Manchmal begegnet man in seinem Leben Menschen, die einen verändern. Und meist wissen sie es nicht einmal. Weil das, was sie sagen und tun, erst viel später Früchte trägt. Wir brauchen eine Zeit lang, um ihre Worte zu begreifen. Um zu verstehen, welche Bedeutung sie für das eigene Leben haben werden.

Als ich 8 Jahre alt war, habe ich aufgehört zu schreiben, weil eine Lehrerin zu mir gesagt hat: „Das kannst Du ja gar nicht selbst geschrieben haben.“ Hatte ich aber. Fünf DINA 5 Seiten in meinem Religionsheft, auf dem Bauch liegend, auf unserem kratzigen grauen Teppich im Wohnzimmer. Vor mir lief der Plattenspieler mit klassischer Musik und ich hatte wohl das erste Mal das, was ich heute einen „Flow“ nennen würde.

Die_gute_LehrereinIch, 8 Jahre alt

Nach dieser Rüge vor der ganzen Klasse hörte ich auf zu schreiben. Machte doch auch gar keinen Sinn, denn es würde mir ja eh niemand glauben, dass ich es konnte.

Knapp 10 Jahre später hatte ich eine Lehrerin, die offen war. Sie war elegant und roch unglaublich gut. Eines Tages fiel ihr Parfum im Eingang des Schulgebäudes herunter und zerbrach. Noch Wochen später begrüßte mich jeden Morgen ihr Duft im Schulflur und versprach: Das wird ein guter Tag.

Diese Lehrerin hat mir in Nebensätzen viel über das Leben beigebracht. Unter anderem, dass man sich seinen Ehemann nicht nach dessen Aussehen aussuchen darf, sondern so mutig sein muss, auf sein Herz zu hören. Und mutig war sie.

Sie unterrichtete Literatur und ermutigte uns, kreative Referate zu halten. Ich warf all meine Talente in einen Topf. Ich malte, ich schrieb, ich formulierte, ich bastelte. Und bekam eine Eins plus.

Aber viel wichtiger: ich bekam meinen Glauben zurück. Daran, dass das, was ich kann, etwas wert ist. Viel wert ist.

Ich habe es schon einmal in meinem Leben verpasst, einem Lehrer zu danken. Als ich es versuchte, war es zu spät. Er war verstorben. Trotzdem: Danke Dr. Paul. Danke für das mich Erkennen und für diese beiden Sätze: „Du hast ein  großes Talent geschenkt bekommen. Jetzt geh und mach was draus.“

Und Ihnen, liebe Frau Menneken, möchte ich heute auch Danke sagen. Danke, dass ich durch Sie heute mehr Leser habe, als in die Allianz Arena passen. Das ist meine visuelle Hilfe, wenn ich mal keine Lust habe, zu schreiben. Eine Schlange von Menschen, die vor der Allianz Arena steht und nicht mehr reinkommt, weil sie voll ist. Hey, und die wollen unterhalten werden, während sie da stehen und warten. Also: Nichts wie ran an die Tasten :-)

Dank Ihnen bin ich glücklich verheiratet. Dank Ihnen weiß ich: tolle Frauen können auch in der Provinz wohnen – und dabei ihre gute Laune nicht verlieren. Oder ihren Stil. Oder ihre Eleganz. Ihre Anmut, ihre Weiblichkeit, ihre positive Herangehensweise an Menschen und Situationen.

Sie können Menschen etwas mitgeben, auf ihrem Weg durchs Leben. Etwas Großes, etwas das haften bleibt. Etwas, was einen ein ganzes Leben lang begleitet.

Dank Ihnen schreibe ich heute Bücher und Kolumnen, einen Blog und manchmal (ganz heimlich, wenn keiner zuschaut) einen Roman.

Aber was viel wichtiger ist: Dank Ihnen habe ich nicht aufgegeben, sondern losgelegt. Wenn Sie wüssten, wie oft ich in den schwärzeren Momenten meines Lebens an Sie gedacht habe – sie wären überrascht.

Deshalb möchte ich heute laut sagen, was ich schon seit vielen Jahren weiß: Sie sind nicht nur eine gute Lehrerin, sondern die beste, die ich je hatte. Und dieses Video ist nur für Sie:

Ihre Svenja Walter

P.S.: Wenn ihr auch so eine Lehrerin oder einen Lehrer hattet: schreibt ihr oder ihm doch auch einfach mal. Gute Lehrer formen uns und unser Leben maßgeblich – wir sollten keine Chance verpassen, ihnen genau das zu sagen.

Nachtrag: Nachdem ich diesen Post geschrieben hatte, meldete sich meine Leserin Heike:

„Svenja, ich habe gerade deinen Post über Frau Menneken gelesen. Und du glaubst es nicht: ihre Tochter hat mich die ersten Tage in meinem Job bei der Werbeagentur überhaupt überleben lassen sozusagen – denn sie war damals dort Praktikantin!!!! Und ich war immer wieder versucht, meinen Texterjob zu schmeißen. Aber Frau Mennekens Tochter hat mich sooo sehr bestärkt. Was für eine tolle Mutter und was für eine tolle Tochter :-))“

Ist das nicht IRRE? Das Leben geht wirklich manchmal seltsame Wege – mit so einem tollen Feedback hatte ich nicht gerechnet. Aber wundern tut es mich weiß Gott nicht. Gute Mentoren können eben EINIGES bewirken – manchmal auch in der Mutterrolle ;-)