Kommt total unschuldig daher, ist aber das beste Buch, das ich in meinem ganzen Leben gelesen habe.

Als ich gestern gepostet habe, wie gut das Schreiben gerade läuft, hat meine Leserin Silvia mich nach Tipps gefragt. Leider habe ich für das offensichtlich am häufigsten auftretende Problem – Schreibblockaden – keine Lösung, weil ich das noch nie hatte. Ich habe eher das gegenteilige Problem, sobald ich mich an die Tastatur setze. Ich denke schneller als ich schreibe und ärgere mich, dass ich nicht so schnell tippen kann, wie ich denke. Aber für andere Bereiche des Schreibens (Wie machen das andere Autoren? Schreibübungen, Drehbuchlehre, die richtige Software!) habe ich eine Menge praktische Tipps auf Lager.

Wer gerne schreiben möchte, sich fürs Schreiben interessiert, sich fragt, wie es anderen Autoren so ergeht oder einfach nur gerne Stephen King liest, dem sei seine Autobiografie Das Leben und das Schreiben empfohlen. Darin erzählt Stephen nicht nur schonungslos offen von seiner Drogensucht, sondern auch von einem Unfall, bei dem er fast ums Leben gekommen ist. Das Buch ist sehr persönlich und gibt viele interessante Begebenheiten rund um das Thema Schreiben preis. Es ist schon deshalb ein Kleinod, weil es nur wenig gute Bücher über das Schreiben gibt. Mag daran liegen, dass die, die es können, lieber schreiben, als darüber zu schreiben, wie man schreibt. Kann ich irgendwie verstehen.

Es gab mal eine wirklich gute Doku über Cornelia Funke, die Autorin von Bestsellern wie Tintenherz. Lief auf arte und hieß „Mein Leben“. Leider kann ich die online nicht mehr finden – wenn mir da jemand weiterhelfen kann, bin ich dankbar. Cornelia wurde darin in Deutschland und L.A. begleitet und man bekam einen Eindruck davon, zu welchem Unternehmen das Schreiben wird, wenn man Erfolg damit hat.

Die besten Schreibübungen der Welt findet ihr in dem 1986 (!!!) erschienenen Buch „Writing down the bones“ von Natalie Goldberg . Für den, der gerade anfängt, genauso wie für den, der seinen Rhythmus noch nicht gefunden hat, sind wahre Schätze darin verborgen.So empfiehlt Natalie zum Beispiel eine Schreibliste anzulegen – immer wenn einen ein Thema berührt, kommt es auf die Liste. Und wenn man nicht weiß, worüber man schreiben soll, nimmt man sich einfach die Liste und wirft einen Blick drauf. Tadahhh – schon hat man ein Thema. So eine Liste habe ich zum Beispiel für meinen Blog (Sie ist immer zu lang und ich schaffe es nie, alles zu schreiben, was draufsteht. Das liegt alleine schon daran, dass ihr mir täglich Vorschläge zu Themen, tolle Rezepte und Produkthinweise schickt.)

Andere Vorschläge: Schreib über das Gefühl, zu gehen (aus dem Haus, bei einer Scheidung, wenn Du verlassen wirst etc.), schreib darüber, wann Du Dich der Natur am Nächsten gefühlt hast, schreib über körperliche Ausdauer, schreib über etwas, wovon Du besessen bist (kein Tag vergeht, ohne dass DU daran denkst). Nimm ein Buch, schlag es auf irgendeiner Seite auf, schreib einen beliebigen Satz ab. Das ist Dein erster Satz – jetzt schreib davon ausgehend eine Geschichte. Mach einen Spaziergang und achte auf alles was Rot ist. Dann gehe nach Hause und schreib über die Farbe Rot.

Ihr seht, das Buch ist ein Meisterwerk und ein Geheimtipp gleichermaßen. Es schärft eure Schreibsinne und ist auch sonst eine wunderbare Anleitung, das Leben intensiver wahrzunehmen. Denn im Endeffekt ist das ja das, was Schriftsteller tun.

Den Drehbuchautoren unter euch empfehle ich das Buch Save the cat von Blake Snyder. Blake war der erste meiner facebook Freunde, der verstorben ist – für mich war das ein Schock, weil er mir durch seine Bücher so nah war. Blake hat ein ziemlich geniales System entwickelt, wie man Szenen emotionalisiert. Sein Beat Sheet ist DIE Heldenreise für Drehbuchautoren, runtergebrochen auf Hollywoodfilmlänge. LUVIT. Blake, you will never be forgotten.

Die Software, mit der ich schreibe, war eine Empfehlung des begnadeten Illustratoren und Poetry Slammers Markus Freise. Der Mann traut sich was. Es ist Scrivener von literatureandlatte. Kostet 40,20 € und ist schlicht und einfach genial. Es lohnt sich 10 Minuten zu investieren und dieses Einführungsvideo anzusehen (auf Englisch) – danach hat man einen ganz guten Überblick, was das Programm leistet und wie einfach es zu bedienen ist.

Und last but not least kommt noch meine Theorie zum Thema Schreiben. Ich höre ja oft von euch, dass ihr von meinen Texten berührt seid. Ihr ärgert euch oder fühlt mit, ich spreche euch aus der Seele oder treffe den Nagel auf den Kopf. Oder es macht euch stinkwütend und das geht alles gar nicht. Ich glaube, das alles liegt an genau einer einzigen Sache: Am Status. Wer Texte schreibt, die einen Status definieren, findet Leser, die diesen Status nachempfinden können. Und Leser, die ihm widersprechen. Natürlich gehört noch mehr zum guten Schreiben. Aber würdet ihr mich fragen, welches Buch ihr lesen sollt, um beim Schreiben oder im Leben (denn das ist eigentlich dasselbe) erfolgreich zu sein, es wäre dieses: Evolutionäre Psychologie von David Buss. Vielen Dank noch einmal an Markus Scheu für diese Empfehlung. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Sie hat mein Leben und mein Schreiben komplett verändert. Und auch wenn dieser letzte Absatz so unschuldig daher kommt, wie das Buchcover – alles was in diesem Absatz steht, ist für mich persönlich das WICHTIGSTE, was ich hier je mit euch geteilt habe.

Alles Liebe und einen wundervollen Tag

Eure Svenja