Den Link zu meinen neuen Huffpo-Artikel findest Du am Ende des Posts.

LissyLissy und ich, auf die Minute genau 10 Jahre nach ihrer Geburt.

Als ich 17 war, hatte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen – und gar kein Problem damit, mich nur um mich selbst zu drehen. Ich, Svenja, war das Zentrum meines Universums. Und in dem ging es nur darum, freitagnachmittags ein neues Oberteil zu kaufen, in dem ich so gut aussah, dass ich abends in der Disco endlich vom Traumprinz angesprochen würde. Die Wahl der richtigen Nagellackfarbe war mindestens so wichtig, wie meine Meinung zu so weltbewegenden Dingen wie der letzten Folge von Beverly Hills 90210. In Wahrheit rannte und rannte ich. Von einer Party zur nächsten, immer in der Hoffnung gut anzukommen, beliebt zu sein, Anschluss zu finden und dazuzugehören.

Was ich wirklich dachte, wusste niemand. Ich hatte tausend Fragen an mein Leben und keine Antworten. Was sollte ich studieren? Wer sollte ich sein? Würde ich Erfolg haben, viel Geld verdienen, eine Familie gründen, nach Amerika ziehen? Oder doch in meiner kleinen gewohnten Umgebung bleiben, die ich zwar Heimat nannte, in der ich mich aber nie wirklich zuhause fühlte?

Schon der Gang auf den Schulhof jeden Montag war ein Spießrutenlauf. Ich gehörte nie zu den Angesagten und immer wieder beschlich mich das Gefühl, was ganz Wichtiges zu verpassen. Ich sehnte mich danach, Ich selbst zu sein, und wusste doch gar nicht, wer das eigentlich ist. Bis ein fantastischer Mann in mein Leben trat.

Nun wird das hier keine Geschichte darüber, wie Prince Charming mich erlöst hat, aus einem Leben, in das ich nicht passte. Eher schon darüber, was es heißt, anzukommen. Dazu braucht nicht jeder einen Mann. Ich schon, denn ich hatte mich verheddert – in der ach-so-wichtigen Außenwirkung. Aber plötzlich war da jemand, der sich für mein Innen interessierte. Für meine kreativen Ideen, meine Ansichten und meine Sexualität. Der meinen Humor mochte und über meine Witze lachen konnte. Und der mich nach zwei Wochen fragte, ob ich ihn heiraten will. Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings schon 31.
In den 14 Jahren dazwischen, war ich vor allem eins: einsam.

Einen Ehemann und zwei Kinder später ist „einsam“ genau das, was ich nie mehr bin. Meist im besten Sinne: sonntagmorgens im Schlafanzug am Frühstückstisch, wenn wir uns die schönsten und schlimmsten Momente unserer Woche erzählen. Abends im Kinderzimmer, wenn meine Tochter mir kurz bevor ich das Licht ausmache anvertraut, welchen Jungen sie toll findet. „Aber sag das keinem, Mama, noch nicht mal Papa.“ Oder morgens um 5, wenn mein Sohn nach einem Albtraum mit seinen kalten Füßen in mein Bett kriecht und mir erzählt, vor welchen Monstern er gerade noch einmal fliehen konnte.

Ich habe jetzt einen Mann, der mir nicht nur zuhört, sondern der mich versteht. Ich habe einen Ort, an den ich gehöre. Ein Zuhause im Herzen.

Dieses seelische Heim in Schuss zu halten ist eine Lebensaufgabe, an der ich oft fast verzweifle. Denn diese Lebensaufgabe hat es in sich.

Vier Menschen miteinander in Einklang zu bringen. Ihnen zu ermöglichen, sich zu entwickeln, zu wachsen und ihre Talente zu leben. Ihre Fragen zu beantworten und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden – das ist mehr, als eine Frau alleine schaffen kann. Vor allem, wenn der Spaß dabei nicht zu Kurz kommen soll und mein 17-jähriges Ich mit seinen Wünschen nach Auszeiten, Freiheit und dem Gefühl, das Zentrum des Universums zu sein, manchmal einfach nicht die Klappe halten kann.

Dass ich die Herausforderung, alles unter einen Hut zu kriegen, trotzdem immer wieder annehme, liegt daran, dass ich etwas begriffen habe. Das Ende der Einsamkeit ist nicht das Ende meiner Unabhängigkeit, sondern der Anfang von etwas ganz Großem. Der glücklichen Familie, die ich als Kind nicht hatte.

Dir hat mein erster HuffPo Artikel gefallen? Hier geht es zu meinem neuen Artikel „Warum Du eine gute Mutter bist“ – viel Spaß beim Lesen!