Bikini kaufen ist für Frauen gleichzeitig wichtig und eine Herausforderung. Deshalb gibt es dazu heute eine Anleitung von mir, die euch garantiert in eine andere Bademodenumlaufbahn schießen wird.

Als mein zweites Kind gerade 7 Monate war, haben wir uns mit Freunden an der Isar verabredet. Wir waren frisch in München und mir war nicht klar: Isar, das bedeutet nicht nur Grillen, das bedeutet auch Bikini tragen. Gott sei Dank hatte ich keinen dabei.

Meine 2-jährige Tochter hat das wenig interessiert. Die stürzte sich in die Fluten.

Bikini kaufen

Meine Freundin hatte noch einen Ersatzbikini mit, den ich hektisch angezogen habe. Und dann stand ich im Wasser. Halbnackt und wehrlos, Blick frei auf meinen untrainierten Schwangerschaftsrestbauch. Mann, habe ich mich unwohl gefühlt.

Heute, mit etwas Abstand, kann ich drüber lachen. Aber das Gefühl, habe ich nie vergessen. Wir Frauen sind nach den Schwangerschaften einfach eine zeitlang recht verletzlich, was unseren Körper angeht.

Seit damals ist mir jedenfalls klar: Wenn man in München wohnt, macht es Sinn, immer einen gutsitzenden Bikini dabei zu haben. Trotzdem schiebe ich das Bikini kaufen möglichst lange vor mir her. Das hat nichts mit meiner Figur zu tun (1,71 m, 63 Kilo). Das hat nichts mit meinem Selbstbewusstsein zu tun (an guten Tag gut, an anderen mäßig bis OK, kurz vor meiner Regel: katastrophal). Und auch nichts mit meinem Alter (ich bin nicht mehr 28, also muss ich auch nicht mehr wie 28 aussehen). Aber was ist es dann?

Bikini kaufen – Akt 1: Das Geschäft

Mit 42 kann man weiter bei Aldi einkaufen, auf dem Flohmarkt, bei Tchibo Schnäppchen schlagen – alles erlaubt. Aber Bikinis bei H&M finden? Ein Ding der Unmöglichkeit. Die sind für 18-jährige gemacht, die weder Halt, noch Passform noch Stoff über dem Po brauchen. Liebe Mädchen – solange es geht: Ran an diese kleinen Stofftriangel mit Neckholder.

Ich gehe derweil ins Fachgeschäft und kaufe Bikinis, die nicht auf der Stange, sondern an mir gut aussehen. Mein Lieblingsgeschäft? Ludwig Beck am Rathauseck.

Bikini kaufen – Akt 2: Die Umkleidekabine

Meine Schweizer facebook Freundin und fellow Bloggerin Nicole postete gerade auf facebook:

„Neue Nr. 1 im Umkleidekabinen-Lichtgraus-Ranking: Zara Glattzentrum. Ein Vermögen in den neuen Shop investiert und dann grelle Downlights über den Kabinen für den ultimativ aufgeschwemmten Wasserleichenlook. Hm.“

Gerade wenn man denkt, man ist für den Sommer gut in Form, kann es einen kalt erwischen. In der falschen Umkleidekabine, mit Cellulite, die an den Beinen einer 80-jährigen OK wäre, die man bei sich aber so noch nie gesehen hat. Wer um Gottes Willen hat Kabinen mit zwei Spiegeln erfunden? Wer denkt, dass Frauen sich gleichzeitig von hinten UND von vorne sehen möchten?

Noch schlimmer: Wenn Ganzkörperspiegel nur AUSSERHALB der Umkleidekabine zur Verfügung stehen. Jetzt soll ICH mit meiner winterblassen Haut aus der Kabine vor die auf ihre Frauen wartenden Männer treten und schauen, ob mein Po nicht rausfällt und mein Busen nicht plattgedrückt wird? Ich glaube: NEIN.

Ähnlich überflüssig: Vorhänge, die nicht schließen. Wenn man dann auf einem Sockenbein wackelnd in die Bikinihose steigt und nur leicht den Vorhang touchiert, kann man sich eigentlich auch gleich vor der Kabine umziehen.

Bikini kaufen – Akt 3: Die Verkäuferin

Ganz wichtig: Die Verkäuferin ist das A und O. Erwischt ihr die Richtige, geht ihr mit drei Bikinis nach Hause, die sitzen. Erwischt ihr die Falsche, habt ihr nicht nur keinen Bikini, sondern auch den ganzen Tag das Gefühl ein fettes Monster zu sein. Aber: Was macht die richtige Verkäuferin aus?

a) Sie hat eine Fachausbildung.

b) Sie reißt nie einfach so die Kabinentür auf.

c) Sie reicht euch Kleidung in die Kabine, ohne jedesmal einen Blick auf euch zu werfen.

d) Sie fragt nie: „Sind Sie schon soweit?“ sondern ist immer in Rufnähe und kommt herbeigeeilt, sobald ihr den Kopf aus der Kabine steckt.

e) Sie sieht, was passt und trägt zahllose Bikinis herbei, die ihr noch für euch einfallen.

Wenn eure Verkäuferin nicht so tickt, sagt ihr, dass ihr von ihr nicht beraten werden möchtet. Oder geht einfach. Spart euch den Frust. Es gibt jede Menge Verkäuferinnen, die ihren Beruf lieben und euch ein gutes Gefühl geben. Da wird Bikini kaufen zum Wellness-Ereignis. Und das sage ICH, die immer fand, dass es eher einem Zahnarztbesuch gleicht.

Bikini kaufen – Akt 4: Die Marke

Wenn ihr nicht mehr blutjung seid, sind Bikinis plötzlich viel teurer. Es hilft nichts. Stellt euch den richtigen Bikini einfach vor wie eine Schönheits-OP ohne Schmerzen. Ein Kompliment, das ihr euch selbst macht. Eine gute Freundin, die euch im besten Licht darstehen lässt.

Meine Favoriten? Seafolly, Livia und Thommy Hilfiger.

Bikini kaufen – Akt 5: Die Passform

Es gibt für jeden halbwegs normalen Körper einen passenden Bikini. OK, bei starkem Übergewicht fühlt man sich sicher besser im Badeanzug. Aber alles andere – dicker Popo, wenig Busen – kann man mit der richtigen Passform schon ein wenig „optimieren“. Was ist aber mit Bauchspeck oder Reiterschenkeln? Da kann man sich schließlich nichts drüber hängen?

Also, bei Bauchspeck hilft die richtige Größe. Ist die Bikinihose zu eng, quetscht es sofort. Im Sitzen, Ok, da darf ein Bäuchlein zu sehen sein. Aber im Stehen müssen wir nicht zusätzlich abquetschen, was wir eh schon als Problemzone empfinden. Wenn gar nichts geht: her mit dem Tankini – wozu werden solche Sachen denn sonst erfunden?

Und bei Reiterhosen: Auch da hilft die Passform. Wer sich in kleine Bikinihöschen mit Bändchen schmeißt, an denen neckische Perlchen baumeln, muss sich nicht wundern, wenn die Proportion zum kräftigeren Schenkel zu wünschen übrig lässt. Solche Teile sehen wunderbar aus: an brasilianischen Supermodels. Und Hey, es ist nicht schlimm, dass Du keins bist. Ich bin davon auch weit entfernt. So wie jede andere Frau die ich in meinem Leben jemals getroffen habe. Offensichtlich sind wir in der Mehrheit :-)

Bikini kaufen – Akt 6: Die innere Einstellung

Bikini kaufen kann Spaß machen – wenn wir nicht nur auf unsere Makel schauen. Meine wunderbare 25-jährige Verkäuferin hat bei meinem letzten Bikinikauf gleich ganz pragmatisch gemeint: „Wir haben hier noch für jeden einen Bikini gefunden.“ Und als ich ihr gestand, dass ich mich beim Bikini kaufen jahrelang grauenhaft gefühlt habe (Kinder gekriegt, Gewicht rauf, Gewicht runter, wenig Zeit für Sport), sagte sie: „Das Problem haben wir doch alle. Da brauchen wir im frühen Sommer neue Badesachen und sollen uns plötzlich nach einem langen Winter der (gefühlten) ganzen Welt halb nackt präsentieren.“

Genau, dachte ich.

Der Grund warum ich das Bikini kaufen immer möglichst lange vor mir herschiebe, ist genau der. Ich sehe im Spiegel nicht mich, sondern das, was der Mikrokosmos Badesee respektive Freibad diesen Sommer von mir zu sehen kriegt. Und Dank meiner wundervollen, ausgebildeten Beraterin ist das mein Busen in verpackter Bestform und mein Popo in einer Hose, in der er auch dann bleibt, wenn ich mich nach etwas bücke oder Sandburgen baue. Außerdem im Angebot: Farben, die mir stehen und eine Riesenlust, mit meinen Kids schwimmen zu gehen.

Sommer, jetzt kannst Du kommen.

In diesem Sinne,

Eure Svenja