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Ich könnte euch jetzt so viel schreiben. Über die vier Tage (die eigentlich 1 1/2 Wochen sein sollten, fragt nicht), die ich mit meiner Familie in der Schweiz und in Italien verbracht habe.

Über eine Schatzsuche im Parco San Marco (Danke Marianne!) und lange Sommertage mit Blick auf den Luganer See.Sommerpause_Woche_1_4-13

Über das Filmfest in Locarno, wo man sich einfach auf die Piazza Grande setzt und mit tausend Menschen aus aller Welt zusammen Filme schaut (und ja: der riesige schwarze Kasten ist der Beamer!)

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Oder ich könnte euch erzählen von unserem Ausflug in die Schweizer Karibik, dem Albergo Losone.

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Da wohnten wir in Zimmer Nummer 81, wo auch Sting schon abgestiegen ist. Nur dass er sich dort wahrscheinlich nicht 7 mal in einer Nacht übergeben hat – meine Kinder aber schon.

Aber manchmal braucht es ja genauso etwas, mitten im Paradies. Genau so eine Nacht, in der man kaum schläft und auf seine Mutterpflichten und das Existenzielle zurückgeworfen wird, um festzustellen, dass diese Sommerpausenauszeit wirklich die beste Idee war, die man seit langem hatte.

Meine Lieben, ich vermisse euch wie wild, aber weit weg seit ihr nie. Keine zwei Minuten vergehen, in denen ich nicht etwas sehe, wovon ich euch erzählen möchte. Alleine schon um zu wissen, ob ihr das alles ähnlich sehen würdet. Also stelle ich mir manchmal vor, ihr würdet neben mir auf der Liege liegen und mit mir die Leute anschauen.

Das junge philippinische Aupairmädchen rechts von uns ist zwar bemüht, aber mit 3 Kindern unter 4 Jahren leicht überfordert. Das wird spätestens klar, wenn es das Baby auf dem Arm herumträgt und zu dem weinenden, etwas älteren Geschwisterchen sagt: „Ich kann nicht zwei Kinder auf den Arm nehmen.“ Was ich mir gut vorstellen kann, denn sie wiegt selbst nur geschätzte 38 Kilo. Die Eltern kriegen das nicht mit, die sind ja bei der Massage. Dann muss eben ein Kind alleine die Steintreppe runter, auch wenn es weint und sich fürchtet.

Die 40 jährige Blondine drübern auf der Wiese muss eines dieser Starlets vom Filmfestival sein. Sie ist von oben bis unten operiert und trotzdem sieht man: die 40 hat sie hinter sich. Selbst das antrainierte Wiegen ihrer Hüften bringt ihre wie festgetackerten Silikonbrüste nicht zum schwingen. Nichts wirkt echt, alles ist Fassade. Ihr leichtfüßiges Hüpfen (normal gehen kann sie wohl gar nicht) soll sexy sein, ist aber einfach nur peinlich. Ich bin mir sicher, ihr würdet ihn auch sehen: ihren wehmütigen Blick, den sie den spielenden Kindern im Pool zuwirft. Aber direkt danach hat sie sich wieder im Griff, bindet ihr Bikinihöschen neu (durchgedrückte Beine, Oberkörper leicht vorgebeugt, Hintern raus) und schaut danach unschuldig hoch. Immer checkend, ob sie nicht doch jemand beobachtet und begehrt. Wie wird man so? Was hat diese Frau erlebt, dass sie so abhängig davon ist, was andere von ihr halten?

Der holländische Vater am Nebentisch reist alleine mit seinen zwei Teenietöchtern. Er raucht ununterbrochen Malboro. Die Mädchen gehen einmal am Tag in den Pool und spielen ansonsten iPad. Jede für sich. Wo wohl die Frau vom Raucher gerade ist? Ob die beiden sich getrennt haben? Oder abwechselnd Urlaub nehmen müssen, um die Ferienzeit der Kinder zu überbrücken, wie so viele Paare?

Die schwangere Französin geradeaus ist Mitte 40, sieht toll aus und strahlt von innen. Und ihr Mann ist offensichtlich sehr verliebt in sie. Eine Tochter haben sie dabei, die ist sicher schon 8. Ob sie wohl so lange gebraucht haben, bis es mit dem zweiten Kind geklappt hat? Gott ist das eine hübsche Schwangere – sogar im Bikini fantastisch anzusehen. Ich kann gar nicht genug kriegen von so viel positiver Hormonpower.

Stellt euch vor, egal was ich sehe, egal wen ich treffe – immer denke ich auch an euch. Soll heißen: ich schreibe mit. Im Kopf. Überlege: was wüdet ihr davon halten? Was könnte euch daran interessieren? Aber auch: was machen all diese Personen um mich herum wohl, wenn sie nach Hause fahren. Wenn treffen sie da? Wie geht ihr Leben weiter? Statistisch gesehen werden sich noch einige von ihnen scheiden lassen, zu einem wichtigen Termin zu spät kommen und deshalb die Chance ihres Lebens verpassen, ihren Ehepartner kennenlernen, eine Rockband gründen, ein Kind bekommen, Alkoholiker werden oder jemanden umbringen.

Kaum zu glauben, das sind doch alles ganz normale Menschen hier.

Meine Lieben, ihr sehr schon, in mir rattert es. Ich bin auf dem besten Wege, zu verstehen, warum mir der liebe Gott die Fähigkeit geschenkt hat, zu schreiben. Warum ich einen Blog habe und euch kennenlernen darf. Warum ich manchmal so wahnsinnig glücklich bin mit meinem Leben und dann wieder völlig desorientiert.

Ja ich weiß, das sieht von außen nicht so aus. Aber warum soll es mir anders gehen als euch?

Mittlerweile weiß ich, dass man am besten sieht, wenn man mal einen Schritt zurücktritt. Also mache ich weiter Sommerpause. Aber – aufgepasst, jetzt wird es richtig gut – ab heute beginnt die „Fuck it-Zeit“. Was das ist, habe ich von meiner reizenden Leserin Monique gelernt. Es ist die Fähigkeit „Nein“ zu  sagen – zu dem was eigentlich wichtig für einen ist. Und zu dem was einen genau aus diesem Grund ganz schön im Griff hat.

Monique hat das mit der „Fuck it-Zeit“ nicht erfunden, sondern aus einem Buch mit dem schönen Titel FUCK IT!: Loslassen – Entspannen – Glücklich sein:

„Zum Thema ALLEIN ALLEIN habe ich im vergangenen Jahr eine tolle Sache ausprobiert. Ich habe an einem Wochenende im August eine Matratze in den Sieben-Sitzer gelegt und bin nach St. Peter Ording gefahren. ALLEIN und ohne Plan. Auf dem Weg zur Autobahn habe ich an der Buchhandlung gestoppt und mir Parkin’s FUCK IT Buch gekauft.

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So begann mein ganz persönliches DIY FUCK IT Wochenende (leider fehlte mir das Geld um zu ihm nach Italien in sein Fuck it Camp zu reisen).

Ich habe Bibi Blocksberg aus dem Cd Player verbannt und mir meine alten Scheiben aufgelegt. Ich habe an dem Campingplatz angehalten zu dem mein Bauchgefühl mich geführt hat und bin an den Strand gegangen. Geschlafen habe ich in unserem Familienenauto, umgeben von glücklichen Camperfamilien. Aufgestanden bin ich als die Sonne mich weckte (Oropax haben Aufwecken durch Kindergeschrei verhindert) und dann bin ich einfach losgelaufen.

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Der Strand in St. Peter ist so breit, dass man echt weit laufen muss, um das Wasser zu sehen. Breit genug, dass man über Stunden ganz allein ist..ohne Mitwanderer. Nur die Möwen und ich. So lief ich und lief und lief. Dazwischen habe ich gelesen oder ließ mich einfach nieder um zu sitzen..zu sein. Die Bilder sprechen für sich.

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Am Abend bin ich einfach weiter gefahren…zu einem anderen Zeltplatz. Dort habe ich noch einen Mitcamper getroffen mit dem ich die halbe Nacht über Gott und die Welt geplaudert habe. Am letzten Tag dann Brunch…mit Zeitunglesen und ohne Streitschlichtung ob der eine oben und der andere unten vom Brötchen haben darf oder umgekehrt. Ich kam zurück und stand vor dem ganz normalen Alltag. ABER ich weiß ich kann jederzeit zurück…und das mache ich im September auch wieder. Ich finde jede Mami verdient mindestens ein FUCK IT Wochenende im Jahr.“

OK, so gut kennt ihr mich ja mittlerweile. Wenn ihr mir sowas schreibt denke ich als erstes: was für eine gute Idee. Und als zweites : das muss ich auch machen.

Und irgendwie ist das ja auch nur logisch: Eine Sommerpause wäre keine Sommerpause, wenn ich keine Pause von allem mache, was mir am Herzen liegt. Auch von meiner Familie. Deshalb ziehe ich jetzt für ein paar Tage in ein Hotel in meiner eigenen Stadt. Keine Ahnung, was ich da machen werde. Wahrscheinlich viel mit mir allein sein. Aber vielleicht fällt mir auch die Decke auf den Kopf und ich mache irgendwas in meiner Stadt was ich noch nie getan habe weil noch nie Zeit dafür war. Egal was passieren wird, ich werde euch auf jeden Fall davon berichten.

Eure Svenja, die langsam aber sicher das Gefühl hat, dass dieser Sommer der beste ihres Lebens wird.

P.S.: Es ist so schön, kein Buch zu schreiben (nur noch dessen Umbrüche, so heißen die Korrekturabzüge, lesen zu müssen), keinen Umzug zu machen und keinen Blog zu schreiben. Wie einfach das Leben sein kann, wenn man die selbstbeauftragten Extras mal weg lässt! Nicht, dass das alles keinen Spaß macht, aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Und davon wünsche ich euch jetzt viel: vom Schnaps.