seltenes Exemplar-3

Gestern in München: eine Prinzessin die im Elfenbeinturm aufgewachsen ist, kärchert ausnahmsweise mal 4 Stunden ihre Veranda, anstatt sich wie sonst auf dem Rücken von armen Kindern zu profilieren.

Kennt ihr dieses Gefühl? Ihr kriegt eine vorwurfsvolle Mail, jemand drückt euch im Vorbeigehen einen bescheuerten Spruch, jemand meldet sich mit etwas zu Wort, was euren Standpunkt indirekt untergräbt? Jemand greift euch direkt an und ihr seid völlig baff angesichts so viel Respektlosigkeit? Oder jemand ist offen unverschämt und ihr seid so sprachlos, dass ihr alles seid – aber bestimmt nicht schlagfertig oder direkt?

Solche Situationen gibt es ja immer wieder. Und im Nachhinein fallen einem tausend Sachen ein, die man hätte sagen können. Aber in dem Moment selbst steht man irgendwie auf dem Schlauch. Oder genau andersherum: man reagiert zu schnell – aber nur, weil die Emotionen hochkochen. Und dann hat man die Bescherung, denn meist zeigt das nur, dass man getroffen ist und ändert gar nichts.

Wenn man ein Blog hat, melden sich immer wieder Menschen zu Wort, die energetisch Null zu einem passen. Sie kommen aus einer anderen Stimmung und haben andere Werte. Sie umgeben sich mit anderen Menschen und Situationen, sind anders sozialisiert und aufgewachsen. Das ist ja das Schöne am Bloggen: man lernt Menschen unterschiedlichster Fasson kennen und kann ganz ohne Berührungsängste aufeinander zugehen.

Aber manchmal, da bekommt man von genau diesen Menschen eine Mail, von der man denkt: „HÄ?“ Oder liest auf einem facebook-Profil Sätze über sich, bei denen man sich wirklich fragt: „Meinen die mich?“

Am Anfang meiner Bloggerzeit hat mich sowas jedes Mal aufgeschreckt und manchmal auch erschüttert. Heute weiß ich, dass ich oft nur Projektionsfläche bin. Wer sich so hinstellt, wie ich, und ungeschönt über sein Leben schreibt, der „muss ja damit rechnen“. Das höre ich übrigens immer wieder.

Aber: da sage ich mal ganz locker: NEIN. Ich erwarte von meinem persönlichen Umfeld genauso wie von meinem Internetumfeld ein gewisses höfliches Benehmen. Man sagt ja immer so schön: das Internet ist ein Abbild des wirklichen Lebens. Also muss es auch mal erlaubt sein, dass jemand hinter dem Rücken böse über einen lästert (gar kein Thema, feel free ;-)

Aber was nicht geht, ist im Internet im direkten Gespräch unhöflich und respektlos zu sein, so wie in den oben beschriebenen Situationen. Ich möchte keinen „Spruch gedrückt kriegen“ und dann taucht derjenige wieder in der Anonymität des Internets ab. Das ist schlechtes Benehmen. Das macht man nicht.

Nach 6 Jahren bloggen habe ich allerdings gelernt, auch das nicht persönlich zu nehmen.

Ich bin hier angetreten, um was zu bewegen und Frauen (und ganz wenige, aber durchaus auch tolle) Männer um mich zusammeln, die Lust haben, positiv nach vorne zu gehen. Kein blöder Spruch, keine schlecht gelaunte Mail und kein negativer Kommentar kann das ändern.

Und damit ich mich immer daran erinnere, hängt bei mir im Büro folgender facebook-Kommentar, den ich mal zufällig entdeckt habe. Jemand, mit dem ich persönlich befreundet bin, hatte auf facebook auf einen meiner Blogposts verlinkt. Eine Dame, von der ich noch nie gehört hatte und die mich nicht persönlich kennt, gab daraufhin folgendes Urteil über mich ab:

„Mir sind solche selbstgefälligen und selbsternannten Über-Muttis ein Graus, die sich künstlich darüber aufregen, dass zu dicke Muttis zu dick geschminkt sind und ihr Mutterkreuz nicht für jedermann sichtbar und ungefragt zur Schau stellen, wie die feine Dame es hier auf ihrem Blog macht. Eltern, die schlecht mit ihren Kindern umgehen, sind Scheiße, dass man sich als Mutti aber auf dem Rücken dieser armen Kinder so profilieren muss, ist absolut armselig. Psychologische Ferndiagnostik von Prinzessinnen, die wahrscheinlich im Elfenbeintürmchen aufgewachsen sind, kann ich einfach nicht ernst nehmen. Finde ich richtig, richtig schlimm. So, das musste mal raus :-)))“

Darüber muss ich immer wieder laut lachen – denn das, was die Dame schreibt, hat so wenig damit zu tun, wer ich bin, dass es mir immer wieder eine wunderbare Erinnerung daran ist, so etwas BLOSS NICHT PERSÖNLICH ZU NEHMEN. Denn: Keiner kennt mich so gut, wie ich mich selbst kenne. Da bin ICH der Experte.

In diesem Sinne: gut gelaunte Grüße – und lasst euch von anderen Meinungen bitte NIEMALS den Tag verderben.

Svenja

P.S.: Ihr wisst ja: die Meinungen der anderen sind die Meinungen der anderen. Und das dürfen sie manchmal auch gerne bleiben ;-)