Könnt ihr euch vorstellen, wie es sich anfühlt, einen Gedanken zu irgendetwas zu haben, diesen Gedanken zu formulieren und ihn jederzeit öffentlich machen zu können?

Nichts anderes ist ja Bloggen. Da schreibt man vom echten Leben ab. Wenn ich also Frikadellen mache, denke ich: „Oh, das könnte meine Leser interessieren.“ Wenn ich mich mit meinem Mann streite, denke ich: „Oh, sowas kennen meine Leserinnen sicher auch.“ Und wenn ich in der Umkleide merke, dass die Hose, die die Verkäuferin mir gegeben hat, viel zu eng ist, weiß ich: das habt ihr auch schon erlebt.

Selbst wenn ich nachher nicht darüber schreibe, seid ihr also den größten Teil des Tages bei mir. Das weiß auch mein Umfeld. Wenn mein Sohn was besonders Tolles mit Lego aufgebaut hat, sagt er manchmal: „Fotografier das mal. Du kannst auch ruhig drüber bloggen.“ Was so viel heißt wie: Ich bin total stolz drauf und möchte, dass das die ganze Welt sieht.

Oder meine Tochter fragt: „Kann ich das schon essen oder musst Du das noch fotografieren?“

Und wenn ich mich total über irgendwas aufrege, sagt mein Mann: „Darüber solltest Du bloggen.“

Ich hätte nie gedacht, dass nur weil man etwas sehr regelmäßig tut, es viel Bedeutung für das eigene Leben bekommen kann. Wer hier schon lange mitliest, weiß, dass ich ein leading theme in meinem Leben habe. Sozusagen ein Motto.

„Man kann jeden Tag sein Leben ändern.“

Warum ich heute genau darüber schreibe? Weil ihr mir in letzter Zeit immer wieder davon schreibt, dass ihr gerne etwas in eurem Leben ändern möchtet, aber nicht wisst, wie. Ich kann euch ja mal  erzählen, wie ich begonnen habe, zu schreiben – also etwas zu tun, was ich schon immer tun wollte. Und jetzt lacht nicht, denn das Ganze ist so einfach wie naheliegend.

Ich habe einfach angefangen.

Ich habe mich hingesetzt und geschrieben.

Und das hier ist der 755te Blogpost – auf diesem Blog.

Ich hatte nicht mehr Zeit als sonst (denn egal, was ihr gerne tun würdet, ich weiß, das jetzt viele denken „Aber dafür habe ich keine Zeit.“). Ich habe einfach andere Prioritäten gesetzt. Auch weil ich irgendwo mal gelesen habe, dass dieses ewige Ich-habe-keine-Zeit ein riesiger Selbstbeschiss ist.

Zum Beispiel: „Ich habe keine Zeit zum Arzt zu gehen.“ Wenn man den Satz mal anders formuliert, nämlich näher an der Wahrheit dran, würde er heißen „Es ist für mich keine Priorität, zum Arzt zu gehen.“

Und nun macht das mal mit der Sache, die ihr immer verschiebt oder gar nicht erst angeht, weil ihr keine Zeit habt oder es euch vermeintlich gerade nicht reinpasst.

Schreiben, malen, nähen, Kinder bekommen, eine Weltreise machen, ein Haustier haben, Sport treiben, abnehmen, gesünder leben, heiraten, eure Mutter besuchen, Zeit mit eurem Partner verbringen, mit den Kindern spielen.

„Es ist für mich keine Priorität, ……….“

Tja, hört sich gleich ganz anders an, oder? Aber: so ist das. Wir machen die Dinge, die für uns Priorität haben. Und deshalb sollten wir unsere Prioritäten immer mal wieder überdenken. Ich hatte neulich so einen Überdenkensschub, als Peter gestorben ist. Danach habe ich drei Dinge zur Priorität gemacht:

1. Ich möchte mir mehr Zeit für Erlebnisse mit meiner Familie nehmen.

Also bin ich im März in den Urlaub gefahren. Und ich werde das im Juni und im August wieder tun. Weil das Leben aufregend ist, wenn man reist. Weil es den Kindern und den Eltern gut tut, mal aus dem gewohnten Umfeld rauszukommen und was Neues zu erleben. Weil ich meinen Kindern beibringen möchte, dass es woanders anders ist und das man immer mit offenen Augen durchs Leben gehen muss, weil SO VIEL Schönes passiert. Außerdem war ich mit meinen Kindern beim Revolverheld-Konzert. (Danke, Peter!)

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2. Ich möchte mir Zeit nehmen, um zu schreiben.

Also sitze ich jetzt 3 Mal die Woche morgens am Schreibtisch und arbeite an meinem Roman. Einfach nur, weil ich mich dafür ENTSCHIEDEN habe.

3. Ich möchte mir mehr Zeit dafür nehmen, dass es meiner Familie gut geht.

Und dass es meiner Familie gut geht, fängt damit an, dass ich auf mich achte und dass es mir gut geht. Also war ich letzte Woche 4 Mal eine Stunde laufen. Und diese Woche auch schon 3 Mal. Und ich fühle mich wie neugeboren.

Dieses Wochenende gehe ich mit meinen Kindern schwimmen. Ich habe mir mehr Zeit genommen, leckere, frische Sachen für uns zu kochen. Und ich werde am Sonntag endlich die Kleiderschränke ausmisten und damit wieder einen Teil unseres Lebens übersichtlicher gestalten. Denn ich bin ja der Meinung, das äußere Ordnung und inneres Wohlbefinden sehr viel miteinander zu tun haben.

Welche Dinge würden euch gut tun? Wo könntet ihr Prioritäten setzen, wo ihr sonst immer die keine-Zeit-Nummer vorschiebt?

Ich habe vor allem durch meinen Blog gelernt, dass man immer Zeit findet, wenn man etwas wirklich möchte. Ich stehe ja jeden Morgen um 5 auf, um meine Posts zu schreiben und andere Dinge zu tun, die mit dem Blog in Zusammenhang stehen. Einfach, weil ich gerne einen Blog haben möchte, der Menschen erreicht. Der Denkanstöße gibt und manchmal den Nagel auf den Kopf trifft. Der euch zum Lachen und manchmal zum Weinen bringt.

Weil ich – je älter ich werde – zunehmend begreife, dass das BESTE Gefühl, was man haben kann, dieses hier ist:

Das Gefühl, maximal lebendig zu sein.

Und das kann man nur haben, wenn man in die eigenen Emotionen und Bedürfnisse voll reinspringt und alles auslebt – anstatt davor wegzulaufen.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wundervolles Wochenende

Eure Svenja