Mein Wenn, dann-Post hat Einiges bei euch losgetreten. Und irgendwie ist es witzig – auf Posts zum Thema „Wir haben zu viel an den Hacken und müssen auch mal langsamer machen“, bekomme ich von euch meist zwei verschiedene Arten von Reaktionen. Und die möchte ich euch heute einmal zeigen. Also vorab schon einmal Danke an Nadine und Svenja (ja, auch Svenja), dass ich Auszüge eurer Mails veröffentlichen darf.

„Liebe Svenja, ich bin heute von der Arbeit gekommen und war gerade dabei, meine wenn – dann Liste im Kopf festzulegen, als ich Deinen wunderbaren Text gelesen habe. Und ja, was soll ich sagen, ich habe alle wenn und danns gelöscht und bin zum Kiga gefahren, habe die Mädels abgeholt und wir hatten einen wunderbaren Herbsttag auf dem Spielplatz, ein grandioses, schnelles Abendessen, Pommes und Bratwurst, aber was solls, alle sind glücklich und entspannt! Danke für Deinen Post, mein Tag war spitze und der Haushalt bleibt einfach mal so wie er ist!
Liebe Grüße Nadine“

Solche Mails freuen mich ungemein, denn dann weiß ich: mein Gedanke ist bei euch angekommen und ihr habt es euch einfach mal gegönnt, den Moment zu genießen, anstatt zu hetzen. Ganz großes Kino. Gerne mehr davon.

Dann gibt es da noch die zweite Art von Reaktionen. Die „Wie schaffst Du es bloß, alles immer so perfekt unter einen Hut zu bringen?“-Brigade. Das ist jetzt die Stelle an der sich meine beste Freundin Almut totlacht, weil sie weiß, dass von „alles“ und „immer“ in meinem Leben wirklich nicht die Rede sein kann. (Lach Du ruhig, dafür musst Du Dir auch immer meine Dramen anhören…) Meine Leserin Svenja hat diese zweite Reaktionsart so herrlich auf den Punkt gebracht, dass ich ihre Mail stellvertretend für viele ähnliche ausgewählt habe, die ich von euch bekomme. Sie hat übrigens auch einen absolut lesenswerten Blog und ich würde mich freuen, wenn ihr euch den mal anschaut und wenn ihr ihn mögt, euer Häkchen bei facebook für sie macht. Besonders interessant ist er für alle meine Leserinnen mit einer Histaminintoleranz – die hat Svenja nämlich auch und postet Rezepte, die trotzdem gehen und lecker schmecken.

Aber zurück zum Thema. Hier also Svenjas Mail.

„Liebe Svenja,

ich lese deinen Blog nun schon eine ganze Weile und habe das Gefühl, dich schon wirklich gut zu kennen – auch wenn ich für dich noch eine völlig Fremde bin. Dein heutiger Post zum „Wenn, dann…“ hat mich ziemlich ins Grübeln gebracht. Denn du hast recht, genau so ist mein Leben – von oben bis unten und vorne bis hinten. Ich renne mir eigentlich selbst hinterher. Das fängt im Büro an (Probezeit, da folgt zwangsweise immer ein „Dann“, damit man die 6 Monate überlebt – inkl. Überstunden und Mittagspausenverzicht) und geht im Privatleben weiter, nur dass ich trotzdem nicht hinterher komme. Stattdessen habe ich das Gefühl, ich renne nur noch hinter meinen Aufgaben her und verliere die schönen Dinge völlig aus den Augen. Das, was mir immer geholfen und mich glücklich gemacht hat (kochen, backen und nähen), ist mittlerweile völlig in den Hintergrund gerückt, und wenn ich dann mal Zeit finde, habe ich auch dort das Gefühl, ich müsste eigentlich stattdessen etwas anderes erledigen.

Das ist sehr schade, und ich finde keinen Weg aus der Problematik. Ich bewundere dich! Dein Satz „Wenn ich das kann, kannst du das auch.“ habe ich mir immer sehr zu Herzen genommen – aber leider habe ich das Gefühl, dass ich es eben NICHT kann. Denn auch wenn ich keine 2 Kinder habe, die ich erziehen darf (daran ist beim neuen Job wohl erst mal nicht zu denken – leider), fehlt mir die Zeit, um mich um meine Frau und meine Freunde zu kümmern. Dabei benötigen die mich und meine Hilfe auch ganz besonders. Mal ganz abgesehen von den auf der Strecke gebliebenen Hobbies. Und ich frage mich wieder einmal: was mache ich falsch – und wo kann ich bloß anders ansetzen? Habe ich ein falsches Zeitmanagement? Oder eine grundsätzlich falsche Einstellung? Wie schaffst du es bloß, alles immer so perfekt unter einen Hut zu bringen?

Seit 1 Woche habe ich 3 Posts für meinen Blog im Kopf – inkl. entsprechender Rezepte, aber geschrieben ist noch kein Wort von alldem. Dabei bin ich immer furchtbar euphorisch und würde am liebsten sofort mit den Dingen loslegen. Nur müssen ja erst mal die anderen Sachen erledigt werden. Vielleicht hast du ja einen Tipp für mich! Auch wenn ich weiß, dass du wahrscheinlich genauso abwägen musst zwischen den „dann’s“ – aber du scheinst es effektiver zu machen ;-)
LG von Svenja“

Erstmal möchte ich für alle, die ähnliche Fragen haben auf einen Post hinweisen, den ich genau zu diesem Thema mal geschrieben habe. Wenn ich mal wieder wackelig werde in meinem Alltag und mit den Dingen, die ich so vor der Brust habe, lese ich dort selbst noch einmal nach, wie ich es eigntlich machen wollte und sollte ;-) Der Post heißt „Wie erreiche ich meine Ziele“ und jedes Wort ist für mein Leben nach wie vor topaktuell.

Eine Sache fehlt darin jedoch. Mein Autopilot. Auf den stelle ich an Tagen wie heute. Den gestern hatte ich den dritten Shootingtag für meine Kolumne, war abends völlig fertig und habe nichts mehr weggeräumt, sondern bin ins Bett gefallen. Viel zu früh, mit dem Ergebnis, dass ich heute Nacht wachlag und mir tausend Gedanken durch den Kopf schossen. „Ich muss vor dem Relaunch der Website die Posts neu taggen. Ich muss die Texte für die ersten Kolumnenthemen schreiben. Nächste Woche werden zwei neue Fenster eingesetzt. Ich muss Efeu vom Garagentor wegschneiden und dran denken, den Mülleimer morgen früh rauszustellen. Ich muss ein paar Anrufe machen. Das Haus auf Vordermann bringen.“

Lauter Wenns – die Danns sind noch gar nicht dabei.

Das Einzige, was da hilft, ist der Autopilot. Es gibt Sachen, die muss man einfach machen – und ja, ich hätte mich heute Morgen gerne wieder ins Bett gelegt, als ich die Kinder in der Schule verräumt hatte. Vor allem, weil ich eine halbe Stunde eher aufstehen musste, denn es war Trachtentag

Trachtentag

und meine Tochter hat sich eine Frisur gewünscht, an der ich locker 20 Minuten flechte.

Trachtentag-3

Trachtentag-2

Aber: Wenn ich die Dinge eh tun muss, dann kann ich sie auch einfach mit der richtigen inneren Einstellung tun. Nichts ist hinderlicher für einen Tag, als zu denken: eigentlich will ich das alles nicht. Also: Autopilot anstellen und eins nach dem anderen erledigen. Einfach machen. Ohne second thoughts. Wenn ihr euch also das nächste mal bei „Ich muss und will nicht…“ Gedanken erwischt ruft innerlich laut STOP. Oder noch besser: SAGT ES LAUT. Und dann macht euch klar, dass ihr euch mit einem inneren Widerwillen nur selber runterzieht, obwohl ihr einen fantastischen Tag haben könntet. Übrigens einen, der so nie wiederkommt und an den ihr mit der richtigen Einstellung vielleicht noch lange denken werdet.

Macht, was zu tun ist, und haltet eure Augen offen für die ganzen schönen Dinge, die dann „nebenbei“ von ganz alleine passieren. Ich hatte zum Beispiel gerade ein total nettes Gespräch mit meinem Nachbarn, für das ich noch heute früh definitiv keine Zeit hatte. Hatte ich dann aber doch, weil ich die anderen Sachen schon vorher erledigt habe – mit einem Pfeifen auf den Lippen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wundervollen Tag

Eure Svenja