Bei mir hat sich in den letzten Wochen viel verändert. Ich dachte ja, dass die #100days Sportchallenge bewirkt, dass ich total fit und muskulös werde und in Spitzenform in den Sommer gehe. Was tatsächlich passiert ist, habe ich nicht vorhergesehen – und gerade deshalb möchte ich es euch an meinem Tag 69 der Challenge erzählen.

1.) Sport ist nicht mehr ein „Must do“, sondern das erste Mal in meinem Leben „Zeit für mich“. Was habe ich die Menschen immer bewundert, die Bewegung als Zeit für sich empfunden haben. Ich konnte mich zwar schon immer gut aufraffen und hatte den Schweinhund an einer kurzen Leine – aber dieses „Ich tue mir was Gutes“ Gefühl hatte ich nie. Klar, hinterher, unter der Dusche, da war ich froh, es geschafft zu haben. Aber währenddessen wollte ich eigentlich meist nur, dass es möglichst schnell vorbei ist.

2.) Ich spüre meinen Körper. Ich nehme plötzlich wahr, was er mir sagen will. „Mach heute mal langsamer“. Oder „Da geht noch was“. Da bin nicht mehr ich auf der einen Seite und mein Körper auf der anderen. Das muss die wahre Bedeutung von „Körperbewusstsein“ sein. Wie gut es tun kann, sich langzustrecken, wenn der Körper genau das jetzt braucht. Im Einklang mit dessen Bedürfnissen zu leben und nicht in der Verdrängung. Ihn zu pflegen, anstatt ihn zu schinden.

3.) Die #100days Challenge ist tatsächlich eine Herausforderung. Denn es geht nicht nur um Sport. Es geht um mich. Darum, wie ich die Welt sehe und was mir wichtig ist. Kann Bewegung wirklich die innere Einstellung zum Leben verändern? Ja, kann sie – und ich sage euch auch wie.

4.) Yoga. HALT, nicht aufhören zu lesen. Ich fand Yoga auch immer Scheiße. Zu langsam, zu seltsam. Eine Gruppe von Verschworenen, die (ähnlich wie die ausgeflippten Veganer, HAHAHA) so tun, als hätten sie jahrhundertealtes Geheimwissen für sich gepachtet. Warum ich das so empfunden habe? Weil ich keinen Zugang hatte. Weil mir niemand erklärt hat, worum es bei Yoga wirklich geht. Und weil ich zu oft gehört hatte: „Du brauchst einen SUPERlehrer“ und ich den nie gefunden habe. Anstatt gleich drauf zu kommen, dass ich mir auch das wie alles andere im Leben selbst beibringen kann.

5.) Wer suchet, der findet. Ich habe einfach so lange im Internet gesucht, bis ich die Videos der Amerikanerin Tara Stiles gefunden habe. Ihre Art sich zu bewegen hat mich total angesprochen. Daraufhin habe ich mir ihr 4er-Dvd Set bestellt und einfach losgelegt. Am Anfang bin ich den Übungen natürlich eher hinterhergehampelt, als dass sie mir irgendwas gebracht hätten. Aber ich bin drangeblieben. Tag für Tag. Und habe gemerkt: AH, SO geht das. Hier meine bahnbrechende Erkenntnis: YOGA IST KEINE KUNST. Yoga ist das Zusammenspiel von Übungen und Atmen. Es gibt Übungen, die fühlen sich besser an, wenn man dabei einatmet. Und Bewegungen, die man besser ausführen kann, wenn man ausatmet. Durch diese bewusste Verbindung von Atem und Übungen kommt man in einen Rythmus, der schlicht und einfach gut tut. Früher habe ich beim Sport eine Übung an die andere gehängt, in einer Art Sportstaccato. Heute komme ich bewegungs- und (haltet euch fest, jetzt kommt es) bewusstseinstechnisch in einen Flow, der mir wahnsinnig gut tut. Ja, hört sich mal wieder esoterisch an. Da ich mich aber seitdem so gut wie noch nie in meinem Körper fühle, muss ich euch das genau so sagen, wie es ist.

6.) Ganz nebenbei habe ich, seit ich hauptsächlich Yoga in der Challenge mache, 4 Kilo abgenommen. Und das nur mit Bewegungsfolgen, die mir gut tun und mich mit mir verbinden. Ins Schwitzen komme ich auch – denn körperlich ist Yoga kein Schlafzimmerprogramm, sondern oft eine Herausforderung. Es geht viel um das Dehnen und Stretchen, das Halten einer Position und um die Herausforderung sich in das Halten einer Position einzufühlen. Nicht wie sonst um das Pumpen, die Wiederholungen, das Schaffen von etwas und das Zählen. Beim Yoga muss man nicht gut sein und besonders tief runterkommen. Es geht vielmehr darum, bei sich zu sein und seinen Körper wahr- und anzunehmen – und DADURCH wird man fit UND geistig stabil. Und der Körper verändert sich und wird langgestreckt und gezogen und schlank aber athletisch. Nicht die schlechteste Kombi.

7.) Der Flow hört nicht beim Yoga auf. Ich mag jetzt auch Musik hören, die zu diesem Lebensgefühl passt. Und ich halte es nicht für einen Zufall, dass unser Freund der Familie und herausragende Pianist Marcus Loeber eine DVD eingespielt hat, die Flow heißt – hier könnt ihr in die Stücke reinhören. Ich lasse sie ganz oft laufen, wenn ich meine Übungen mache und es geht mir wahnsinnig gut damit. Hundert Prozent meinesvenja approved.

8.) Eine ganz andere Art von Musik – weniger pur, dafür in einem guten Rythmus für meinen Atem – ist diese hier, die ihr bei youtube hören könnt.

9.) Apropos: der Flow endet nicht bei der Bewegung. Ich habe ja den Online Kurs Sketchbook Skool belegt. Dafür musste ich diese Woche etwas mit Liebe betrachten und es zeichnen. Die Wahl fiel auf Lola, das erste Kuscheltier meines ersten Kindes Lis, das sie bis heute jede Nacht im Arm hält.

Flow

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Danach habe ich mich an ein Projekt gesetzt, was ich meiner Tochter fest versprochen habe – mehr dazu nächste Woche. Und schon wieder war ich total im Flow, die Zeit verging wie im Rausch und ich hatte jede Menge Spaß.

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10.) Langsam aber sicher merke ich: die #100days Challenge führt nicht dazu, dass ich 100 Tage Sport mache, sondern dass ich mich 100 Tage bewege. Mit dem Körper, im Kopf, kreativ. Indem ich meinen Lebensrythmus ändere, entschleunige, wenn es mir gut tut und einen Zahn zulege, wenn es sich richtig anfühlt. Ich lasse häufiger alle Fünfe gerade sein und bin mir treuer. Ich schaue mir an, was ich wirklich in meinem Leben möchte und spüre, dass manche Dinge, die ich täglich mache, nicht dazugehören. Die lasse ich jetzt nach und nach los – indem ich sie einfach sein lasse. Das finde ich unglaublich befreiend und schön.

Ich hätte nie gedacht, dass in 100 Tagen so viel in mir passieren kann. Und rufe allen, die mit mir auf dieser Reise sind, fröhlich zu: „So happy to be on your team“.

Alles Liebe

Eure Svenja