Schreiben

Lieblingsmoment: Ich, ungeschminkt, am MacBook. Und die Worte fließen wie von selbst.

Ich hatte euch ja Anfang der Woche schon mal geschrieben, wie mein Romanstart so gelaufen ist. Jetzt kann ich sagen: meine Charaktere haben noch mal ordentlich an Tempo zugelegt. Da kennen die ja nichts.

Tauchen plötzlich in einer Szene auf, wo sie eigentlich gar nichts zu suchen haben. Wählen selbst aus, was sie anziehen wollen. Diktieren mir aus dem Nichts, welchen Beruf sie haben („Ahh, jaaa, das macht ja TOTAL Sinn“, dachte ich.). Außerdem schlafen sie mit Menschen, mit denen sie wirklich nicht schlafen sollten. Trinken Whiskey mit Minderjährigen und essen danach an Muttis Frühstückstisch Salamibrötchen. Ja wissen die denn gar nicht, wie man sich benimmt?

Schon nach meiner ersten Schreibwoche ist völlig klar: Ich kann das alles nur so schreiben und nicht anders. Es ist aber auch wirklich keine Millisekunde Zeit für Gedanken wie: „Was denken die Leser, wenn ich sowas schreibe?“ oder „Kann ich solche Wörter wirklich benutzen?“.

Das Ganze fließt einfach aus meinem Herz in die Tasten und wenn es dort einmal steht geht es schnurstracks weiter. So lenken mich meine Figuren von einer Katastrophe zur nächsten. Denken das Undenkbare und erst recht das Unaussprechliche. Und sind dabei trotzdem charmant. Wachsen mir mit ihren Unsicherheiten und ihrem Mutterwitz ans Herz. Flirten was das Zeug hält und sind verletzlich bis ins Innerste.

Sie gehören zu den Guten. Ich kann sie verstehen. Immer. Auch wenn sie so viele Dinge tun, die ich nicht von ihnen erwartet habe.

Und noch etwas habe ich in der ersten Woche gelernt. Es macht überhaupt keinen Sinn darüber nachzudenken, wie dieser Roman ausgeht. Das steckt der Widerspruch schon im Wort.

Einen Roman kann man nicht zu Ende denken oder planen. Der GEHT aus. Der bewegt sich und lebt. Der hat eine eigene Dynamik, ein eigenes Tempo und einen eigenen Willen. Da habe ich gar nichts zu melden.

Und so lege ich mein Talent zu Schreiben in die Hände derer, die besser wissen müssen, was am Ende passiert. Ich will ja auch nicht, dass Wildfremde mir in meinem Leben rumpfuschen.

Also: Macht ihr mal, liebe Charaktere. Gebt weiter Vollgas. Überrascht mich und seid so mutig, wie ich es niemals wäre.

Ich schreibe einfach weiter mit.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Noch was, was ich diese Woche gelernt habe: Roman schreiben ist Handwerk. Das wird nicht anders laufen, als damals, beim Werbetexten (my first love). Da musste man auch eine gute Idee haben und drauf los schreiben und begeistert sein. Und dann kam der wichtigste Part: der Rewrite. Nur wer sich selbst kritisch korrigieren kann und dabei nicht kleinredet oder mutlos wird, sondern das Große stehen lässt und das Überflüssige wegstreicht und dann noch so oft drüber geht, bis es rund ist, kann Menschen berühren.

Das wird neben dem ganzen Spaß also auch noch ein ordentliches Stück Arbeit. Macht nichts, I am up for it.

P.P.S.: Auch wenn ich durch meinen Mann, der ja Storytelling unterrichtet, was Dramaturgie angeht mehr als auf dem Laufenden bin, schaue ich zur Inspiration und zum Finetuning jetzt auch immer wieder in gute Bücher.

Vollgas

Das sind zur Zeit meine Lieblinge – und absolut empfehlenswert, für jeden der schreibt. Nicht nur Romane, sondern auch Mails, PR-Texte, Werbetexte oder Posts.

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Robert McKees Buch Story: Die Prinzipien des Drehbuchschreibens ist ein all-time-classic. Lasst euch nicht vom Titel verwirren – das Buch ist nicht nur für Drehbuchautoren, sondern für alle, die IRGENDEINEN Text schreiben wollen, bei dem Leser dranbleiben. McKee ist Meister seines Fachs – und irgendwann werde ich es mir auch mal gönnen in sein fantastisches Story-Seminar zu gehen.

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Blake Snyders Buch Save the Cat!: The Last Book on Screenwriting You’ll Ever Need nehme ich immer wieder zur Hand – und habe auch schon einmal drüber gebloggt – , weil er auf so einfache und verständliche Art erklärt, worauf man beim Bau einer Szene achten muss. Und da jeder Text aus Szenen besteht, ist auch dieses Buch Gold wert.

Leider ist Blake verstorben – ich war auf fb mit ihm befreundet und fand immer toll, wie er all seine Energie in die Save the Cat Reihe gesteckt hat. Das hat sich voll gelohnt, denn seine Weisheiten sauge ich bis heute in mich auf. In meinem Herzen lebst Du also auf jeden Fall weiter, Blake.

Das Buch heißt übrigens Save the cat weil es in jedem Film oder Buch den einen definierenden Moment gibt, wo wir beginnen, den Helden zu lieben. Meist, wenn er etwas besonders Gutes oder Selbstloses tut – zum Beispiel eine Katze von einem Baum retten.

Noch etwas, was ich bei Save the cat gut finde ist, dass Blake ein Beat Sheet vorstellt, was quasi eine etwas andere dramaturgische Aufschlüsselung bietet als die Heldenreise. Mein kostenloses ebook zum Thema kennt ihr ja wahrscheinlich schon.

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Karl Iglesias Buch Writing for Emotional Impact: Advanced Dramatic Techniques to Attract, Engage, and Fascinate the Reader from Beginning to End ist etwas für alle, die bessere Dialoge schreiben wollen.

Karl hat sich genau angeschaut, was Dialoge brillant macht und welche Emotionen man mit welcher Dialogtechnik beim Leser auslösen kann. Denn am Ende ist es ja so, dass man auch OHNE das in einem Buch steht, wer den Satz jetzt gesagt hat, bei einem guten Dialog erkennt, wer spricht. Einfach weil die Figuren unterschiedliche „Stimmen“ haben, einen besonderen Humor, running gags und Lieblingsausdrücke verwenden. Weil sie eben SO reden und nicht anders.

Ihr seht schon, ich tauche jetzt lansgam richtig ins Thema ein. Aber anders geht das auch nicht. Wie immer im Leben, wenn man etwas gut hinkriegen will ;-)

In diesem Sinne: Ran an die Wurst.

Eure Svenja