Naegel mit Koepfen

Manchmal braucht es ja nur eine einzige Entscheidung um eine Richtungsänderung einzuschlagen. Eine Weiche zu stellen, die schon lange überfällig ist.

Zehn Jahre standen jetzt bei mir im Zeichen kleiner Kinder und der Familiengründung. Ihr kennt das alle, das ist eine Zeit, in der alles Mögliche im Vordergrund steht, aber ganz bestimmt nicht man selbst. Da kam es mir gerade recht, dass ich beruflich Dinge nebenher gemacht habe, die zu den Themen passten, die in der Luft lagen. Kochen und Basteln zum Beispiel. Wir haben in dieser Zeit wahnsinnig viel gefeiert – von Kindergeburtstagen über Faschingsparties bis hin zu Nachbarschaftsfesten. Und da war es nur logisch, dass ich meine Erfahrungen und Dinge aufschreibe.

Ich habe erst ein bisschen was für RTL gemacht, dann das Thermomix Kochbuch, das Spieletrickkiste-Buch für Gräfe und Unzer, die Huffington Post, die Lisa-Bastelkolumne. Und natürlich habe ich gebloggt, mit euch hin und her geschrieben und alle Fragen beantwortet. Immer.

Das war deshalb so toll, weil ich all das „in between“ machen konnte. Mein echtes Leben lief weiter und die Themen flossen nur so aus mir heraus. Und das könnte ich jetzt auch noch ganz lange so weitermachen, denn es läuft ja gerade so gut. Oder um aus einer Mail zu zitieren, die ich vorgestern jemandem geschrieben habe:

Es ist im Leben ja so: Wenn etwas gut läuft und auch gut ankommt und einem das leicht fällt, dann gibt es keinen guten Grund, das nicht mehr zu wollen.

Ihr kennt das. Das ist das Leben in der Comfort Zone. Da könnte ich jetzt noch ganz lange bleiben. Aber: Ich habe mich entschlossen, meine lange anstehende Heldenreise nun wirklich anzugehen. Ihr wisst ja, der Februar war der Monat, in dem ich mich mit ebooks beschäftigen wollte. Das habe ich auch getan. Und weiß jetzt: das ist was für mich.

Aber die Entscheidung, etwas zu tun, bedeutet auch die Entscheidung, etwas zu lassen. Also habe ich Nägel mit Köpfen gemacht. Meiner wunderbaren Ansprechpartnerin bei Gräfe und Unzer gesagt: Ich kann jetzt gerade kein neues Buch für euch schreiben. Meiner wunderbaren Ansprechpartnerin bei der Lisa gesagt: das war mein letztes Shooting – auch wenn ich wirklich gerne mit euch zusammenarbeite (und keine Angst, ich habe so fleißig vorgearbeitet, dass die Kolumne noch gaaaaaaanz lange läuft).

Das war MEGA. Denn ihr wisst ja – es ist das Eine, das im Kopf hin- und her zu wenden und zu überlegen: soll ich das wirklich nochmal machen? Weiter machen? Oder doch nicht? Und etwas ganz Anderes offiziell zu sagen: Ich möchte das nicht mehr machen. Denn dann ist die Tür zu, man muss sich umdrehen und nach vorne schauen.

Das Ding ist aber: Man KANN eben auch nur WIRKLICH nach vorne schauen, wenn die Tür zu ist. Und nicht, wenn man darüber nachdenkt, ob man die Tür vielleicht schließen sollte, könnte, müsste – der große Konjunktiv eben. Und das macht man nur, wenn das Herz für was anderes schlägt.

Ich muss und will schreiben.

Ja, so ganz richtig. Der große Wurf. Romane.

Danach vielleicht auch Drehbücher, Filme, Fernsehserien. Mittlerweile weiß ich ja: wenn man sich in etwas reinhängt, dann lernt man dazu. Dann wird man besser. Dann kann man Leser gewinnen, die wiederkommen. Ein Publikum, das einen schätzt – und das sich in dem, was man schreibt, wiedererkennt.

Neulich hatte ich euch ja schon gebeten, mir ein paar Sätze zu schenken. Mit denen habe ich mich herrlich warmgeschrieben. Und jetzt geht es richtig los. Gestern habe ich meine letzten Texte bei der Lisa abgegeben. Meinen Schreibtisch räume ich heute leer. Und dann packe ich und fahre mit meiner Familie eine Woche weg. Ich lasse mir frische Luft um die Nase wehen, die Gedanken durchpusten und fange an.

Für mich war bei dem Gedanken, dass ich fiktional scheiben möchte, immer eins klar. Ich möchte komplett unabhängig in meinem Thema sein. Nicht das Ende umschreiben, weil ein Verlag glaubt, dass sich das so nicht verkauft (Ja, das gibt’s). Mir nicht in meinen Titel oder mein Cover reinreden lassen (Ja, das gibt’s auch). Und vor allem nicht in meine Geschichte, meine Charaktere und meine Dramaturgie. Ich will das so machen, wie ich es für richtig halte. Vogelfrei. Und deshalb wird es erstmal auch nur ebooks geben und keine old fashioned verlegten Bücher.

Warum ich gleich Bücher und nicht Buch schreibe? Na, ihr kennt doch mein Tempo. Addiert dieses Tempo im Kopf mal kurz mit Geschichten, die seit knapp 35 Jahren darauf warten geschrieben zu werden. Über die ich immer, bevor ich einschlafe, beim Joggen, auf langen Autofahrten, während ich auf das Ende der Kinderturnstunde warte, nachdenke. Dann wisst ihr ungefähr, was da auf uns zukommt.

Meinen Blog gibt es natürlich weiterhin. Da bleiben auch meine Themen für euch erhalten. Schließlich schalte ich mein echtes Leben ja nicht ab. Ich koche, bastel und feier ja weiter. Aber ich schreibe darüber eben nur noch hier – und nicht mehr woanders. Ohne Abgabedruck, wann immer ich Lust und Zeit habe. Entspannt und locker.

Dass ich gerade jetzt Nägel mit Köpfen mache, hat sicher auch was mit den letzten Wochen zu tun. Mit Schicksalen von Menschen, die ich mochte, und die jetzt nicht mehr da sind. Aus Peters Tod habe ich mitgenommen, dass man Dinge sofort machen soll, wenn sie sich richtig anfühlen. Bloß nichts aufschieben, wer weiß, ob der Zeitpunkt noch einmal so perfekt daher kommt. Nachher lenkt das Leben mit seinen Pfandflaschen, Autowäschen und Vorsorgeuntersuchungen uns wieder davon ab, worum es eigentlich geht: ums glücklich sein.

Und Uroma Adeles Tod hat mir gezeigt: der liebe Gott nimmt einen dann zu sich, wenn man seine Aufgabe auf Erden erfüllt hat. Nur dann kann man in Frieden gehen. Und ist das nicht eine fantastische Vorstellung? Glücklich zu leben, so dass man am Ende in Frieden gehen kann?

Wie geht es jetzt also konkret bei mir weiter? Wer meinen Jahresplanungspost noch im Kopf hat weiß, dass der März eigentlich fürs Ghostwriten reserviert war. Mein Mann ist zwar ganz fleißig, aber so viel im Zeichen des Storytelling unterwegs, dass das Buch angeschrieben, aber noch nicht fertig ist. Das heißt: freie Fahrt für Frau Walter. Ich beginne DIREKT zu schreiben. Und bin selbst am allergespanntesten, was dabei rauskommt.

Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden – und da ich noch nie in meinem Leben eine Schreibblockade hatte, bin ich mir ziemlich sicher: da gibt es bald viel zu erzählen.

Hier auf dem Blog geht es weiter wie gewohnt. Schließlich habe ich die besten Leserinnen der Welt. Ohne euch wäre das hier nur eine einsame Seite im Internet, die keinen interessieren würde. Ihr habt mir so viele eurer Geschichten geschenkt. Ihr habt mir gezeigt, was euch berührt. Was euch auf die Palme bringt. Was für euch Gerechtigkeit ist und was ihr absurd findet. Aber ihr habt noch mehr gemacht.

Ihr habt euch geöffnet. Habt mir von euren geheimsten Gedanken erzählt und mich hinter die Kulissen schauen lassen. Und genau deshalb bin ich jetzt soweit, Bücher zu schreiben. Ihr habt mir beigebracht, dass wir Menschen alle helle und dunkele Seiten haben. Dass wir wertvoll sind, uns für nichts schämen müssen und jede einzelne menschliche Stimme schön ist und eine Bedeutung hat.

Danke, das ihr immer wieder da seid, da bleibt und mitmacht. Ich hätte nie gedacht, dass so viele Menschen so ähnlich ticken, wie ich. Und wenn ich die Chance hätte, würde ich mit euch allen gemeinsam jetzt durch einen Glitzervorhang treten und genau dieses Lied singen.

We are family, I’ve got all my sisters with me.

Eure Svenja