Yin_Yoga

Gestern auf der Matte. Sieht harmlos aus, war aber heftig.

Ihr Lieben,

ich wollte ja nur ein bisschen auf die Matte gestern und hatte keine Lust, mich so fürchterlich anzustrengen. „Was Ruhiges“ dachte ich mir und „Immer schön langsam mit den alten Pferden“.

Und dann bin ich bei youtube von Hölzchen auf Stöckchen gekommen (oder besser von Yoga Stretching zu Yin Yoga) und war plötzlich mittendrin in einer Yin Yoga Klasse von Travis Eliot.

„Prima“, dachte ich. „Yin Yoga. Kann ja nicht so schwer sein. Die bewegen sich ja kaum.“ Und ich schwöre euch, dann begannen die längsten 67 Minuten meines Lebens (die Geburten meiner Kinder mitgezählt.) Denn was aussieht wie ganz wenig bewegen, hat einen ganz spannenden Effekt.

Da saß ich nun also drei bis fünf (!!!) Minuten in jeder Pose und sollte ruhig und stetig ein- und ausatmen. Dann macht das aber mal in einer Pose, in der die Muskeln zwiebeln, eine ganz komische Unruhe aufkommt oder sogar Aggressionen. Ich kannte das Gefühl bis jetzt nur von einer einzigen Dehnungsübung, die mal in einem anderen Yoga-Stretching Video vorkam. Den so genannten „Firetoes“. Vielleicht einfach mal kurz ausprobieren.

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Dazu setzt ihr euch einfach auf eure Füße, Zehen aufgestellt, und atmet. Wie die Yogalehrerin im Video anmerkt: „Es kann sein, dass diese Übung lange versteckte Emotionen hochkommen lässt. Manche Menschen werden dabei regelrecht sauer.“

Ich schwöre euch, wenn ich diese Übung länger als 30 Sekunden mache, könnte ich jemanden umbringen. Das Gefühl, das ich dabei habe, ist zum aus der Haut fahren. Eine wirklich strange Energie. Kann ja sein, dass das die Füße öffnet. Bei mir öffnet das aber auch das Potenzial zum Massenmörder.

Was ich nicht wusste: Das ist kein Zufall, sondern es gibt jede Menge Übungen, die das mit mir machen. Was ich auch nicht wusste: Einige dieser Posen sind in den 67 Minuten Yin Yoga enthalten, das ich mir gerade ausgeguckt hatte. Aber das Wichtigste, was ich nicht wusste – und das ist das, was ihr euch unbedingt selbst einmal gönnen solltet: Eine Stellung zu halten, die dieses Gefühl in einem auslöst und durch das Unwohlsein hindurchzuatmen, löst ganz andere Probleme. Nämlich die, die ihr gerade mit euch selbst habt.

Ihr wälzt ein Problem im Kopf hin und her. Werdet mit irgendwas nicht fertig. Ärgert euch über euren Chef oder einen Freund. Ihr seid unglücklich, weil ihr zu wenig Zeit für euch habt. Oder weil ihr durch die Kinder permanent fremdbestimmt seid. Durch diese „Stellungen“ des Lebens hindurchzumüssen, nervt mitunter ganz schön. Aber im Yin Yoga selbstgewählt Stellungen zu halten, die eine ähnliche körperliche und dadurch auch mentale Unruhe auslösen, hilft, mit den anderen Dingen besser klarzukommen.

So als würden sich zwei Ebenen miteinander vereinen. Und als könne das echte Leben davon profitieren, dass man es auf der Matte „nachstellt“. Indem man dort die Unausweichlichkeit aushält, anstatt sie wegzuschieben oder zu verdrängen.

Nie hätte ich gedacht, dass fünf Minuten in ein und derselben Position so viel mit mir machen. Mir so viel Kraft geben und so viel Zentriertheit. Also: NACHHER, nicht unbedingt währenddessen. Ich war zwischendrin nämlich echt froh als Travis im Video sagt: „Es ist ganz normal, dass ihr euch gerade fühlt wie 90.“

Yin Yoga geht auch für Anfänger

Das schreibe ich euch übrigens alles, weil dieses Video für jeden geeignet ist – auch für den totalen Anfänger. Und wenn ich ehrlich bin: Mit sowas hätte ich gerne angefangen, weil ich sofort kapiert hätte, was Yoga wirklich ist. Keine Sportart und kein Trend. Keine Hippiebewegung und auch nichts Esoterisches. Sondern die Möglichkeit, seinen Körper auf der Matte zu stärken – für das, was ihn im Leben erwartet. Und das, was ihm im Leben begegnet, auf der Matte zu verarbeiten.

Wer also schon immer der Meinung war, dass Psychotherapie nichts bringt, weil er wenigLust hat, sein Innenleben vor einem quasi Fremden auszubreiten, für den könnte das hier der Durchbruch sein.

Don’t excercise, innercise.

Danke Travis Elliot für diese wunderbare Erkenntnis.

Und jetzt ihr – wer traut sich?

Einen guten Start in die Woche – mit oder ohne Yin Yoga.

Eure Svenja