Vielleicht überrascht euch das, aber es gibt etwas, das ich wirklich nicht gut hinkriege. Ich kann nicht einfach nur zufrieden sein. Dabei gäbe es so viele gute Gründe. Meinen Mann. Meine Kinder. Mein Zuhause. Diesen Blog. Freunde. Tolle Erlebnisse. Aber ihr seht es vielleicht schon an der Aufzählung, denn die ist und bleibt genau das: eine Aufzählung. Ich weiß, wie viel Gutes ich in meinem Leben habe – klar, ich tue ja auch Einiges dafür. Doch auch wenn ich einen Weg gefunden habe, alles zu erledigen, allen Bereichen meines Lebens gerecht zu werden, so stellt sich doch fast nie das Gefühl der Zufriedenheit ein.

Wenn ihr mich fragt, hat das viel mit dem Internet zu tun. Denn Zufriedenheit und das Internet, die widersprechen sich total. Ihr findet euren neuen Rock wunderschön? Dann surft mal ein paar Fashionblogs ab. Es gibt wirklich schönere. Und eigentlich braucht man dazu Glitzerballerinas und große goldene Creolen. Denn erst dann, meine Lieben, habt hr ein OUTFIT. Nur einen Rock zu haben ist ja so gestern.

Wenn ihr denkt, ihr kocht gut, geht mal zu foodgawker. Wenn ihr denkt, euer Haus ist hübsch, dann schaut mal bei apartmenttherapy. Und wenn ihr denkt, ihr seid erfolgreich, dann googlet Mal euren eigenen Namen. Es ist nicht nur der ewige Vergleich, der uns unzufrieden macht, es ist auch das Gefühl, nicht wirklich vorne dran zu sein.

Ich bin jetzt 41. Müsste ich nicht schon viel weiter sein? Drei Kinder haben? Zwei eigene Romane in den Bestsellerlisten und eine Weltreise hinter mir? Mehr geschafft und weniger Zeit vertrödelt? Ich meine, come on, was habe ich zwischen 20 und 30 eigentlich WIRKLICH getan?

Das kann ich euch sagen. Kaum gesurft und viel gelebt. Ich kam gar nicht auf die Idee, mich zu vergleichen, weil es Niemanden gab, der vergleichbar war. Niemand hatte dieselben Talente, Vorlieben und Fragen. Und erst Recht keine Antworten. Deshalb war es herrlich, mit den Mädels Beverly Hills 90210 und Melrose Place zu schauen und sich dabei die Nägel zu lackieren. Freundinnen waren meine Referenz, wenn es darum ging, mein Verhalten und meine Gedanken und Gefühle (einzu)ordnen.

Heute kann ich der ganzen Welt dabei zuschauen, wie sie ihre Kinder erzieht. In schönen Kleidern (wann haben die nur die Zeit, diese Sachen zu waschen und zu bügeln?), gut gelaunt, im Urlaub und bei Familienfesten. Nur manchmal, da sehe ich die Wahrheit zwischen den Blogzeilen schimmern. Da schreibt jemand: „Ich habe jetzt Krebs.“ oder „Nach 20 gemeinsamen Jahren haben wir uns entschieden: Wir gehen ab jetzt getrennte Wege.“

„Wenn die jetzt nicht aufhören zu nerven, drehe ich gleich durch. Was kann man bei Regen noch mit kleinen Kindern machen?“ war ein facebook Status, der so anders war, als die übliche Selbstdarstellung und Augenwischerei, dass ich erst dachte, eine meiner facebook Freundinnen ist kurz davor, ein Fall fürs Jugendamt zu werden. Aber da hatte nur jemand den Internetfilter nicht eingeschaltet. Den, der uns besser aussehen lässt, als wir eigentlich sind.

Im echten Leben gibt es Momente, die sind so bescheuert und peinlich und alltäglich, dass man sie online besser nicht erwähnt. Wie letzten Freitag, als ich fünf Minuten nachdem ich im Legoland angekommen war feststellen musste, dass ich meine Tage gekriegt habe – und keine Tampons dabei.  Ja, so ist es nämlich, das echte Leben. Die meisten Sachen erwischen uns kalt und müssen einfach nur überstanden werden. Jeden Tag lösen wir tausend Probleme und beantworten tausend Fragen. Nur ganz wenige dieser Momente schaffen es dann ins Internet. Klar, dass wir da die aussuchen, die uns gut aussehen lassen.

Ein Freund von mir hat mal gepostet, dass es eine Theorie gibt, dass wir so sein wollen, wie unser facebook Profilfoto. Dann will ich also (siehe Foto oben) eine Mutter sein, die ihren Kindern nahe ist – in einem Meer von rosa Herzballons. So ganz falsch ist das sicher nicht. Denn auch wenn mein Legolandausflug aus verschiedensten Gründen der blanke Horror war, poste ich für euch nur dieses eine Foto.

Es zeigt meinen Sohn und mich auf dem Hinweg in der Vollsperrung der Autobahn. Ludwig ist auf meinen Sitz gekrabbelt und kuschelt mit mir. Draußen regnet es in Strömen und im Radio läuft laut „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen. Und das ist so schön, dass ich fast heulen muss. Denn plötzlich bin ich es: Einfach nur zufrieden.