Ihr Lieben,

ich hatte mal einen Freund, den ich sehr geliebt habe. Damals hat uns das Schicksal eng zusammengeschweißt, weil ich ihm das Leben gerettet habe. Heute weiß ich: jemandem das Leben zu retten heißt nicht, dass man für immer zusammenbleiben muss. Oder dass man nur gut füreinander ist. Nein wartet, lasst mich das nochmal anders formulieren. Das weiß ich nicht erst heute.

Das wusste ich auch damals, am Ende unserer Beziehung, als ich ihn verlassen habe, weil ich das Gefühl hatte: „Irgendwas stimmt hier nicht“. Schon da wusste ich, dass man sich auch trennen darf, wenn vieles sich richtig anfühlt. Weil sich eben manches falsch angefühlt hat.

Immer wieder gab es diese Momente, in denen ich dachte „So ist das nichts für mich“. Die Folge waren Hauruck -Aktionen, große Diskussionen und große Versöhnungen. Ich habe Sachen durch die Gegend geworfen (Ich??? Ja, das war ich. Aber nicht mein bestes Ich.). Aus lauter Verzweiflung, weil ich gespürt habe, dass es das nicht mehr sein kann. Nicht so, wie es war. Aber was soll man machen, wenn man gerade aufgehört hat zu studieren und eigentlich ein Praktikum bei einer Werbeagentur antreten wollte und alles klar ist – außer eben das Gefühl im Bauch. Das ist gar nicht klar.

Damals habe ich das einzige getan, was ging. Ich bin gegangen. Bin ausgezogen, habe die Stadt, in der wir wohnten, hinter mir gelassen. Um wenige Tage später festzustellen, dass ich ganz richtig lag mit meinem Bauchgefühl. Das Ding war schon lange nicht mehr so, wie es sein sollte. Ich war nur zu nah dran und hatte nie die Distanz und die Luft das für mich zu erkennen und zu entscheiden.

Die, die hier schon lange mitlesen ahnen vielleicht, was jetzt kommt. Genau das gleiche Problem habe ich wieder. Seit geraumer Zeit.

Fragt Ela oder Sonja, meine lieben Leserinnen mit denen ich mich diesen Sommer in Berlin getroffen habe und die mir nicht nur einen unvergesslichen Abend beschert haben, sondern mir auch das Gefühl gegeben haben: Da geht noch was. Das war für mich ganz special und hat genau zu dem gepasst, was ich gefühlt habe. Dafür ein Dankeschön, das von Herzen kommt.

Bildschirmfoto 2014-10-24 um 08.35.29

Fragt meine Bloggerfreundinnen und Lebensbegleiterinnen Sandra, Sue oder Stephie, mit denen ich manchmal täglich, manchmal wöchentlich darüber geredet habe, dass ich so nicht mehr will. Danke für euer immer offenes Ohr und die Zeit, die ihr meinen Themen immer wieder eingeräumt habt. Und auch für euer Verständnis, wenn ich manchmal in 5 Minuten drei 180-Grad-Wendungen hingelegt habe. You rock, girls. Eine für alle, alle für einen.

Bildschirmfoto 2014-06-30 um 18.37.39

Fragt Christine von Lilies Diary, mit der ich immer wieder so viele Dinge besprechen konnte, die wirklich nur sie auch so erlebt wie ich. Liegt vielleicht an der Größe des Blogs, vielleicht auch nur weil wir ähnlich ticken und mit RTL und Buchveröffentlichungen und anderen Medien sehr ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Bildschirmfoto 2014-10-24 um 06.18.21

Fragt meine Bloggerfreundin Stephanie aus Berlin, die vielleicht gar nicht weiß, wie viel mir ihre Worte zum Thema „Manchmal könnte ich alles hinschmeißen“ bedeutet haben. Die mich durch ihre kreative Art und ihre Feinfühligkeit immer ein Stück zu mir führt, wann immer ich mit ihr rede. Und die so innovativ ist, dass mir manchmal die Spucke wegbleibt.

Licht_aus-2

Fragt meinen Social Media Berater Thorsten Ising, der mich immer wieder ermutigt hat, noch besser zu werden und noch mehr Nutzen zu bieten. Dir verdanke ich den Meilenstein von über 100.000 Lesern. Aber mein besonderer Dank gilt Dir, weil Du so ein feiner Mensch ist – und nicht nur die Erfolge mit mir gefeiert hast, sondern Dir auch immer Zeit genommen hast, wenn mir alles zu viel wurde. Das war sehr wertvoll für mich.

Licht_aus-6

Oder fragt meine beste Freundin Almut, die mich begleitet, seit ich lebe. Durch alle Phasen, Männer, Jahre und Fragen an meiner Seite steht und mein Leben mit jedem einzigen Telefonat interessanter macht, als ich es mir jemals hätte ausmalen können. Die Freundin mit der Garantie, dass ich mich IMMER besser fühle, wenn ich mit ihr gesprochen habe (auch wenn vorher gefühlt die Welt unterging – Du lachst das für mich weg.) Und ja, das Bild ist aus 1997 – ich erinnere mich noch wie gestern.

Licht_aus-5

Aber zurück zum Thema und jetzt wird es endgültig Ernst. Ich habe also wieder das Gefühl, dass sich etwas nicht mehr richtig anfühlt. Nur diesmal ist es schlimmer.

Diesmal geht es nicht nur um mich.

Es geht auch um euch.

Wenn ich euch jetzt alles aufschreiben sollte, was ich an diesem Blog liebe, es würde Seiten füllen. Was ich mit euch erlebt habe. Durch euch gelernt. Mit euch gelebt und geliebt habe. Viele Erlebnisse haben mich wirklich sprachlos gemacht. Vor Glück und Erkenntnis, vor lauter Mitmenschlichkeit und tiefer Nächstenliebe.

Doch es gibt eben auch eine andere Seite – und ich weiß, die klingt manchmal an, aber die wirklichen Ausmaße kennt wohl nur mein Mann. Der kriegt sie zu spüren, die ganze Verzweiflung an Tagen an denen ich weiß: Das kann es nicht mehr sein.

Ich blogge seit sechs Jahren. Und auch wenn ich dabei selten aus der Bibel zitiert habe – jetzt muss ich das tun.

„Und der Herr sprach zu Mose auf dem Berg Sinai: Rede mit den Kindern Israel und sag zu ihnen: Wenn Ihr in das Land kommt, das ich Euch geben werde, dann soll das Land dem Herrn einen Sabbat feiern, eine Ruhezeit. Sechs Jahre sollst Du Dein Feld besäen und sechs Jahre Deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln. Aber im siebten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Sabbat halten. Da sollst Du Dein Land nicht besäen und auch Deinen Weinberg nicht bearbeiten.“

Meine Lieben, mein Herz klopft bis zum Hals.

Aber ich werde nie wissen, was noch drin gewesen wäre und wo mich dieses Gefühl, das etwas nicht mehr für mich passt hingetragen hätte, wenn ich ihm keinen Platz einräume. Das erste Mal, als ich dieses Gefühl hatte, mit meinem Ex-Freund, führte es mich zu meinem Ehemann und meinen Kindern. Das zweite Mal, als ich dieses Gefühl hatte, brachte es mich dazu, vom Schreiben zu leben. Und jetzt, jetzt ist Zeit für das dritte Mal.

Ich weiß nicht, ob ich wirklich ein Jahr brauche. Aber ich weiß, dass ich nicht mehr in dem Hamsterrad Blog gefangen sein will. Die Kontinuität, Disziplin und permanente Aufmerksamkeit, die dieser Blog von mir fordert, passt nicht mehr zu dem, was ich fühle. Ihr seht mit meinen Posts nur die Spitze des Eisberges. Die Anfragen, Kommentare, Mails, das Bedienen der Social Media Kanäle, Contenpläne, Contentproduktion, technische Verbesserungen (die Liste ist endlos) – die seht ihr nicht.

Das ist auch richtig so, denn ein Blog braucht eine gewisse Leichtigkeit. Nur dass sich das für mich eben nicht mehr leicht anfühlt. Mein Bauch meldet sich ganz deutlich und sagt: „Lass das bitte. So wie es jetzt ist, ist es nicht mehr Deins.“

Um das nochmal in mehr als meine heutigen Worte zu fassen, möchte ich euch meinen ersten Blogbeitrag ever aus dem Jahr 2008 zeigen – damals noch auf Englisch und mit Pony:

Today is the day

Bildschirmfoto 2014-10-25 um 06.52.26

Today is the day: I am starting my blog. Which actually means I am putting my way to live and to see things out there for you to read, enjoy and comment on. Most importantly I will show you how I am trying to live a creatively fulfilled life as an artist, crafter, mother and loving wife. To make this not too cheesy – there’ll be some gossip and girls stuff, too. Anyway, I hope you enjoy as I am stumbling along. I promise, I’ll show you everything I adore, learn and have big feelings for. In the end, that is what stays, isn’t it? To start, I post this picture of one of my very happy moments in my life. I am on holiday with my husband in NYC, sitting in the restaurant of the Whitney Museum of Art, enjoying this moment of life at its best. See me smiling?

Love
Svenja

DIESE Leichtigkeit und diese Fähigkeit mich wieder als „artist“ zu begreifen und Sachen zu schreiben, auf die ich richtig richtig stolz bin: DIE wil ich zurück. Oder besser: neu erfinden.

So. Und jetzt kommen wir zu dem, was ich nicht gerne hinter mir lasse.

Euch.

Ihr habt mich so viel erleben lassen. Ihr habt so oft mit mir gekämpft. Und ihr habt mir so viel gegeben.

Deshalb will ich ganz ehrlich mit euch sein: Was ich gerade nicht brauche ist eine neue Kolumne, ein neues Buch, ein Interview oder den Besuch eines Fernsehteams. Ich brauche kein neues Rezept und Niemanden, der den Download nicht ausdrucken kann und mich deshalb anschreibt.

Was ich brauche ist Stille. Ich möchte meine Aufmerksamkeit auf mein Innerstes richten. Nicht auf das, was zu erreichen nach außen immer so hübsch aussieht. Weil ich weiß, dass sich nur mit Abstand zum Trubel und einer Zeitspanne, in der es nicht um Ziele und Machen geht, ein neuer Weg für mich auftun wird. So war es immer und so wird es auch diesmal sein. Aber trotzdem ist es wirklich sauschwer, nach 6 Jahren hier loszulassen.

Deshalb bitte ich euch heute, dabei zu sein. Meine Hand zu halten, wenn ich das Licht ausmache und die Tür schließe. Erstmal für das restliche Jahr 2014. Und dann sehe ich weiter. Ich brauche jetzt die absolute Freiheit um zu schauen, was passiert, wenn ich mich mit einer leeren Tasse in den Regen wage. Welche Tropfen werden sich sammeln? Und wie wird der Regen schmecken?

In Gedanken trage ich euch in meinem Herzen und ihr seid immer dabei.

Farewell

Eure Svenja

P.S.: In der Zwischenzeit schreibe ich natürlich weiter auf meinem anderen Blog – das ist ja schließlich mein Beruf. Wer also mag, darf gerne die dazugehörige facebook Seite liken, um mich – wenn auch zu anderen Themen – immer mal wieder zu lesen.

P.P.S.: Wenn ihr weiter mitbekommen wollt, wohin mein Weg geht, tragt euch bitte auf jeden Fall für meinen Newsletter ein. Einfach nur eure Mailadresse eintragen und auf Anmelden klicken – dann bleiben wir beieinander.

Abgesehen davon, dass viele meiner Leserinnen gar nicht auf facebook sind, traue ich dem Verein nämlich auch nicht über den Weg, wenn es darum geht, mit euch Kontakt zu halten. Dass ich euch ganz schön vermissen werde, ist mir jetzt schon klar. Und wer weiß, vielleicht starte ich ja bald was Neues, was euch auch gefällt…. ;-) Mit dem Newsletter bleibt ihr auf jeden Fall up to date.

P.P.P.S.: Ich werde nie aufhören, zu schreiben. Hoffentlich bald Sachen, die noch mehr aus meinem Herzen kommen.

IMG_4271

Und jetzt ist er da, der Moment, in dem ihr meine Hand halten müsst.

Ich mache es aus, das Licht.

Ich schließe die Tür.

Ich drehe mich um.

Und ich gehe in meine Zukunft.

IMG_4404