Ihr Lieben,

Wenn ihr Mütter mit Kindern seid oder einfach nur Frauen, die klar denken können (und NEIN, das schließt sich nicht gegenseitig aus), lest diesen Blogpost bitte bis zum Ende durch. Eins ist nämlich sicher – es geht in diesem Post nicht nur darum, wer MICH (nicht) abholt, sondern auch warum IHR nicht abgeholt werdet. Und damit muss jetzt Schluss sein.

Gestern war ich in mit meiner Familie in der Therme Erding. Zum Lesen hatte ich mir ein Bastel-/Jahreszeiten-/Ritual-/Rezeptebuch mitgenommen. Davon habe ich ein paar zuhause, schaue aber nie rein. Also dachte ich: „Komm Svenja, einen Anlauf nimmst Du noch.“ Denn eigentlich stehen in solchen Bücher doch super Sachen drin. Warum nehme ich sie dann nur nie zur Hand?

Ich las also die Einleitung zum Thema „Frühling“ (das Buch war nach Jahreszeiten sortiert). Da stand:

„Wir atmen erleichtert auf: Der Winter, die kalte Jahreszeit, ist vorbei. Die dicken Winterklamotten werden gegen leichtere Kleidung ausgetauscht. Wir öffnen morgens das Fenster und werden von einem frischen Frühlingsduft mit Vogelgezwitscher begrüßt. Alles blüht und grünt, und wir wollen mittendrin sein.“

Ähem, nochmal kurz nachgedacht. Der Blick aufs Cover zeigt: Ja, ich habe tatsächlich das Bastelbuch gegriffen und nicht den Gedichtband von Joseph Freiherr von Eichendorff. Ich weiß ja nicht, wie es bei euch im Frühling (oder auch einfach: im Leben) so zugeht. Aber ich erwarte von einem praktischen Familienbuch etwas anderes, als eine romantische Frühlingsbeschreibung.

Wie wäre es anstattdessen mit: „Der Frühling kommt, also steht das alljährliche Aussortieren der Kleidung an. Wintersachen waschen und runter in den Keller, Frühlingssachen waschen und hoch in die Schränke. Und weil das dauert gibt es hier zehn spitzenmäßige Vorschläge, die eure Kinder währenddessen ALLEINE machen können, so dass ihr Ruhe und sie Spaß haben.“

Doch nicht nur Familienratgeber treffen heute den falschen Ton. Auf meiner Tamponpackung steht, dass sich die Tampons super zum (jetzt kommt es) Sport, fürs Shopping und im Cafe eignen. Also genau die Situationen, die im Leben von uns Frauen quasi pausenlos stattfinden. Die netten Bildchen dazu habe ich mal für euch abgemalt. Unter „Sport“ verstehen die Tamponhersteller Rumhüpfen mit offenem Haar und Wespentaille im Bikini am Strand, unter „Shopping“ Kaufrausch im Minikleid (dabei scheint es auf uns nicht so anzukommen, denn das Gesicht ist abgeschnitten) und unter „Cafébesuch“, dass wir im halterlosen Cocktailkleid mit stylisher Kurzhaarfrisur alleine in einem hippen Café mit Retrotapete sitzen. Und das erstaunlicherweise OBWOHL wir unsere Tage haben.

Achtung Werbetreibende und Verlage: Es kommt noch dicker.

Wenn wir Frauen mal 5 Minuten Pause haben, ist das LETZTE, was uns einfällt, uns mit einer klebrig-süßen Milchschnitte auf die Gartenbank fallen zu lassen. Anstatt dessen telefonieren wir lieber mit unseren Freundinnen, die ihr genauso wenig abholt, wie uns.

Aber ich will ja hier nicht verbittert klingen. Gerne reiche ich euch die Hand. Hier also einfach mal 5 Produkte, die Frauen heutzutage brauchen, auf die aber noch niemand gekommen ist. Mir und meinen Leserinnen fallen übrigens noch ungefähr 1 Millionen weitere ein. Falls also irgendeine Branche hier nicht vorkommen sollte: meldet euch einfach bei mir.

1. Der Vertuscher

Oberteile, die lang genug sind, um normale weibliche Bäuche ab 40 (oder nach 2 Entbindungen) zu bedecken – gleichzeitig vorne doppellagig, so dass vorhandene Schwabbelbäuche elegant plattgequetscht werden.

2. Der Allrounder

Chips und Schokolade ohne Kalorien, die gleichzeitig die Fettverbrennung und das sexuelle Verlangen anregen.

3. Der Faszinierende

Ein Spielzeug aus Holz ohne Schadstoffe, das nicht elektronisch betrieben wird, aber Kinder täglich mindestens 2 Stunden so fasziniert, dass wir in Ruhe Sport machen und uns pflegen können. Also die Dinge, die von uns selbstverständlich erwartet werden, für die aber überhaupt keine Zeit ist.

4. Der Regler für alle Feiertage

Enthält Tisch- und Wohnungsdeko sowie unfehlbare Rezepte, die auch noch einfach sind (und die alle familieninternen Allergien und Neurosen bedenken). Außerdem saubere, witterungsgeeignete, farblich aufeinander abgestimmte Kleidung und Schuhe in den richtigen Größen für die gesamte Familie. Spiele für alle Altersgruppen und zehn variabel einsetzbare Ausreden, mit denen man im Notfall alle nach Hause schicken kann.

5. Der Schriftsteller

Textbausteine für alle Gelegenheiten. Für Freundesbücher und Poesiealben, Verabschiedungen von Lehrerinnen und Beschwerden beim Hausmeister, Jubiläen von Schwiegermüttern, Kollegen und Pastoren, Reden für Spendengalas, Elternversammlungen und Kinderfaschingsveranstaltungen.

Für Anrufe bei der Schuldirektorin, nachdem das Kind einen Verweis erhalten hat. Für den Anruf bei der Werkstatt, deren Angebot fingiert ist, weil wir Frauen sind. Ausreden, Fürbitten und Stoßgebete für Mütter von pubertierenden Kindern.

Liebe Unternehmer, wann fangt ihr eigentlich an, uns Ernst zu nehmen? Wie lange sollen wir noch die Nation hochhalten und nicht ein einziges Produkt im Geschäft finden, was uns in irgendeiner Art bei unseren wirklichen Aufgaben hilft?

Wir stärken das Selbstvertrauen unserer Männer, die Sozialkompetenz unserer Kinder und finden noch Zeit, die Karnevalsdeko im Kindergarten zu gestalten.

Natürlich arbeiten wir auch, weil wir das von uns selbst erwarten. Wofür haben wir denn sonst studiert? Und wofür haben die Frauen vor Jahrzehnten sonst die Emanzipation durchgeboxt? Alles Schwestern im Geiste, die wir doch jetzt unmöglich hängen lassen können! Auch wenn wir dadurch noch mehr zu tun haben, als wir eh schon wuppen.

Wenn der Bastelbuchsatz „Alles blüht und grünt, und wir wollen mittendrin sein“ und ein Tampon, der sich fürs Shoppen eignet, uns also nicht abholen, ist das irgendwie nicht wirklich überraschend.

Den produzierenden Unternehmen habe ich ja oben schon ein paar Produktvorschläge unterbreitet. Aber sollte hier ein Verlag mitlesen, habe ich wirklich gute Neuigkeiten.

Wir Frauen brauchen eigentlich nur noch ein Buch, das wird dafür aber ein Bestseller. Es heißt:

„Das Ende der Emanzipation. Und der Anfang der Wahrheit.“

Und wenn ihr nicht schnell genug seid, habe ich kein Problem damit, es selbst zu schreiben.

In diesem Sinne

Eure Svenja (und alle Frauen, die ich kenne.)