Vorgestern schrieb mir meine Leserin Ulli.

„Hallo Svenja, kannst du mir sagen wieviel ein halber Hefewürfel ist? Ich lebe in Sydney und kann lose Hefe kaufen, aber nicht in Wuerfeln. Mag Deinen Blog. Habe seit 2 Monaten einen Thermomix und kenne seitdem auch Dich ;) Der Farmersalat war lecker. Ulli“

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich mich über diese Mail gefreut habe wie Bolle. Und eigentlich hatte ich geplant, am Ende des Jahres eine Top 10 meiner Bloggerlebnisse und -begegnungen zu schreiben. Aber dann haben wir hin- und hergemailt und Ulli schrieb mir:

„Werde morgen mit meinen Klienten in der Arbeit Deine Weihnachtssterne basteln (arbeite in einer Drogen Reha).“

Da habe ich geschluckt. Meist schreibe ich meine Blogposts in der wenigen Freizeit, die ich habe. Mein ganzes Leben scheint fremdbestimmt und manchmal denke ich: Wofür mache ich das eigentlich? (Und ihr wisst, ich liebe es hier zu schreiben, ich freue mich über jeden einzelnen Leser, aber manchmal ist das Leben eben ereignisreich und ein Blog einfach der Tucken zu viel.)

Heute hat mir Ulli dann zurückgeschrieben:

„Übrigens, heute habe ich die Sterne mit meinen Mädels in der Reha gemacht. Die waren total begeistert. Selbst die Kinder haben mitgeholfen. Das ganze Haus ist geschmückt und ich glaube viele von ihnen haben noch nie im Leben so etwas gemacht. Im Moment habe ich viele Aborigines dort und nannte die 3-dimensionalen Sterne „Schneeflocken“, weil ich Deutschland an Weihnachten vermisse. Die hatten total Verständnis dafür ;)“

Meine Lieben, ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper, als ich das gelesen habe. Weil ich abends in meinem blauen Ikea-Sessel Anleitungen für Weihnachtssterne rausgesucht habe, haben Aboriginesfrauen in Australien in einer Drogenreha unter Ullis Anleitung miteinander gebastelt – wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben. Da war klar, ich kann nicht bis ans Jahresende warten, um euch das zu erzählen. Es gibt auch keine Blog Top Ten. Es gibt einfach nur diese eine Erkenntnis:

Egal, wie klein unser Beitrag manchmal scheinen mag, egal wie flüchtig eine Begegnung ist, egal wie wir einen Tipp oder Ratschlag so dahinsagen, als hätte er keine Bedeutung. ALLES hat eine Bedeutung. Jeder kleine Akt der Menschenliebe, jede Berührung, jeder Blick. Jede Zeile, die ihr schreibt. Jedes liebe Wort, das ihr sagt. Es landet in den Seelen eurer Kinder, Partner, Freunde, Mentoren, Leser und Zufallsbekanntschaften.

Auch wenn wir uns manchmal überfordert fühlen und unbedeutend. Zu wenig anerkannt, zu dick, zu unattraktiv, nicht erfolgreich, zu wenig gelobt. Die Währung, die zählt, ist Liebe. Und irgendjemand da oben hat einen Masterplan für uns.

Deshalb möchte ich euch aus tiefstem Herzen bitten: Kocht diese Weihnachten ein leckeres Essen für eure Liebsten. Umsorgt die ältere Generation und hört ihnen zu. Singt zusammen und sagt Gedichte auf. Macht euch Freude. Lasst den Neid beiseite. Seht euch an und erkennt euch als Menschen mit Eigenarten, Talenten und Charme. Gebt von Herzen. Und liebt.

Nur wenn wir geben, was wir können, können wir die Welt verändern. Und ich weiß wovon ich spreche, denn mein kleiner Blog wird in 82 Ländern gelesen. An 15. Stelle steht Australien. Und genau deshalb basteln Aborigines in einer Drogenreha in Sydney Weihnachtssterne. Das erste Mal in ihrem Leben.

Eure Svenja, die heulen könnte vor Freude. Und das jetzt auch tut.