Der Grund, warum der US-Schwangerschaftsratgeber „What to expect, when you’re expecting“ zum Verkaufsschlager wurde, liegt klar auf der Hand. Der Titel gaukelt Frauen vor: „Hier zeigt Dir jemand, wie es hinter der magischen Tür aussieht. Dort, wo Du keinen Zutritt hast.“

Dass Du dazu an überirdischen Schmerzen vorbei musst, mehrere fremde Menschen Dir nicht zuerst ins Gesicht, sondern zwischen die Beine schauen und Du danach wahrscheinlich erstmal Hämmorhoiden hast, steht dort nicht. Auch nicht, wie Du die wieder in den Griff bekommst, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Heute weiß ich: Dass Geburten so ein Ritt sind, ist gut. Denn sie stimmen einen (im Gegensatz zu dem Buch) darauf ein, was wirklich kommt. Und glaubt mir: Dazu brauchen wir einen Hardcore Initiationsritus.

Wenn ich eine Infografik dazu basteln würde, wie mein Leben als Mutter momentan aussieht, würden 75 Prozent meiner Zeit auf Tätigkeiten im Haushalt entfallen. Dann nochmal 20 Prozent darauf, alle Familienmitglieder in ihrer jeweiligen Stimmung abzuholen und dabei zu begleiten, friedlich miteinander umzugehen und sich in diesen endlosen Sommerferien nicht zu langweilen.

In den restlichen 5 Prozent versuche ich zu arbeiten. Und es tut mir jetzt echt leid, dass ich all die Frauen enttäuschen muss, die noch keine Kinder haben und dachten da kommt jetzt: Die restlichen 5 Prozent habe ich für mich.

Denn frei nach dem Motto „What to expect, when you’re expecting“ kann ich euch schon mal sagen: „Not so much“. Die ersten Jahre sind die Hölle (Wer bin ich? Wann darf ich schlafen? Warum schaffen das alle außer mir?). Und danach bekommt das Leben einen starken Servicecharakter. Im Sinne von: Ihr macht den Service, die anderen entwickeln ihren Charakter.

Jetzt könntet ihr sagen: „Naja, aber Du hast Dich ja dafür entschieden!“ Ähem – eigentlich nicht. Entschieden hatte ich mich dafür, Kinder zu kriegen. Und eigentlich dachte ich auch so ein bisschen, dass ich weiß, wie das läuft. Schließlich war ich mal selbst eins und meine Eltern und mein Bruder und ich hatten es richtig nett miteinander. Bis sich meine Eltern scheiden ließen. (OK, das hätte ein Hinweis darauf sein können, dass Eltern sein nicht ganz so einfach ist, wie ich es mir so vorgestellt hatte.)

Aber: Ich will mich gar nicht beschweren. Ich bin ja aus dem Gröbsten raus, wie man so schön sagt. Und trotzdem gibt es immer mal wieder Momente, die mir zeigen, wie eingebunden ich tatsächlich noch bin. Meist sind das die, in denen ich wirklich mal rauskomme. Alleine irgendwohin fahre. In eine andere Stadt, ohne meine Lieben. Wo niemand etwas von mir erwartet. Das ist so shocking anders, als mein normales Leben, dass mir erst dann klar wird, was ich alles nicht habe.

So wie Anfang der Woche, als ich zwei Tage lang bei RTL unterrichtet habe. Zum einen ist es herrlich, stundenlang „blognerdisch“ zu reden, ohne dass die Menschen vor mir mich seltsam anschauen. Denn wenn man schon so lange in den Themen steckt, wie ich, ist es manchmal echt schön unter Gleichgesinnten zu sein.

Zum anderen komme ich am Abend des ersten Seminartags immer ins Hotel und habe das Gefühl, dass ich echt was kann. Nicht, dass ich das sonst nicht wüsste. Aber in meinem Alltag als Mutter und Bloggerin ist mein „Können“ und „Machen“ ziemlich selbstverständlich. Ihr kennt das sicher: Der Applaus, wenn man die Spülmaschine leerräumt, bleibt meist aus. Der wenn man um 6:30 einen Post online stellt, bevor alle aufwachen, auch.

Also habe ich mich am ersten Seminarabend mit Ansage belohnt. Mir ein total unveganes Wiener Schnitzel mit Pommes und Salat und ein Glas Weißwein auf mein Zimmer mit Domblick bestellt.

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Dabei Netflix geschaut: in Jogginghose und mit dicken Socken. Und dann habe ich es total krachen lassen und eine Creme Brulee und einen Espresso hinterhergeordert.

Danach war ich nicht nur total zufrieden, sondern wanderte mit meinem Weinglas in der Hand durch mein Zimmer und plötzlich war er da, mein Britney Moment. Mit Blick auf den Rhein und eine fremde Stadt und nach einem kurzen Face Time Intermezzo vermisste ich meine Familie wie durch eine Nebelwand – aber besser noch: Ich fühlte mich richtig gut.

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Ich hatte was geleistet. Ich hatte mich dafür belohnt. Und ich hatte jetzt bis morgen früh meine absolute Ruhe.

Ich schwöre euch: Ich hätte mich nicht besser gefühlt, wenn ich vor 10.000 kreischenden Fans eine reißende Bühnenshow hingelegt hätte und jetzt in der größten Suite, die Las Vegas zu bieten hat, über die nächtliche Stadt schauen würde.

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Und dann, weil Köln halt Köln ist, ging auf den Punkt ein Feuerwerk los, das sich im Rhein spiegelte.

Und weil dieser Moment so perfekt war, habe ich ein Foto für euch gemacht. Ich sehe zwar nicht aus wie Britney und meine Jogginghose hat beulige Knie, aber ich schwöre euch: Von innen funkel und strahle ich.

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Auf dass wir unsere seltenen, heiligen Momente feiern. Auf dass wir immer wieder stolz darauf sind, was wir alles leisten. Und darauf, dass wir immer wissen: Auch wenn unsere Arbeit meist nicht wahrgenommen wird – die anderen Frauen verstehen GENAU, dass wir es echt drauf haben.

Sisterhood forever!

Eure Britney Svenja