Manchmal fahre ich morgens los, um die Kinder zur Schule zu bringen, und weiß noch überhaupt nicht, worüber ich heute schreiben soll. Aber Gott sei Dank gibt es ja Herrn Brichta, meinen Bäcker. Mit dem plaudere ich morgens über Gott und die Welt und ganz oft auch über Beziehungen. Herr Brichta und seine Frau führen nämlich zusammen meine Stammbäckereifiliale und haben damit quasi die gleiche Konstellation wie Uwe und ich. Zusammen leben, 2 Kinder und zusammen arbeiten.

Heute Morgen kamen wir mal wieder darauf, dass wir wirklich froh sein können, dass wir unsere Ehepartner gefunden haben und so viel miteinander teilen können. Ich glaube ja, dass das auch daran liegt, dass Uwe und ich so viel miteinander reden. Nicht dass wir jeden Abend romantisch bei einem Glas Wein zusammen sitzen würden und uns tiefsinnig austauschen. Beileibe nicht. Aber dafür reden wir eigentlich sonst ständig. Im Auto. Am Telefon. Auf dem Weg zum Sport. Und da wir so viel Zeit zusammen verbringen, reden wir auch ganz viel mit anderen Menschen, wie eben mit unserem Bäcker. Wir bringen die Kinder morgens gemeinsam zur Schule und zum Kindergarten. Wir sprechen im Kindergarten mit denen, die wir gerade treffen. In unserer Siedlung (denn wir arbeiten ja auch hier). Im Fitnessstudio. You name it. In diesem Austausch mit anderen wird mir auch immer wieder klar, warum ich meinen Mann so liebe. Wie er mit anderen umgeht, seine Meinungen, seine generelle Offenheit und Liebe allen Menschen gegenüber. Das ist etwas, was ich wirklich und zutiefst schätze.

Oft fällt ja nach vielen gemeinsamen Jahren der Satz „Wir haben uns nichts mehr zu sagen“. Aber kommt das – wenn man ganz ehrlich ist – nicht auch daher, dass man irgendwann aufgehört hat, miteinander zu reden?

Natürlich gibt es auch bei uns immer wieder Momente, in denen ich eigentlich NICHT hören will, was mein Mann zu sagen hat. Entweder weil ich finde, dass er falsch liegt. Oder weil es mich aus meiner Comfort Zone herausträgt und eine Herausforderung bedeutet. Klar, mein Mann hat einen ganz nahen Blick auf mich. Er kennt meine Schwächen (und ich bin Gottfroh, dass er so verliebt in mich ist, dass er mir die meisten durchgehen lässt). Aber manche Sachen eben nicht – und die müssen dann auch mal angesprochen und vor allem: von mir gehört werden. Lästig, immer dieses Wachsen in der Partnerschaft :-) Aber ohne das ist es eben auch nicht möglich, sein Leben miteinander zu verbringen.

Warum ich das heute alles so ausführlich beschreibe? Nicht nur wegen Herrn Brichta und unserer morgendlichen Plauderei. Sondern vor allem, weil mir nach meinem „No excuses, sex please“-Post letzte Woche wirklich viele Frauen geschrieben haben, dass sie gar keinen Sex mehr haben, seit Jahren. Oder so wenig, dass man ihn im Jahr an einer Hand abzählen kann. Ich merke, dass ihr ein großes Bedürfnis habt, euch mit euren Partnern auszutauschen. Aber oft nicht mehr wisst, wo ihr den Anfang machen sollt.

Egal um welches Thema es geht, es gibt immer Sachen, die wir Frauen in unserer Beziehung gerne anders hätten. Manchmal macht uns das unzufrieden, manchmal können wir damit umgehen. Ich möchte euch bitten, genauso lebendig und offen zu bleiben, wie ich euch in euren Mails erlebe. Ich sehe Frauen, die Träume haben, Ziele erreichen wollen, an sich arbeiten. Mit dieser Einstellung kann man auch das große Schweigen brechen, da bin ich mir ganz sicher. Ich denke jedenfalls feste an euch, wenn ihr den ersten Schritt tut.

In diesem Sinne einen schönen Tag

Eure Svenja