Gestern habe ich begonnen, meinen Roman zu schreiben. Eigentlich ist eher „weiterzuschreiben“ richtig, denn ein bisschen habe ich letztes Jahr ja schon angefangen. Und weil mein Aszendent Jungfrau ist, habe ich mein Sternzeichen Wassermann mal ganz in die hinterste Ecke gedrängt und erstmal alles „eingestellt“. Ordnung ist schließlich das halbe Leben.

Ich schreibe ja mit Scrivener – was das genau ist, könnt ihr hier auf meinem Blog nachlesen. Diese wunderbare Software für Autoren hat ein ganz besonderes Feature, das meine innere Jungfrau liebt. Nämlich das Feature, Schreibziele einzustellen.

Ich habe also gestern Morgen beschlossen, dass mein erstes ebook ca. 166 Seiten haben wird (das entspricht 300.000 Zeichen inklusive Leerzeichen). Und da ich nur am Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagmorgen schreibe und gerne am 30. April fertig wäre, heißt das, dass ich jeden Tag, an dem ich schreibe, 12.968 Zeichen schreiben werde.

Werde, nicht muss.

Das entspricht ungefähr 7,3 Seiten und was soll ich sagen: aus meinem geplanten gemütlichen Einstarten wurde nichts, denn meine Charaktere sind einfach losgelaufen und ich hatte das „Session Target“ in zwei Stunden erreicht.

Bildschirmfoto 2014-03-18 um 11.02.53

Daraufhin postete ich in einem facebook thread mit drei lieben Freundinnen:

„So. Zwei Stunden und 13.081 Zeichen, also knapp 7 Seiten später. Beste Schreibzeit: zwischen 8 und 10.“

Die Antwort kam sofort:

„Oh, wie cool und spannend! Toll, dass Du angefangen hast! Macht’s Spaß? Was ist es für ein Gefühl?“

Darauf ich:

„Ich sage mal so. Wenn man vor 10 Uhr morgens schon rumgeknutscht hat, mit freiem Oberkörper Cabrio gefahren ist, so aggressiv geworden ist, dass man gleich jemanden umbringen wird und danach mit seiner Mutter telefoniert hat – und das alles auf 7 Seiten – dann fragt man sich nicht mehr, waum viele darüber reden, einen eigenen Roman zu schreiben, aber es wenige tun. Mann ist das anstrengend.“

Mir war nämlich überhaupt nicht klar, dass meine Charaktere loslaufen würden wie edle Rennpferde nach dem Startschuss. Die habe ich ja viel viel VIEL zu lange in ihrer Gitterbox eingesperrt. Herrjeh. Ich hatte ja keine Ahnung, was ich denen antue. Die gingen plötzlich total ab.

Fingen an, sich zu unterhalten. Fielen sich ins Wort, waren aufgeregt und unsicher. Dachten nicht-jugfendfreie Sachen und küssten sich – nur um im nächsten Moment etwas zu tun, womit niemand gerechnet hatte. Ich am allerwenigsten.

„Wow,“ dachte ich. „DAS wollen die also wirklich.“ Und: „Meine Güte, wäre das Leben spannend, wenn wir nicht nur sehen würden, was Menschen tun. Sondern auch hören würden, was sie denken.“

Und was soll ich sagen – ich stand gleich am ersten Tag mal auf der absoluten Autoren-Sonnenseite des Lebens. Denn kaum war das Schreibziel erreicht und das Tagespensum geschafft, gingen meine teuren Pferdchen ganz von selbst in ihre Gitterbox zurück. Und bis jetzt scharren sie nicht mit den Hufen und wiehern auch nicht laut. Aber: nach diesem Kickstart habe ich mich bis heute früh nicht in die Nähe ihrer Box getraut. Nicht dass das direkt wieder losgeht, wenn die mich sehen.

Rückblickend muss ich fast lachen, denn als ich diesen Blog begonnen habe, hatte ich folgende Ziele:

– Ich will mich mit meiner Arbeit finanziell auf eigene Füße stellen.

– Ich möchte interessante Menschen treffen.

– Ich möchte ein spannendes Leben haben.

Ich dachte, das wäre schon alles eingetreten. Und sage nur: Be careful what you wish for.

In diesem Sinne

Eure Svenja, die ab heute jede Menge Respekt hat, vor den Geistern, die sie rief.