Meine Lieben,

ich hatte diese Woche mehrere Aha-Momente. Und zwar richtig fette.

Ihr wisst ja, dass ich schon ewig versuche, richtig zu schreiben. „Richtig schreiben“ heißt Romane schreiben, Kurzgeschichten schreiben, fiktional schreiben. „Falsch schreiben“ heißt bloggen. Fühlt euch jetzt bitte nicht vor den Kopf gestoßen, denn ich blogge saugerne und liebe es, mit euch zusammenzusein. Nur dass für mich eben immer klar war, dass das Bloggen so eine Art Übergangsstation ist. Ein Stepping Stone auf dem Weg zu dem, was ich machen will, seit ich acht Jahre alt bin.

Nun habe ich ja diesen Monat viele Bücher verlost, was auch dazu geführt hat, dass ich mich ausgiebig im Internet über Bücher informiert habe.

Zuerst nur, weil ich alle Cover der EMF Bücher nochmal schön für den Superoktober fotografieren wollte. Doch dann bin ich immer weiter eingestiegen und unweigerlich bei Oprahs Book Club gelandet. Genauer gesagt bei diesem Video von Ayana Mathis, die mit ihrem Erstlingswerk im Bookclub besprochen wurde.

Ayana führt uns im Video im ehrenwehrten Iowa Writers‘ Workshop herum und zeigt uns die heiligen Hallen, in denen schon so viele bekannte Schriftsteller gefördert wurden. Sie redet darüber, wie hier ihr Buch entstanden ist und welche Schwierigkeiten sie beim Schreiben hatte. Und dann sagt sie ganz am Ende einen Satz:

„I knew that I was on the right track.“

Fragt mich nicht warum, aber  in meinem Kopf begann plötzlich ganz laut eine Alarmglocke zu schellen. Genau das war des Pudels Kern.

Zwei Tage später kam der nächste Hinweis. Ich war schon in Frankfurt und konnte deshalb leider nicht mit meinem Mann zu dem Vortrag von Christopher Vogler gehen. Christopher ist einer der großen amerikanischen Schreiblehrer, der sich schon sein ganzes Leben lang mit der Heldenreise beschäftigt. Wer schon länger mitliest erinnert sich vielleicht noch an meine 12-teilige Postreihe zum Thema. Solltet ihr die noch nicht kennen, empfehle ich sie mal zur Wochenendlektüre.

Glücklicherweise kennt mein Mann Christopher schon ganz lange und hat hier in Deutschland eines seiner Bücher herausgegeben. Deshalb hatte ich kurz die Chance, mit ihm zu facetimen. Und wie ich ihm so davon erzähle, dass ich ja gerade „nur blogge“ aber hoffentlich bald anfange „richtig zu schreiben“ sagt Christopher zu mir:

„It doesn’t matter what you are writing. As long as you are writing.“

Wie bitte? Ich musste mich erstmal hinsetzen. Konnte es tatsächlich sein, dass ich schon die ganze Zeit „richtig schrieb“ und es gar nicht bemerkt hatte???

Dann kam Hinweis Nummer 3.

Untitled design(9)Kaffeepause unter Bloggern: Michaela und ich

Michaela vom Friday Night Bookclub machte mich auf das Interview von Spiegelredakteurin Maren Keller mit Erfolgsautorin Jojo Moyes aufmerksam. „Super“, dachte ich. „Da kann ich sicher was darüber lernen, wie eine richtige Autorin arbeitet.“

Untitled design(8)Supersympathisch: Ich habe kurz vorm Interview noch mit Maren Keller gesprochen und sie hat mir verraten, dass auch Spiegelautorinnen vor solchen Interviews manchmal noch nervös sind. Danke nochmal für die tollen Fragen an Jojo!

Untitled design(11)So sieht die Spiegelbestsellerliste auf der Buchmesse aus: RIESIG!

Und dann erzählte Jojo wie sie acht Bücher geschrieben hat, die keiner haben wollte. Wie sich das Schreiben von „Ein ganzes neues Leben“ aber von Anfang an ganz anders angefühlt hat. Das Buch war von all ihren Büchern am einfachsten zu schreiben. Sie hatte keine ständigen „stops and starts“. Keine „crisis of confidence“. Ihr Mann sagte nach dem ersten Lesen einfach nur „Yep, really liked it.“ – und hatte keinerlei Kritikpunkte. Und „Ein ganzes neues Leben“ war von Anfang an ein Buch, das die Menschen, wenn sie es gelesen hatten, an ihre Freunde weiterverliehen.

Untitled design(12)

Außerdem verriet Jojo, wie sie anfangs dazu neigte, ihre Arbeit runterzuspielen – selbst nachdem sie diesen sensationellen Erfolg gelandet hatte.

„It is a very feminine thing to not want to show off. Maybe it is an English thing, too. I don’t know if it is German. But in America, if someone comes up to you and says „Oh, I loved your book so much.“ and you say „It was nothing“ they might answer „Well, what am I buying it for then?“. I really had to learn to say „Thank you, I liked writing it, too.““

Jojo sagte weiter „A book is 80 percent what the reader puts into it and 20 percent what the writer writes. I had people come up to me and ask me: „How could you do this? How could you put my life in your book?“ And I didn’t – it is just what they feel.“

All das kenne ich aus meinem Blog. Täglich schreibt ihr mir, dass ihr euch wiedererkennt, euch identifizieren könnt, dass ihr mögt, wie ich schreibe. Wenn ich auf der Buchmesse mit Verlagen spreche und ihnen erzähle, wie viele Leser ich habe, merke ich, dass ich komplett Ernst genommen werde. DIE wissen auch, dass das nur geht, wenn man schreiben kann.

Und ich? Stehe auf dem Schlauch und suche weiter nach dem Moment, in dem ich mich endlich so fühle, als wäre ich eine Autorin.

Und jetzt lacht nicht. Ich weiß, ich habe auch Bücher geschrieben. Aber die zählen ja nicht, weil das waren ja „nur“ Kochbücher und Ratgeber. Ich sehe quasi vor meinem geistigen Auge, wie ihr euch auf dem Boden kringelt.

Deshalb bin ich auch so froh, dass ich nicht die einzige bin, die länger braucht, um Dinge zu checken. Auch die oben schon erwähnte Ayana Mathis (und ich meine – wir reden hier über Frauen, die Erfolge in ganz anderen Größenordnungen feiern) sagte in einem anderen Teil des Oprah Interviews: „Ich kann manchmal nicht glauben, dass all diese Menschen mein Buch gelesen habe. Für mich ist es immer noch „mein Worddokument“ auf meinem Computer.“

Schließen möchte ich diesen Post mit einer letzten Anekdote aus dem Jojo Moyes Interview.

Als MGM die Filmrechte zu ihrem Buch erwarb hat Jojo eingewilligt, das Drehbuch zu schreiben. Irgendwann kam es dann zu einem Treffen mit den MGM Bossen in L.A. Jojo fuhr aufs Studiogelände und stieg in den Aufzug zur Executive Suite.

„And you step out of the lift and there is this huge reception area with all their Oscars up there. And I looked around and I really got it: OK. My life has really changed.“

In diesem Sinne

Eure Svenja, die so glücklich ist, dass ihr immer wieder gerne lest, was ich schreibe.