Freiheit 1

Kennt ihr das, wenn euer Leben einer Achterbahnfahrt gleicht und ihr permanent auf einem ganz hohen Energielevel arbeiten müsst, um das Tempo halten zu können? Das geht immer eine zeitlang gut – vor allem, wenn man ein klares Ziel hat, auf einen bestimmten Tag hinarbeitet. Und während man es auf dem Weg dahin immer noch schafft, sich selbst hochzuziehen, mit der morgendlichen Dusche in einen neuen Tageskampf zu starten und nachdem die Wimperntusche aufgetragen ist und die Kinder in die Schule gebracht sind denkt: „What’s next?“ sieht nach dem Erreichen des Ziels die Welt meist ganz anders aus.

So schreibe ich euch heute zur Abwechslung mal aus dem Bett, am Samstagmorgen. Mein Mann ist nicht da, meine Kinder schlafen noch und ich stelle einmal mehr fest, dass die Ruhe nach einem zackigen Finish das beste Gefühl der Welt ist. Dieser Frieden. Diese Freiheit.

Interessanterweise haben mich in den letzten Wochen ein paar Leserinnen beschäftigt, die genau diesen Zustand noch nicht erreicht haben, aber auf dem Weg dahin sind.

Zum Beispiel eine junge Leserin, die mir schrieb, dass sie ohne Möbel in ihrer ersten eigenen Wohnung sitzt und einfach nur glücklich ist. Sie hat gerade einen großen Kredit aufgenommen, sich selbständig gemacht, brennt für ihren Beruf und feiert genau diesen Aufbruch – mit einem kleinen „Festmahl“ aus Süßigkeiten, die sie sich mit dem Geld finanziert hat, dass sie für die eben retournierten Pfandflaschen bekommen hat. Ja, das ist Freiheit: seine Heldenreise zu beginnen und das zu tun, woran man glaubt.

Oder eine andere Leserin, die mir schreibt: „Ich habe gemerkt, dass ich in meiner Ehe nicht mehr sein kann, weil man Mann mich nicht fördert und stützt, sondern mich permanent manipuliert.“ Nun hat sie Angst, sich mit ihm zu treffen – weil sie ihm sagen muss, dass sie raus will aus der Beziehung und Panik hat, dass ihr Mann ausrastet. Trotzdem geht es nicht anders: sie muss ihre Wahrheit aussprechen und den schwierigen Weg gehen.

Dann telefonierte ich in den letzten Wochen mit drei Leserinnen über Zukunftsfragen – wo der berufliche Weg hinführen wird und was man gerne machen würde – und was man besser sein lässt. Alle Drei kamen zu einem Ergebnis: Das, was sie machen wollen, muss ganz viel mit ihnen zu tun haben – und ganz wenig mit dem, was andere von ihnen erwarten. Egal ob man an einen großen Konzern gebunden ist oder an einen großen Verlag, egal wie verlockend das Angebot solcher „Riesen“ erstmal scheint: wir haben immer auch die Chance, eigene Wege zu gehen und die Dinge für uns neu zu erfinden.

So sitze ich hier also in meinem Bett, Notebook auf dem Schoß, und denke an euch. Was werdet ihr wohl aus eurem Leben machen? Wie werdet ihr eure Persönlichkeit, eure Wünsche und Träume und eure Talente umsetzen und zu etwas machen, was Menschen begeistert? Ich bin mehr als gespannt auf alles, was da noch kommt und glücklich, dass ihr mich manchmal daran teilhaben lasst, so wie ich euch an meinem Leben teilhaben lasse.

Was mich zurückbringt zu meiner Woche. Nachdem ich euch geschrieben habe, dass ich bald eine Kolumne habe, haben ganz viele gemutmaßt, was das wohl sein wird. Nein, ich bin nicht die zweite Carrie Bradshaw und Nein, es ist keine Kolumne in der Brigitte „nur“ weil IHR mich bei den Mom Blogs auf Platz 1 gevotet habt. Ja, Platz 1. Mehr als 10.000 Likes. Dafür möchte ich euch heute einmal von ganzem Herzen danken.

Aber noch viel mehr möchte ich mich für etwas ganz anderes bedanken: dafür dass ihr da seit – egal ob ich vor dem nächsten Abgrund schreie oder ob ich gerade den Fahrtwind genieße. Dass ihr mir jeden Tag die Freiheit lasst, zu sein, wer ich bin. Zu tun, was ich liebe. Und mir dafür auch noch Anerkennung gebt. Freundliche Worte. Lob. Mails, in denen ihr mir Dinge anvertraut, die sehr persönlich sind. Ihr seid wirklich groß – und IHR ALLE steht in meiner Liste auf dem ersten Platz. Wenn Deutschland noch mehr so offene und wunderbare Menschen in petto hat, wie euch, sehe ich bunte und fantastische Zeiten auf uns zukommen.

In diesem Sinne: freedom rules.

Eure Svenja