen, Rechnungen überweisen….“ Die Liste ist schier endlos.

Und weil mein Vater Polizist ist und ich viel von preußischer Disziplin halte, wenn man im Leben was erreichen will, mache ich weiter. Ich arbeite erst die eine gefühlt endlose Liste ab und dann die nächste. Manchmal mache ich aus einer Liste auch einfach zwei und habe dann kurzfristig das Gefühl, gar nicht mehr so viel zu tun zu haben (klassischer Selbstbetrug). Eine Zeit lang habe ich es auch mal mit der Taktik versucht, nur die 5 wichtigsten Dinge des Tages aufzuschreiben und mich darauf zu konzentrieren. Ist aber ja auch irgendwie bescheuert, wenn die 32 nicht ganz so wichtigen Dinge, die nicht draufstehen, trotzdem erledigt werden müssen.

Neben den normalen Dingen des Alltags gibt es natürlich immer noch die unschönen Extraposten. Zur Stadtverwaltung fahren und den Wohnsitz ummelden. Den Stapel Papiere und zu Erledigendes abarbeiten, den ich vor 6 Monaten in eine Kiste gepackt habe. (Ich weiß, da war irgendwas Wichtiges drin…aber was bloß? Vermisst habe ich noch nichts.) Die Seminardaten auf der Website meines Mannes erneuern.

Spätestens, wenn auf meiner Extrapostenliste (und die führe ich aus gutem Grund nur im Kopf) mehr als 30 Sachen sind, merke ich, wie es manchmal in meinem Mundwinkel zuckt. Oder in meinem rechten Augenlid – und zwar in den ungünstigsten Momenten. Dann wird mir klar, dass mein Mann total Recht hat. Es ist VÖLLIG egal, was ich heute oder morgen zu tun habe, wenn ich dadurch so gestresst bin, dass ich das JETZT nicht mehr genießen kann.

Meinen absoluten Tiefpunkt hatte ich Anfang 2009. Wir hatten einen anstrengenden Umzug hinter und jede Menge Arbeit vor uns. Es war Januar, draußen lag Schnee und ich fuhr mit Lissy quer durch die Stadt zu ihrer Ballettstunde. Eigentlich sowieso Harakiri, weil ich dafür nur 30 Minuten Zeit hatte und die Strecke bei flüssigem Verkehr schon gut 40 Minuten dauert. Aber irgendwer da oben hatte Mitleid mit mir und ich bekam einen Parkplatz direkt vor dem Haus. Während Lissy tanzte saß ich mit Ludwig draußen – und eine andere Mutter mit ihrer kleinen Tochter setzte sich zu mir. Hätte ich gewusst, was mir jetzt blühte – ich wäre direkt aufgestanden und gegangen. Diese Frau schaffte es mit ihrer Art meine letzten Energien aus mir raus zu pressen. Ich schwöre euch, es ging mir von Minute zu Minute schlechter.

Während sie von ihrem unbeschwerten Leben erzählte, das ja immer schon donnerstags in die Freizeitphase wechselte, weil „wir ja dann schon nach Österreich in unser Wochenendhaus fahren“ und das ansonsten von so entscheidenden Überlegungen wie „auf welche Privatschule soll ich unsere Töchter jetzt schicken“ geprägt war, kriegte ich nur noch eines: immer weniger Luft. Bei ihren Beschwerdetiraden auf ach-so-ungeschickte und lebensfremde polnische Au-Pair-Mädchen, die im Schichtdienst ihre Kinder betreuten, bin ich dann mental ausgestiegen – aber aufgestanden binn ich leider nicht. Warum nicht?

Ab einem gewissen Moment ging das ehrlich gesagt gar nicht mehr. Seit diesem Nachmittag weiß ich, was es heißt, zu fertig zu sein, um mitzukriegen, wie fertig man eigentlich ist. Ich hatte wochenlang viel zu viel gearbeitet und viel zu wenig auf mich geachtet. Und genau diese eine Frau war jetzt das Zünglein an der Waage, genau DIE kriegte ich nicht mehr verpackt und weggesteckt.

Als ich meine Kinder nach der Ballettstunde ins Auto packte und anschnallen wollte, habe ich angefangen zu weinen. Meine Lunge tat bei jeder Bewegung höllisch weh und ich wusste überhaupt nicht, wie ich nach Hause kommen sollte. Während der Fahrt wurde es immer schlimmer, jede rote Ampel wurde zur lebensbedrohlichen Herausforderung. Irgendwann habe ich meinen Mann angerufen, der mich dann „durch die Fahrt geredet“ hat. Als ich Zuhause ankam hat meine Mutter die Kinder übernommen und Uwe hat mich direkt zum Arzt gefahren: ich hatte nicht nur Schüttelfrost und Schmerzen, sondern auch eine saftige Lungenentzündung.

Ich erzähle euch das, weil ihr mir immer wieder schreibt, wie gerne ihr mal eine Auszeit vom Alltag nehmen würdet. Und meist schreibt ihr gleich dazu, dass das ja nun mal nicht geht. Wisst ihr was? DAS GEHT – und das muss auch gehen. Wenn wir nicht fit sind, dann ist unsere Familie auch nicht fit. Denn die steht und fällt mit uns Frauen (auch wenn wir keine Kinder haben und „nur“ eine Zweierfamilie sind).

Was kann ich euch jetzt Schönes mit auf den Weg geben, was mir dabei geholfen hat, mehr im Moment zu leben? Zum einen Eckhart Tolles Buch „Jetzt – Die Kraft der Gegenwart“. Absolut empfehlenswert, weil ich dadurch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werde und das, was ich habe, viel mehr genießen kann. Ist übrigens gar nicht so esoterisch, wie es auf den ersten Blick wirkt.

Zum zweiten einen Link zu ein paar nett gestalteten, umsonst herunterladbaren To-Do-Listen zum Ausdrucken, die das Listen schreiben einfach schöner machen – im Girliestyle mit Vögelchen von homemade happiness aus den Niederlanden, im Retrostyle von Jenny B. Harris vom Blog Allsorts und eine To Do Liste von choretell, die nach Wochentagen aufgeteilt ist.

Ich selber mache es mir (wie ihr oben sehen könnt) ganz einfach: ich habe einfach mit Masking Tape einen Kalender an die Wand geklebt und schreibe meine Aufgaben (hier: meine Blogpostthemen) auf Post-its. Die kann ich dann wie ich will umhängen und bin immer flexibel.

Und jetzt tut mir bitte einen Gefallen: Überlegt euch was Tolles, was ihr machen könntet (und wenn es „nur“ ein Besuch bei einer Freundin ist). Etwas, dass euch entspannen und gut tun könnte. Ganz wichtig: legt direkt einen Termin für diese Auszeit fest, sonst wird das eh wieder nichts.

Wenn ihr nur ein bisschen wie ich seid, ist so etwas lange überfällig und würde euch gut tun. So, und jetzt gehe ich einfach mal mit gutem Beispiel voran: Ich fliege meinem Mann von heute bis Donnerstag nach Hamburg hinterher. Einfach so und ziemlich spontan. Das wird MEINE Auszeit. Ein paar Blogposts für euch habe ich aber vorbereitet, damit ihr was zu lesen habt, während ich neue, spannende Themen auftue! Denn durch die Stadt laufen OHNE die Augen offenzuhalten, das geht natürlich trotzdem nicht.

Alles Liebe

Eure Svenja