Ihr Lieben,

ihr wisst ja, dass ich EIGENTLICH erwachsen bin. Aber über Ostern war ich bei meinem Vater. Und da bin ich vor allem eins: So alt, wie er mich in Erinnerung hat. Was zu äußerst interessanten Unterhaltungen führt, weil er ausgezogen ist, als ich 8 war.

Wenn wir was unternehmen wollen, fragt mein Vater mich kurz vor dem Aufbruch: „Musst Du nochmal wohin?“ (Damit meint er „auf die Toilette“.) In solchen Momenten frage ich mich, ob er nicht mitbekommen hat, dass ich MEINE Kinder gerade nacheinander zum Pipi machen gescheucht habe, weil wir gleich aufbrechen.

Oder im Auto (ich am Steuer). Mein Vater: „Bleib mal auf der rechten Spur. Wir biegen ja gleich rechts ab.“ Knapp 5 km später (die ich übrigens hinter einem Lastwagen festsitze – und wir reden über eine Straße, die zwei Spuren in jede Richtung hat und wo nichts los ist) biegen wir also ab. Dass es zu meinem Alltag gehört im Münchener Feierabendverkehr 30 m vor der Ampel noch mal eben über 3 Spuren zu wechseln, lasse ich besser unerwähnt.

Am Ende der Fahrt stelle ich den Motor aus und mein Vater sagt: „Gut bist Du gefahren.“ Fast erwarte ich, dass er (der pensionierte Polizist) gleich rechts rübergreift und mir einen Führerschein ausstellt. Offensichtlich habe ich die Fahrprüfung bestanden.

Oder im Tierpark. Wir haben das Essen für die Kinder im Auto vergessen. Als mein Sohn Hunger hat, sage ich:“ Dann gehe ich nochmal schnell zurück und hole den Rucksack, dauert ja nur 5 Minuten.“ Mein Vater: „Ja, aber es verhungert doch auch keiner, wenn Du jetzt nicht gehst.“ Ich: „Papa, mit kleinen Kindern ist man ja nicht im Krieg. Da muss nicht erst einer verhungern, bis die Lage Ernst wird.“

Ich kann euch sagen – die eigene Rolle für ein paar Tage an der Haustür abzugeben, war mal wieder gar nicht so einfach. Aber je älter ich werde, desto eher kann ich es mit Humor nehmen. (OK – ein paar Mal habe ich schon Heu-wä-gel-chen vor mich hingemurmelt, aber mit innerem Augenzwinkern).

Gestern bin ich dann also wieder 41 geworden – auf einer 5-stündigen Rückfahrt von Paderborn nach München, beim Auspacken der Koffer, beim Beladen der Waschmaschine. Und dann war Abendbrotzeit. Und nach viertägigem Overeating durch Zwangsaufessen („Die restlichen Nudeln vom Ludwig schmeißen wir aber nicht weg – ihr habt früher immer alles aufgegessen“) habe ich gemerkt, wie der Rebell in mir hochkam.

Ich habe meine Kinder vor den Fernseher gesetzt, habe in Jogginghose das Haus verlassen und Tiefkühlpizza an der Tanke geholt. Einfach nur weil ICH jetzt mal wieder entscheiden konnte, was es heute gibt und wie ich mein Leben lebe. Lustig war nur mein Nachbar Stefan, den ich auf dem Weg zum Auto im Garten traf und der sagte: „Aha, zur Tanke, Tiefkühlpizza holen, in Jogginghose. Gerade eben hatte ich noch Dein Kochbuch für Thermomix in der Hand, wo Du davon erzählst, wie Du immer frisch kochst.“ Da mussten wir lachen. So ist es eben mein Leben als (Haus-)frau und Mutter – alles ist in Bewegung. Immer.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Tag, an dem ihr mal wieder spielend alle Rollen unter einen Hut bringt.

Eure Svenja

P.S.: Und wer Lust hat, mehr darüber zu lesen, wie wichtig unser Status und dessen stetige Veränderung im facebook-Zeitalter geworden ist, kann auf meinem Storytellingblog heute mehr darüber erfahren.