Ihr Lieben,

ich habe schon oft über meinen Freund Florian geschrieben. Florian hat immer nur Gutes in mein Leben gebracht, mir schon tausendmal geholfen und vor allem: mir immer wieder die Augen geöffnet. Wie zum Beispiel hier, beim Besuch einer Tierauffangstation.

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Jetzt braucht er meine und unsere Hilfe, denn ihm liegen die Weltmeere und deren Bewohner sehr am Herzen. Durch seine wiederholten Reisen in die Unterwasserwelt und seine Fotos, Filme und Artikel (und nicht zuletzt seine Arbeit als Moderator bei Antenne Bayern und im Fernsehen) hat er schon sehr viele Menschen zum Nachdenken gebracht – und dazu, ihr Verhalten zu ändern. Ich wünsche mir, dass ihr seinen Artikel aufmerksam lest. Auch für mich ist wieder viel Neues dabei. Mit dem folgenden Video nimmt Flo an einem Wettbewerb teil, der ihn wieder in eine neue Region des Meeres schicken wird, um uns davon zu erzählen. Um ihm zu helfen, müsst ihr nur dieses von ihm selbstgedrehte Video anklicken und anschauen – und wenn ihr es mögt, ein Like schenken.

Tausend Dank,

Eure Svenja

Mit großen Fischen schwimmen – von Florian Weiß

Hast Du Doch schon mal weit draußen Deinen Kopf unter Wasser gesteckt und durch eine Taucherbrille in ein blaues Nichts geblickt? Und mit Nichts meine ich auch nichts. Kein Riff, kein reflektierendes Licht vom weißen Sand am Grund, kein Bezugspunkt, der Sicherheit gibt. Unter Dir tut sich ein Abgrund in diffusem Blau auf, der sich nach wenigen hundert Metern in totaler Finsternis verliert.

Dieses Gefühl macht den meisten Menschen Angst. Es ist wie die Tür in ein unbekanntes Universum. Ich hatte als Kind diesen Alptraum, über dem Marianengraben, der tiefsten erforschten Stelle der Weltmeere, zu schwimmen und plötzlich zu sinken. Ich weiß nicht warum ich mich trotzdem mit Anfang Dreißig und gerade frisch getrennt, von einem Freund zu einer Tauchsafari auf den Malediven habe überreden lassen. Zwei Wochen auf einem dürftig ausgestatteten Boot, mit acht anderen Wasserratten in viel zu kleinen Kajüten  und einem chronisch griesgrämigen Expeditionsleiter.

Kaum zu glauben, aber  das hat meine Leben für immer verändert. Ich wollte danach keine Städte mehr sehen, Berge besteigen oder Roadtrips machen. Ich wollte nur noch mit großen Fischen schwimmen. Und das habe ich getan bis das Konto nicht mehr blau sondern tiefrot war. Es war mir egal. Diese Reisen haben mir tausende, unbezahlbare Momente für immer in mein Gedächtnis gebrannt. Ich bin mit wilden Orcas auf Galapagos getaucht, habe Schulen mit hunderten Hammerhaien auf Cocos passieren lassen, bin in Mexiko im Schatten der größten Mantas der Welt geschwommen, habe auf den Bahamas die Muskeln eines zwei Zentner schweren Tigerhai Weibchens mit meinen eigenen Händen gespürt und weit draußen auf dem offenen Pazifik in fast vierzig Metern Tiefe die Schwanzflosse eines ausgewachsenen Walhais knapp verfehlt… besser ist das. Ein Rempler vom größten Fisch der Welt ist nämlich, als wenn man vom Bus angefahren wird.

Ich möchte, dass meine Kinder eines Tages die Chance haben das zu sehen, was ich gesehen habe. Weil es wunderschön ist. Weil man nirgendwo sonst wilden Tieren so nahe kommt. Weil Tauchen wie Fliegen in unerforschten Galaxien ist. Vielleicht auch weil es in uns drin ist. Wir kommen aus dem Wasser, wir sind aus Wasser gemacht. Wir sollten also allein aus genetischen Gründen eine Vorliebe für Wasser haben. Ich weiß heute, nach allem was ich gesehen, gehört und gelesen habe, dass die Weltmeere nicht nur der Ursprung des Lebens sind, sondern auch das Ende. Ein Ende, dass wir in beängstigender Geschwindigkeit vorantreiben. Wir überfischen, vergiften und rotten aus – mit militärischer Präzision.

Die Menschen führen Krieg gegen den Fisch. Die großen Flotten arbeiten mit High-Tech Kriegsgeräten, um Schwärme in immer tieferen Tiefen aufzuspüren. Dabei wird nur ein überschaubarer Teil wirklich gegessen. Für ein Kilo Schrimps landen laut Greenpeace und WWF bis zu 20 Kilo (!!!) Kilo Beifang tot im Meer. Die Quote für Fischstäbchen ist in einigen Teilen der Welt ähnlich dramatisch. Schildkröten, Robben, Delfine, Haie, Rochen und andere Tiere, die als nicht „verwertbar“ gelten, werden tot ins Meer zurückgekippt. Sie ersticken in den Netzen oder an Bord, bevor sie aussortiert werden können. Die Statistiken sind erschreckend, die Folgen nicht absehbar. Wir zerstören das Ökosystem, das mehr als zwei Drittel der Menschheit ernährt. Noch.

„Der Mensch schützt und bewahrt, was er liebt“. Das hat einer der berühmtesten Taucher der Welt, Jacques Cousteau, gesagt. Vielleicht liebst Du das Meer und seine Bewohner nach meinem Film und diesem Blogpost ein wenig mehr. Weil ich ganz fest daran glaube, dass wir es nicht ohne sie schaffen. Und die gute Nachricht ist: wir KÖNNEN es schaffen. Wir machen Fortschritte! Die Menschen begreifen MEER und MEHR. In China ist die Nachfrage nach Haifischflossensuppe um fast 85% zurückgegangen, nachdem prominente Tierschützer und Organisationen jahrelang auf das brutale  Abschlachten aufmerksam gemacht haben. Bis heute sterben jedes Jahr siebzig Millionen Haie für eine geschmacksneutrale Suppe. Die chinesische Regierung konnte irgendwann gar nicht mehr anders, als diese „Delikatesse“ von offiziellen Staatsbanketten zu streichen.

Es gibt noch mehr gute Nachrichten: die Aktie von Sea World ist im August 2014 um ein Viertel eingebrochen, nachdem die Dokumentation „Blackfish“ um die Welt ging. Der Film zeigt das, was Sea World nicht zeigt: Orcas und Delphine in viel zu kleinen Becken. Angriffe gegen Trainer aufgrund schwerer Neurosen nach jahrelanger Misshandlung. Inzwischen hat auch der letzte Flipper Fan zumindest mal davon gehört, dass Tiere, die in der Wildnis jeden Tag mehrere Kilometer in großen Familienverbänden zurücklegen, ihr Leben nicht alleine in einer Badewanne verbringen sollten. Aber Sea World ist eine Multimillionen-Dollar AG, die Rendite schon immer über das Wohl ihrer Akteure gestellt hat. Denen ist es scheißegal ob ein Orca durchdreht, solange genug zahlende Kunden ihren Folterzirkus finanzieren. Den Menschen offenbar nicht, sie lehnen Sea World mehr und mehr ab. Danke.

Erst heute habe ich von einem 19jährigen gehört, der ein weltweites Projekt namens „The Ocean Cleanup“ vorantreibt. Der Junge will tausende Tonnen Plastikmüll aus den Meeren fischen, ohne einen einzigen Fisch dabei zu verletzen. Die Idee ist klasse, das Geld dafür kommt von tausenden Privatspendern. Ich glaube, dieser Plan ist so verrückt, dass er klappen könnte.

„Wenn die Ozeane sterben, sterben wir“. Diesen Satz predigt Paul Watson seit fast vierzig Jahren. Der Mann, der in den 70ern „Sea Shepherd“ gegründet hat, die inzwischen größte und wahrscheinlich effektivste  Meeresschutzorganisation der Welt. Ich glaube ihm. Und ich hoffe wir kriegen die Kurve. Sonst werden die Bilder, die ich Euch von meinen Reisen mitgebracht habe, nie wieder lebendig.

Noch eine letzte Sache. Ich bin ein paar mal gefragt worden, was man denn noch aus dem Meer essen könne, ohne alles falsch zu machen. Am besten so wenig wie möglich. Aber das hört keiner gerne. Wenn also Fisch, dann lieber kleinen als großen. Denn Sardinen oder Sardellen pflanzen sich sehr viel schneller fort als beispielsweise Thunfisch. Der muss mindestens fünf Jahre überleben um geschlechtsreif zu werden. Und das ist im Mittelmeer und im Atlantik inzwischen fast unmöglich. Dort wurden 85% der Bestände ausgerottet um unsere Pizzen und Reisbällchen zu bestücken (einen sehr anschaulichen und kurzen Beitrag dazu findet Ihr hier).

Was ist mit Lachs?  Auf den meisten Supermarkt-Verpackungen steht „Aus Aquakultur in Norwegen“ drauf. Ist das gut oder schlecht? Ich habe mich in diesem Fall auf Christian Rach verlassen. Der hat einen Betrieb besucht und kritische Fragen gestellt. Das Ergebnis schmeckt dem Lachsfan. Verhältnismäßig viel Platz in den Netzen. Kein Einsatz von Antibiotika. Gemüse im Futter. Und vor dem Schlachten werden die Fische per Elektroschock betäubt. Kann man so glauben. Ob es deshalb gut und richtig ist, muss jeder für sich entscheiden.

Ich sehe Fische lieber schwimmen ;)

Euer Flo

P.S:: Hier nochmal Svenja. Wer es noch nicht angeschaut hat: hier geht es zu Flos Video. Bitte unterstützt ihn, indem ihr es anseht und bei Gefallen den Daumen hoch drückt!