Es gibt zwei Arten von Menschen. Mit den einen (z.B. meinem Vater) telefoniere ich und bin eigentlich schon am Ende des Gesprächs. Dann klingelt es auf der anderen Leitung. Also sage ich: „Du ich muss Schluss machen, es klingelt auf der anderen Leitung.“ Darauf mein Vater: „Was ich Dir unbedingt noch erzählen muss, nur ganz kurz …“ und dann redet er. Natürlich nicht kurz, sondern viel länger als es klingelt oder man dran gehen könnte. Manchmal redet er so lange, dass der Anrufer es nochmal versucht. Meinen Vater macht das nicht halb so nervös wie mich. Seine Meinung dazu: „WIR telefonieren doch jetzt – DER kann es nochmal versuchen.“

Dann gibt es die andere Art Menschen (z.B. meine Freundin Almut). Da klingelt mein Handy während wir auf dem Festnetz sprechen. Sie sagt: „ Ist es Uwe?“ Ich sage „Ja“ und wir legen beide wortlos auf. Herrlich. Aber was genau ist das, dass manche Menschen spüren lässt, was (für mich) Nahe liegt und passend wäre – und manche eben gar nicht?

Da ist zum Beispiel die Nachbarin, die IMMER länger am Zaun stehen bleibt, als man selbst je stehen bleiben würde. Oder die Menschen, die zwar nicht lange reden, aber einem dafür ständig auf die Pelle rücken. Die Mutter im Kindergarten, die einem zu nah kommt, wenn man spricht – und einen zwischendurch immer wieder anfasst.

Was ist überhaupt mit diesen Menschen los, die jedes Gefühl für eine angemessene körperliche Distanz verloren haben? Kleiner Tipp: Wenn ich eure Nasenhaare einzeln erkennen kann, müsst ihr einen Schritt rückwärts gehen – und dann noch einen Schritt. Anstatt dessen läuft es aber meist genau andersherum. ICH gehe einen Schritt zurück und diese Menschen rücken nach. Am Ende stehen wir dann irgendwo an der Wand, ich bin gefangen und die Ausweichchancen sind gleich Null.

Selbst Menschen, die berufsbedingt manchmal wenig Abstand halten können, kann man in Solche und Solche unterscheiden. Zum Beispiel mein Personal Trainer. Der ist nun wirklich immer nah dran – und das stört mich gar nicht. Weil er trotzdem genau weiß, wann Abstand angebracht ist. Er hat halt ein natürliches Gespür dafür. Dafür hatte ich mal einen Tennistrainer, bei dem ich gleich in der ersten Stunde das Gefühl hatte, er will was anderes trainieren, als meine Rückhand. Mit dem Erfolg, dass ich die zweite Stunde sofort gecancelt habe.

Oder vor einigen Jahren dieser nie vergessene Termin bei einem Physiotherapeuten – der Typ ging gar nicht. Viel zu körperlich, viel zu eng – und viel zu attraktiv. Eigentlich sollte es bei Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten, sowieso eine Art Attraktivitätseinstufung vor Beginn der Ausbildung geben. Oder wer von euch hat Lust, zu einem Zahnarzt zu gehen, der aussieht wie George Clooney? Klar, ich meine das halb im Scherz. Aber ich hatte mal diesen Zahnarzt – also, DA gehe ich NIE WIEDER hin. Ehrlich, das ist einer von der Art, denen man früher in Bars Blicke zugeworfen hat. Da sage ich nur: Hände weg von meinem Amalgam.

Was ist es, das Menschen ein zu-viel-Nähe-Gen gibt? Liegen die schon im Bauch am Rand der Gebärmutter anstatt in der Mitte? Es kann doch nicht so schwer sein zu wissen, wann es genug ist, an Nähe und mit Reden. Die Faustregel „Weniger ist mehr“ kann da schon Mal helfen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen Tag, an dem ihr nur Menschen trefft, mit denen ihr gerne lange sprecht und euch noch lieber umgebt. Genau das mache ich nämlich heute im Bayerischen Wald – mit meinem Mann und meinen Kindern.

Alles Liebe

Eure Svenja