Ihr wisst ja wie wir Frauen sind. Ständig on the run, immer zwischen den Stühlen und nie zufrieden mit uns selbst. Oder mit dem, was wir bis jetzt erreicht haben. Wenn uns also jemand anerkennend sagt: „Wahnsinn, was Du immer alles so nebenbei machst!“ haben wir direkt ein: „Ach, das ist doch gar nichts. Ich müsste eigentlich noch viel viel mehr schaffen.“ auf den Lippen. Und je länger ich darüber nachdenke, desto komischer finde ich das Phänomen.

Ich bin nämlich auch ganz groß darin, meinem Mann zu erzählen, dass er ja gar nicht sieht, was ich alles mache. Nur um dann noch mehr zu machen und (selbst) immer noch zu denken, dass das alles viel zu wenig ist. Mein Mann ist da ganz anderer Meinung. „Hör doch endlich mal auf so zu rennen“, sagt er. Und ich habe so ein komisches Gefühl, dass da irgendwas dran ist.

Neulich saßen wir abends bei einem Prosecco auf dem Sofa und da habe ich ihn dabei erwischt, dass er manchmal auch nicht großartig anders tickt. Auch ihm geht manchmal alles nicht schnell genug. Also haben wir darüber gesprochen, woran das eigentlich liegt. Ständig macht man was, aber nie hat man das Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Oder zumindest nicht das geschafft zu haben, was man hätte schaffen können – wenn man schneller, konzentrierter, besser gewesen wäre. Und während wir so reden, haben wir festgestellt, dass wir nur bei uns selbst so kritisch sind. Gegenseitig konnten wir uns ziemlich genau spiegeln, was wir alles so hinkriegen – und dass das ziemlich viel ist. Nur der Blick auf das eigene Geschaffte, der fiel kläglich aus.

„Aber wenn Du das bei mir siehst – und ich bei Dir….dann lass uns doch ein Spiel spielen.“ habe ich vorgeschlagen. „Was denn für ein Spiel?“ fragte mein Mann. „Ich nenne es mal „Kristallkugel des Lebens“. Wir tun so, als ob ich am Tag unseres Kennenlernens zu einer Wahrsagerin gehe und sie mir ganz genau vorhersagt, wie mein Leben heute ist. Und daran messen wir dann, ob wir was geschafft haben, oder nicht.“ sagte ich. Mein Mann war gleich Feuer und Flamme. Und hat mir also alles aufgezählt, was ich in den letzten 10 Jahren geschafft habe und wie mein Leben heute ist.

Eine Hochzeit. Acht Umzüge. Zwei Kinder. Mehrere ebooks. Zwei Blogs. Ein Kochbuch. Einen wirklich guten Pitch. Meine Arbeit für RTL. Jede Menge große Feste ausgerichtet. Auf der materiellen Seite alles paletti. Genäht, gebacken, gekocht. Gebastelt und Wände gestrichen. Mir mit hartem Training nach den Geburten meinen Körper zurück geholt. Meinen Kindern alle Liebe gegeben, die sie brauchen. Meine Mutter gerettet, weil ich am Telefon ihren Schlaganfall diagnostiziert habe. Meinen Mann so glücklich gemacht, dass er mich jeden Tag mehr liebt. Das und noch viel viel mehr.

Und dann hat er mich gefragt: „Wenn Dir die Wahrsagerin das alles aufgezählt hätte, was hättest Du gedacht?“ Und da ist was ganz Spannendes passiert. Ich habe mich wahrscheinlich das erste Mal in den letzten zehn Jahren zurückgelehnt und festgestellt, dass mein Leben ein VOLLER ERFOLG ist. Dass ich von Liebe und Zuneigung umgeben bin. Dass ich Stein auf Stein gebaut habe und heute das Leben habe, von dem ich immer geträumt habe. Ich habe nicht Nichts geschafft oder zu wenig. Sondern alles. UND NOCH VIEL MEHR. Eine unglaubliche Erkenntnis, besonders wenn man bedenkt, dass all das ja schon die ganzen Jahre da war. Und ich es jederzeit hätte wahrnehmen können – wenn ich mir nur die Zeit genommen hätte. Was für ein Wahnsinn.

Heute ist Montag und viele von euch starten wieder in eine vollgepackte Woche mit Listen und Terminen. Gerade deshalb möchte ich euch bitten, einfach mal in eure eigene Kristallkugel zu schauen. Denn wenn das, was ihr da seht, so gut klingt, dass ihr es aus dem Munde einer Wahrsagerin nicht glauben würdet – dann habt ihr endlich mal gesehen, wie toll ihr eigentlich seid.

In diesem Sinne

Eure Svenja