Ich hätte euch ja gerne eine deutsche Überschrift gegeben. Aber manchmal ist die deutsche Sprache einfach nicht präzise genug. Vor allem, wenn es um Gefühle geht.

„Settling in“ ist nicht „sich einfinden“, auch nicht „sich reinfinden“ und auch nicht „sich einfühlen“. Weder „sich mit etwas vertraut machen“ noch „sich eingewöhnen“. Und doch ist es etwas, was ich gerade tue.

Denn „Settling in“ beschreibt das Gefühl, das ich nach knapp dem ersten Drittel der #100days Challenge entwickele. Und zwar auf ganz unterschiedliche Arten.

Settling in(1)

1.) Ich komme in meinem Körper an.

Natürlich habe ich immer noch jeden Tag Muskelkater. Aber anstatt darüber zu stöhnen, spüre ich in mich hinein, merke wie meine Muskeln langsam wachsen und fester werden. Wenn ich die Treppe hochhüpfe (und nicht mehr schleiche) habe ich das Gefühl: Das hier ist mein gesunder, kräftiger Körper.

Ich halte mich anders, ich bewege mich anders, ich nehme meinen Körper wieder positiver wahr. Weg von der Last und der Verdrängung dessen, was ich nicht mag. Hin zur Kräftigung und hin zum Stolz darauf, was mein Körper jeden Tag für mich leistet.

2.) Ich fühle mich viel attraktiver.

Da geht es jetzt gar nicht nur um die äußerliche Veränderung. Denn ja, nach 32 Tagen sieht man natürlich schon ordentlich was. Das hartnäckige Bauchfett beginnt zu schmilzen, die Beine werden straffer, die Winkearme verschwinden und insgesamt hat man das Gefühl, einmal grob gephotoshoppt worden zu sein.

Was aber viel wichtiger ist: Ich fühle mich innerlich attraktiver. Weil ich etwas schaffe, was ich mir kaum zugetraut habe. Aus meiner eigenen Kraft 100 Tage am Stück Sport zu machen. So ein großes körperliches Ziel vor Augen zu haben und das mit viel Mühe und Schweiß zu verfolgen.

ICH kann mir so ein ehrgeiziges Ziel setzen und werde das wahrscheinlich auch erreichen. Da denkt man schon einmal darüber nach, was man sonst noch so schaffen könnte, wenn man alles dransetzen würde.

3.) Ich beginne, Sport anders zu begreifen.

Bis jetzt war Sport für mich Mittel zum Zweck. Den MUSS ich machen, um in Form zu bleiben (oder mich erstmal in Form zu bringen). In guten Phasen habe ich das 4 Mal die Woche geschafft, in schlechten gar nicht. Klar, hat mir Sport in den Zeiten, in denen ich mich oft dazu aufraffen konnte, mehr Spaß gemacht. Weil ich dann gemerkt habe wie gut der Körper funktioniert und weil ich Erfolge gefeiert habe. Doch trotzdem war es immer irgendwie auf eine Quälerei. Es war das große MUSS, das wie ein Damoklesschwert über meinem Tag schwebte – außer in der Zeit, als ich mit meinem Personal Trainer Patrick trainiert habe. Denn eine Verabredung mit jemandem zu haben, der einem hilft die Übungen so durchzuführen, dass sie maximal was bringen, ist definitiv ein großer Anreiz und war DER Schlüssel, um mich nach den Kindern wieder in Form zu bringen.

Aber jetzt bin ich älter, die Lebenszeit rast und  der Schlüssel zu mehr Glück ist, das Leben zu verstehen. Und das kann ich gefühlt gerade nur, wenn ich mir meinen Sport selbst erobere. Lerne, welche Art von Bewegung mir wann gut tut. Und wie sich die unterschiedlichen Sportarten auf meinen Körper und auf meine Seele auswirken. Also höre ich genau hin. Turne mich durch Yoga, Pilates und Stretching. Lasse mich von den #100days Mitchallengern zu neuen Dingen inspirieren und verstehe, dass es auch Equipment gibt, das WIRKLICH Sinn macht. Weil es das, was ich erleben will, unterstützt.

4.) Ich verändere mich.

Oder um genauer zu sein: meine Seele verändert sich. Denn die beginnt tatsächlich in meinem Körper zu wohnen. Jetzt verstehe ich auch das erste Mal „Mens sana in corpore sano“. Natürlich kann ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper wohnen. Denn – mal ganz praktisch – wenn ich eine Runde laufen gehe und dabei so japse, dass ich es gerade noch nach Hause schaffe, dann bekomme ich von dem, was um mich herum vorgeht, nichts mit. Wenn ich meinen iPod voll aufdrehen muss, um mich zu motivieren, entwickelt sich kein inneres Zwiegespräch und auch kein Nährboden für kreative Ideen. Ich kann weder meinen Tag reflektieren noch meine Gefühle wahrnehmen.

Aber schon nach 32 Tagen Sport merke ich, wie meine gesunde Seele neue Freude entwickelt. Die Natur gibt mir plötzlich so viel. Butterblumen und Mohn, Rapsfelder und Pferdekoppeln. Mir springen Hasen über den Feldweg und Wolken treiben über das Feld. Manchmal fällt frischer Regen auf meine Haut. Manchmal wird sie von der Sonne gewärmt. Und dann gibt es diese eine Stelle, da wird der Feldweg von Haselbüschen gesäumt und es ist so windstill, dass ich jedesmal meine Jacke ausziehen muss und sie mir um die Hüften binde. Und das weiß ich vorher. Und ich freue mich drauf.

Beim Yoga gehe ich wirklich in die Dehnung hinein. Und ich merke, wie sich nicht nur die Haltung meines Körpers verändert, sondern wie meine Seele mit in die Dehnung geht. Mit der langen Streckung meines Körpers gleich zieht. Und ja, ich beginne wirklich meinen Körper zu öffnen und dort ganz vorne am Brustbein einen Platz zu finden, an dem meine Seele für einen Moment verharren kann, um sich mit etwas Größerem zu verbinden.

HALT. STOP. Ja, ich weiß, das klingt komisch.

Aber ich bin nicht auf einem Eso-Trip und ich summe euch auch kein Mantra. Außer vielleicht, dass es nie zu spät ist, ein gesunder, heiler und ganzer Mensch zu werden. Jemand, der gut mit sich alleine sein kann und dabei viel Kraft sammelt, um anderen etwas zu geben. Was nach einem Drittel der Challenge also steht, ist das Gefühl, langsam aber sicher in meinem Körper anzukommen. Bei mir anzukommen. Und auf diesem Weg von einer Gemeinschaft getragen zu werden und diese mitzugestalten.

I am settling in. Und falls ihr das alles auch endlich fühlen wollt: ihr wisst ja, wo ihr die #100days Gruppe findet.

Alles Liebe

Eure Svenja