Meine Leserin Angie von strangie’s life hat mir ein virtuelles Stöckchen zugeworfen (das sind mehrere Fragen über einen selbst, die man öffentlich auf seinem Blog beantwortet). Eigentlich scheue ich sowas eher, aber Angie hat mir eine Frage gestellt, die ich gerne öffentlich beantworten möchte. Sie lautet:

Hattest Du je einen Zeitpunkt in Deinem Leben, an dem Du beschlossen hast etwas grundlegend zu ändern?

Diesen Moment hatte ich sicher mehrfach. Gemein war diesen Momenten vor allem Eines: Es gingen ihnen immer Verhaltensweisen voraus, die ich lange wiederholt habe und bei denen ich mir nicht bewusst war, dass ich in einem Muster feststecke. Zum Beispiel die Beziehung zu meinem Ex-Freund, in der ich mehr weg- als hingeschaut habe. Bis klar war: Ich muss hier raus. Jetzt. Oder meine Selbständigkeit mit einer Partnerin, die so ein starkes Ungleichgewicht hatte, dass ich immer schneller gerannt bin, um das auszugleichen. Bis klar war: Ich muss hier raus. Jetzt. Als ich Angies Frage las dachte ich zuerst vor allem an solche Momente – in denen ich Verhaltensweisen und Dinge beendet habe, weil sie nicht mehr zu mir passten. Weil sie sich in eine Richtung entwickelt hatten, die weder gesund noch gut für mich war.

Aber sowas will ja keiner lesen. „Ich habe lange etwas ertragen/mitgemacht und irgendwann habe ich Schluss gemacht“ sind Momente, die jeder kennt, die aber nicht unbedingt positiv besetzt sind. Im Rückblick denke ich: „Warum bin ich nicht viel früher gegangen?“ Die Wahrheit ist: Weil ich es einfach nicht früher gecheckt habe. Weil ich nicht bei mir war. Weil ich damals noch nicht wusste was ich heute weiß. Und vor allem – weil ich dachte „Das geht doch nicht!“

Ha, von wegen. Wenn ich mir einen Satz aussuchen dürfte, der meine Lebenserfahrung bündelt, es wäre dieser.

„Alles geht, wenn man es macht.“

So einfach ist das? Ja, so einfach ist das. Ich habe mich in den Richtigen verliebt, weil ich den Falschen habe gehen lassen. Nach zwei Wochen „Ja“ zum Heiratsantrag gesagt, auch wenn das eigentlich verrückt ist. Das allererste Mal mit meinem Mann über Empfängnisverhütung nachgedacht, NACHDEM wir zwei Kinder hatten.

Etwas einfach zu machen heißt aber nicht, sich Hals über Kopf irgendwo reinzustürzen. Es heißt vor allem, immer das zu tun, was man für richtig hält. Manchmal ist das nicht so einfach. Es erfordert Mut und Fokusierung. Jede Menge Selbstvertrauen. Und eine tiefe Liebe zu sich selbst.

Ich lebe nach dem Motto „Alles geht, wenn man es macht“. Für mich funktioniert einfach nichts Anderes. Warum? Weil die Belohnung, die ich bekomme, wenn ich Dinge wirklich tue (anstatt nur darüber zu schreiben, zu reden oder noch schlimmer: mich darüber zu beschweren, dass ich sie nicht tue) so riesengroß ist.

Ein Körper, der gesund ist und in dem ich mich wohlfühle. Eine fantastische Ehe mit noch besserem Sex. Kinder, die so toll sind, dass ich manchmal selber staune. Ein Leben voller aufregender Momente. Und so viel Spaß, dass es für 10 Leben reicht.

Versucht es doch nächste Woche auch mal mit meinem Motto. Und nur um euch mal ein Beispiel dafür zu zeigen, wie solche Spaßmomente bei mir aussehen können….wir haben gestern Abend die gesamte Siedlung zu einer Party eingeladen. Alle haben die tollsten Leckereien mitgebracht und wir haben bis 2 Uhr Morgens getanzt. Der Anlass? Das Glück, in der besten Reihenhaussiedlung der Welt zu leben.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Das Bild zeigt einen Teil der Partygäste. Auf dem Foto seht ihr Frauen mit insgesamt 17 Kindern. 15 davon sind zwischen 1 und 8. Außerdem verstecken sich ein Neugeborenes und eine Schwangerschaft auf dem Bild. Und mindestens noch ein Kinderwunsch. Unsere Siedlung bringt es insgesamt auf über 40 Kinder. Aber wir haben noch mehr zu bieten: Amerikaner, Deutsche, Finnen, Koreaner, Japaner, Schotten, Iren, Argentinier, Homos, Heteros und alle Konfessionen, die man sich vorstellen kann. Und gestern haben wir einmal mehr festgestellt, dass wir in Wahrheit gar nicht in einer Reihenhaussiedlung leben, sondern in einer (gefühlten) Studenten-WG. Party on.