wenn, dann

Meine Kinder, die mit „Wenn, dann“ so gar nichts am Hut haben

Neulich schrieb ein facebook Freundin, dass sie immer das Gefühl hat, bei der To-Do-Liste des Lebens hinterherzuhinken. Selbst wenn sie schnell ist, einen guten Lauf hat und viel vom Tisch schaffen kann. Es ist immer: „Wenn (ich xy hinter mir habe), dann (muss ich noch xy machen.)“ Und nie: „Wenn (ich xy hinter mir habe), dann (muss ich nichts mehr machen).“

Nun soll das kein Post werden, in dem wir gemeinsam jammern, dass wir so viel zu tun haben. Das hat jeder und das ist nix Besonderes. Das hier ist ein Post darüber, wie ihr den Vicious Circle durchbrecht und einfach mal sagt: „Nein, das mache ich jetzt nicht, OBWOHL ich es eigentlich machen würde, wollte und immer so mache. Oder es dringend ansteht, erledigt werden müsste und muss und sonst xy nicht fertig und alles ganz dramatisch ist.“

Ich zum Beispiel war seit fast 3 Monaten kaum beim Sport. Vielleicht 5 oder 6 Mal, was für mich quasi gar nichts ist. Einfach weil eben genau das nicht mehr ging. Dafür ging: Kinder überall hinchaufieren, bei den Hausaufgaben helfen, Haus in Schuss haben, Lesern antworten, Kolumne shooten, Buch beenden (3. Umbruch ist gerade in Mache und auch das Cover steht endlich mit Umschlagtext). Was auch ging war: Rotwein trinken. Vegan essen. Abendessen für Freunde geben. Und: The Newsroom, Staffel 1 schauen.

Wäre ich regelmäßig zum Sport gegangen, wären davon einige Dinge flach gefallen oder zu kurz gekommen. Dafür gab es ein anderes Wenn, dann.  „Wenn ich nicht zum Sport gehe, kriege ich Cellulite.“ So what. Mache ich halt bald wieder: „Wenn ich zum Sport gehe, geht die Cellulite auch wieder weg.“

Was ist das eigentlich, dass wir Frauen wirklich glauben, dass das Erledigen des Wenns UNBEDINGT ein „dann“ zur Folge haben muss – sonst stimmt irgendwas nicht mit uns. Wenn die Waschmaschine fertig ist, dann kann ich eine neue aufsetzen. Wenn die Kinder in der Schule sind, dann kann ich einkaufen. Wenn ich mir die neue Jeans kaufe, dann sehe ich dünner aus.

Mumpitz. Kein erledigtes Wenn zieht automatisch die nächste Aufgabe oder ein Ergebnis hinter sich her. Ganz im Gegenteil. Etwas hinzubekommen, etwas zu schaffen, heißt: man darf stolz auf sich sein. Das Leben ist kein Leistungsprinzip, in dem Deine Gäste Dir einen Punkt geben, wenn Du vor Deiner Party noch die Gästetoilette geputzt hast. Ganz ehrlich: Danach reicht völlig, den Unterschied merkt kein Mensch. Und wenn meine Theorie stimmt, können wir eine ganz neue Liste mit Wenn, dann Sätzen aufmachen.

Wenn ich die Gästetoilette nicht putze, dann habe ich Zeit für eine Tasse Kaffee.

Wenn ich diesen beruflichen Anruf heute nicht mache, dann kann ich anstattdessen mit einer guten Freundin telefonieren.

Wenn ich diese Jeans nicht kaufe, dann ziehe ich mein schönstes Kleid mit diesem wunderbar kaschierenden breiten Ledergürtel an.

Und wisst ihr was? Das geht auch – und sogar ganz prächtig. Oder in anderen Worten:

Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, dann kennt ihr dieses nie-fertig-werden-Gefühl ganz gut. Wenn ihr das ganz gut kennt, dann seid ihr manchmal verzweifelt. Wenn ihr manchmal verzweifelt seid, dann braucht ihr Hilfe. Und wenn ihr Hilfe braucht, dann greife ich euch gerne unter die Arme.

Und erlaube euch heute Folgendes: Ihr dürft ein Wenn erledigen – aber dann kein dann. Lasst auf das Schaffen doch einfach mal die süße Sünde RUHE folgen. Nichtstun. Nada. Nehmt ein Schaumbad. Trinkt einen Tee. Lest ein Buch in der Herbstsonne, in eine Decke gewickelt. Schaut euch einen Liebesfilm im Fernsehen an.

Und nur WENN ihr das tut, DANN seid ihr heute Abend so richtig schön entspannt.

Haben wir einen Deal?

Eure Svenja