Wenn ich einen Post völlig außerhalb meiner eigenen Comfort Zone schreibe und auf diesen Post mehr Kommentare bekomme (in 24 Stunden genau 118 Stück, facebook mal nicht mitgezählt), als auf irgendeinen Post in den 6 Jahren vorher, dann muss ich mich erstmal hinsetzen. Nicht nur, weil ich so geflasht bin, von eurer Herzlichkeit und eurem Verständnis, sondern vor allem, weil es ein bisschen so ist, als würde vor mir eine Mauer einstürzen. Die, die ich selbst dort errichtet habe um BLOSS NICHT tun zu müssen, wofür ich geboren bin. Und wovon ich auch weiß, dass ich dafür geboren bin.

Ich schreibe schon ewig. Aber nicht wie die zahllosen amerikanischen Kreativen a.k.a. Kellner, die – während sie Dir die Vorspeise servieren – sagen: „I am writing  a book.“ „I am trying to break into fashion.“ „I am an actor.“ „This is just an in-between-thing – I am a singer/songwriter.“ Ich habe keinen Nebenjob (Bloggen, Ratgeber schreiben, Kolumnen schreiben), um mich zu finanzieren und sitze dann in meiner Freizeit in meinem Kämmerlein und schreibe was das Zeug hält an den Sachen, die mir wichtig sind. So bin ich einfach nicht. Denn ich mache Dinge ganz oder gar nicht.

Ich habe einen Job (Bloggen, Ratgeber schreiben, Kolumnen schreiben), den ich sehr Ernst nehme und so gut wie möglich mache. Und darüber hinaus schreibe ich gar nicht. Außer in meinem Kopf. Alle anderen Sachen schreibe ich brav auf Papier (oder auf den Bildschirm) und zeige sie euch. Schließlich kommt die Fähigkeit, sich zum Schreiben zu disziplinieren, genauso wenig über Nacht, wie Leser. Das, was ihr seht, ist mein Training. Das, indem ich einen ganz soliden doppelten Axel springe, damit ich mich nicht verletze bevor die Preisrichter auf ihren Stühlen sitzen und das Publikum vollzählig ist.

Was ich manchmal nicht fassen kann: Manche von euch schauen mir schon so lange zu, dass sie mich vor dem ersten Sprung haben laufen sehen. Was für ein wundervolles Geschenk. Ich meine: es gibt doch so viele Seiten im Netz und ihr kommt immer wieder her und begleitet mein Leben. Doch schon seit einiger Zeit passiert etwas in meinem Leben, was ich ganz erstaunlich finde. Ich habe so lange in meinem Kopf an meinen Geschichten geschrieben, dass sie so gut wie fertig sind. Oder anders gesagt: es gibt keinen wirklichen Grund, sich nicht hinzusetzen und sie aufzuschreiben.

Klar, das wird eine Menge Arbeit und ich brauche dafür Zeit. Aber ganz ehrlich: warum sollte ich weiter einen mühelosen Doppelaxel springen, wenn ich vielleicht auch einen Dreifachaxel draufhabe?

Das kann ich euch genau sagen. Weil ich stürzen könnte. Vor allen. Und schlimm wäre nicht, dass ihr das gesehen hättet. Schlimm wäre auch nicht das blutende Knie.  Es wäre nicht schlimm, wenn ich weinen müsste. Und auch nicht, wenn es still würde in der Eishalle.

Schlimm wäre nur, wenn diese Stille nicht durch eure ermutigenden Rufe durchbrochen würde.

Durch euer: „Hey, steh auf. Mach weiter. Das ist mir auch schon passiert. Das ist doch gar nicht schlimm. Lauf einfach weiter. Du schaffst das schon. Du kannst das.“

Seit gestern weiß ich, dass ich diese Angst nicht haben muss. So wie ich an eurem Leben teilnehme, so wie wir gemeinsam Dinge bewegen, so wie ich mich durch euch nicht mehr einsam fühlen muss.

SO muss das Leben sein, damit man seine Comfort Zone verlässt.

Ähem. Ihr seid unglaublich.

Eure Svenja