Wir saßen alle da und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Für einen kurzen Moment, nachdem Michaela ihre Blogidee vorgestellt hatte, war Stille. Und dann überschlugen wir uns alle. „Das ist ja super!“ „Das würde ich sofort lesen.“ „Das ist eine Spitzenidee.“

So geschehen in meinem Seminar, an dem Michaela teilgenommen hat und uns ihre Idee präsentierte. Selten habe ich erlebt, dass ein Konzept so schnell und eingängig angenommen wird. Schließlich waren wir die Zielgruppe. Als Michaela uns dann noch ihren Designentwurf präsentiert hat (Entwurf ist eigentlich echt zu wenig – das Ding STAND wie eine Eins), sind wir nochmal vor Begeisterung an die Decke gegangen.

Nur die Menüführung war noch ein bisschen holperig für den Erstleser. Kenne ich aber auch von Projekten, dass einem selbst alles klar ist und der, der das erste Mal drauf schaut sagt: „Hä? Wo muss ich jetzt klicken? Versteh ich nicht?“.

Aber da war Michaela ein „good sport“ wie man so schön sagt. Sie hat nachgefragt, um alles genau zu verstehen. Und dann unsere Anregungen aufgenommen und so umgesetzt, wie sie es für richtig hielt. Meiner Meinung nach eine Eins Plus mit Sternchen.

Ich bin sowas von stolz euch heute ihr Blogbaby vorstellen zu dürfen, das erst seit Juni online ist. Es heißt „Friday Night Book Club“ und ist das virtuelle Pendant ihres im realen Leben existierenden Buchclubs. Dort treffen sich jeden Freitag vier Frauen in Berlin, um sich auszutauschen. Nicht nur über die Bücher, sondern auch über das Leben.

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Manchmal haben Sie Gäste, die die Hauptrolle spielen. Manchmal sind es die Bücher. Manchmal die Lebenssituation einer der Damen oder ein ganz frisches Erlebnis aus dem echten Leben. Wichtig ist eigentlich nur die feste Größe, die diese Abende für alle sind. Ein Hafen, in den man einlaufen kann – und jedes Thema ist willkommen.

Und weil immer wieder Menschen dazustoßen wollen, die Damen sich aber wegen der Praktikabilität der Terminabsprachen entschlossen haben, die Gruppe klein zu halten, ist der Friday Night Book Club jetzt online gegangen. Und Michaela schreibt für uns über das, was dort passiert. Bildschirmfoto 2015-07-15 um 06.02.17

Natürlich gibt es jede Menge Buchkritiken – und zwar keine trockenen, inhaltlichen, sondern subjektive, die ich verstehe. Denn was ist eine Kritik wert, wenn ich nicht weiß, wer sie äußert? Hier ein kleiner Auszug aus der Buchbesprechung zu „Läuft da was?“, einem Roman über die Midlife-Crisis, den Familienalltag und ein Leben in der Fernsehbranche.

»Viel Klischee und nichts Tiefgreifendes«,  sagt Johanna, »zumal ich mir als Frau ohne Kinder eigentlich auch nicht den ganzen Alltagskram einer Großfamilie durchlesen muss.«

»Nett geschrieben«, sagt Bea. »Ich habe an vielen Stellen gelacht und mich durchaus wiedererkannt, zum Beispiel als das Handy von Annabel klingelt und sie sieht, dass „Kindergarten“ auf dem Display steht:
»Mein schönes Kribbeln ist weg und wird sofort ersetzt durch ein flaues Gefühl. Der Kindergarten ruft dich nämlich nie an, um dir mitzuteilen, dass dein Kind gerade überglücklich im Gras sitzt und mit Murmeln spielt.«
Und trotzdem war die Mutter von drei Kindern aus unserer Runde nicht 100% begeistert. »Was ich schon zuhause habe, mag ich eigentlich nicht noch in einem Roman lesen, da möchte ich mich mal in eine ganz andere Welt versetzen, ohne Kindergeschrei und Eheprobleme.«

Katrin fand das Buch sehr amüsant und konnte besonders die Lebenskrise der Protagonistin gut nachvollziehen.
»Ich bin da zwar schon drüber, aber mir ging es ganz genauso vor meinem 40sten Geburtstag, jetzt kann ich darüber herzlich lachen.«

Wisst ihr was ich meine? JETZT kann ich mir vorstellen, ob das Buch was für mich ist. SO mag ich das. Was ich auch mag: Michaela hat ganz andere Themen als ich und öffnet mir damit neue Gedankenwelten. So ist sie nicht nur viel gereist, sondern ihre Kinder sind auch älter.

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Und wenn sie darüber schreibt, wie ihr Sohn flügge wird und ins Leben startet – fern vom Familienheim und Mutters schützenden Flüglen – dann bin ich ganz bei ihr und kriege schon ein flaues Gefühl im Hinblick auf das, was da noch auf mich wartet. Was ich aber am allerschönsten finde an Michaelas Blog ist, dass ihr Bookclub und damit auch ihr Blog aus einer ganz großen inneren Sehnsucht heraus entstanden ist. Dem Wunsch nach Anschluss.

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„Ich hatte das Glück, viel in der Welt herumreisen zu dürfen und in verschiedenen Ländern und Städten leben zu können. In Florenz, Paris, San Francisco und zuletzt zwölf Jahre in Sydney. Aber was sich zunächst nur cool und abenteuerlustig anhört, ist am Anfang tatsächlich ziemlich schwer. Denn es ist etwas anderes, ob man irgendwo Urlaub macht oder dort lebt. Immer wenn die erste Euphorie über den eigenen Mut und über die neue Umgebung verflogen war, fühlte ich mich einsam. Ich brauchte Freunde!

Dazu suchte ich mir überall einen Buchclub, wo sich regelmäßig nette Leute trafen, um über Bücher und alles Mögliche zu reden. Und dort lernte ich dann nicht nur neue Freunde kennen, sondern ganz nebenbei auch noch die Literatur und damit die Sprache des Landes, die Mentalität der Leute, ihre kulturellen Eigenschaften und ihre landestypischen Gerichte.

Zurück in Deutschland stand ich vor demselben Problem: nach so vielen Jahren im Ausland fühlte ich mich erneut fremd, meine Freunde waren in der ganzen Welt verstreut und ich musste erst wieder Anschluss finden. Diesmal gründete ich selber einen Buchclub.“

Und an dem dürfen wir jetzt glücklicherweise teilnehmen. Ich bin Leserin der ersten Stunde und möchte euch Michaelas Blog ans Herz legen. Liket ihre Facebook Page – sie hat jeden Klick verdient und ich freu mich mit ihr wie Bolle, wenn sich durch diesen Post ihre Leserschaft weiter vergrößert!

You go girl.

Svenja