Ihr Lieben,

ich bin eine echte Leseratte und brauche viel Inspiration. Deshalb lese ich eigentlich alles, was mich interessiert und was ich zwischen die Finger kriege. Dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, euch am Anfang des Monats immer die Highlights meines vorangegangenen Lesemonats mit kurzen Kritiken zusammenzufassen. Wir haben ja schon so oft festgestellt, dass wir ähnlicher sind, als wir denken – vielleicht ist ja auch was Spannendes für euch dabei. Los geht’s mit gleich zwei Büchern von Ferdinand von Schirach, die wochenlang auf der Spiegelbestsellerliste standen.

Der Autor ist ein deutscher Strafverteidiger und Schriftsteller (wer eines der Bücher liest, sollte unbedingt seine Historie dazu im Kopf haben – das ist psychologisch ganz interessant). Mein Freund Tobias hat mir sein Buch Verbrechen empfohlen. Gleich mal vorab: Das Buch ist nichts für zarte Gemüter. Herr von Schirach schreibt über die härtesten Fälle aus seiner Praxis als Strafverteidiger – und er macht das in einer Sprache, die so schlicht ist, dass die Grausamkeit und die Intensität der Verbrechen extrem präsent in den Vordergrund und in die Nervenbahnen des Lesers rutscht. Das war manchmal so heftig, dass ich erstmal vom Blatt wegschauen musste, um Mut für den nächsten Satz zu finden. Völlig überwältigt von den Geschichten (kurze Stories, also gut für alle, die nicht so viel Zeit am Stück haben), habe ich den Nachfolger Schuld runtergeladen. Aber: Der konnte nicht wirklich mithalten. Ein bisschen kam es mir so vor, als hätte Herr von Schirach sein bestes Pulver im ersten Buch schon verschossen.

Fazit: Verbrechen ist eine Empfehlung für alle, die Krimis lieben, von echten Kriminalfällen fasziniert sind und sich für die menschliche Psyche im Allgemeinen interessieren. Auch die, die das Thema „Schuld“ fesselt, werden das Buch verschlingen. Nicht umsonst heißt es im Vorwort: „Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache.“

Meine zweite Buchempfehlung aus dem Januar ist Writing better Lyrics von Pat Pattinson. Pat ist ein Songwriting- und Writingteacher am Berklee College of Music. Selbst Größen und Grammywinner wie John Mayer geben gerne zu, was sie durch ihn alles gelernt haben.

Das Buch hat mir der deutsche Sänger und Liedermacher Samuel Harfst empfohlen – ein außergewöhnlicher Künstler und Mensch. Und Samuel, Du hattest völlig recht. Das erste Kapitel ist MINDBLOWING.

Fazit: „Writing better lyrics“ ist wirklich was für jeden, der lernen möchte, sich besser auszudrücken und emotionaler zu schreiben. Oder der einfach nur verstehen möchte, warum ihn Sprache manchmal berührt und meistens kalt lässt. In den folgenden Kapiteln geht es dann schon eher um die Kunst des Songschreibens (Metaphern, Struktur, Rhythmus) – aber wenn ich ein Buch aufgrund nur eines Kapitels empfehle, dann schwöre ich euch, lohnt sich dieses Kapitel extrem.

Das dritte Buch hat mir einen Aha-Moment nach dem nächsten beschert. Es ist von dem Dirigenten und Inspirational Speaker Benjamin Zander, der einigen von euch sicher noch aus dem fantastischen Ted Talk Video über klassische Musik bekannt ist (für mich immer noch der beste TED Talk aller Zeiten).

Nachdem ich das Video angesehen hatte, habe ich das Buch bestellt. Ich muss ehrlich sagen, dass es mich zu einem fröhlicheren und positiveren Menschen gemacht hat. Benjamin hat meinen Blick komplett auf die Chance gelenkt, auf das, was ich beitragen kann. Auf das, was Mensch-sein im Kern ausmacht. Oft musste ich das Buch abetzen und das gerade Geschriebene nochmal Revue passieren lassen und nach-denken. Sofort fielen mir zu allen Erkenntnissen, die Zander teilt, Beispiele aus meinem eigenen Leben ein. Doch am größten war die Erleichterung, als ich feststellen durfte, dass nicht so bleiben muss, wie es ist. Alles darf und kann nach diesem Buch nur noch viel besser werden.

Fazit: Definitiv das Buch, das ich im Februar in Ruhe noch einmal lesen werde, um mir die wichtigsten Anregungen rauszuschreiben, auszudrucken und an die Wand zu hängen. So will ich leben, so will ich sein. Was für eine Freiheit.

Alles Liebe

Eure Svenja