Ihr Lieben,

Berlin war der Wahnsinn. Eine Achterbahn der Gefühle, angefüllt mit Wissen und Begegnungen und ganz vielem, was sich in mir drin gedreht hat. Vor allem, weil das Seminar mit John Truby meisterlich war. Ich habe täglich 25 Seiten mitgeschrieben, weil alles, was er sagt, druckreif ist.

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John hat uns quasi sein „knowledge of a lifetime“ vermittelt – nur dass er natürlich noch viel mehr weiß. Das irre war, dass während ich da mitschreibe, Folgendes passiert ist: Ich habe mein ganzes Leben noch einmal neu strukturieren können. Habe verstanden, dass auch meine Lebenszeit einer Dramaturgie unterliegt und nach einem Schema abläuft.

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Dass ganz viel damit zusammenhängt, welche Rolle ich übernehme (Actionheld? Tragischer Held? Antihero? Comedian?). Welches Genre ich mir als mein Hauptgenre aussuche (Liebesgeschichte? Drama? Thriller?) Und natürlich: Welchen Widersacher. Was ich besonders lustig finde, denn ich hatte den Widersacher immer so verstanden, dass das ein „Böser“ sein muss. Ist aber gar nicht so – das ist einfach der Gegenspieler.

In eurer Ehe zum Beispiel ist der „Gegenspieler“ euer Mann. Das Spannende daran ist, das ihr immer nur so gut sein könnt, wie der Gegenspieler. Wenn ihr also einen schlapen Schluffen geheiratet habt, werdet ihr weniger wachsen, als euer Potenzial es eigentlich zulassen würde. Und wahrscheinlich wisst ihr das auch längst, denn man spürt das ja, wenn man unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Wer eine gute Story schreiben will muss immer darauf achten, dass die Hauptfigur und der Widersacher dasselbe wollen. Natürlich jeder auf seine Art und die ist nicht immer wirklich „gleich“. Zum Beispiel: Sich lebendig zu fühlen. Darunter versteht jeder was anderes und das kann in manchen Phasen zu Riesenkonflikten fühlen.

Während des Seminars ist also ganz viel in mir passiert und ich beginne nochmal ganz anders zu begreifen, dass Schreiben eigentlich nichts anderes ist, als meine Weltsicht auszudrücken. Wie ICH denke, dass Menschen miteinander leben sollten. Da ich genau das auf meinem Blog schon so lange mache, greift plötzlich alles herrlich ineinander – und das Seminar hat mich in eine ganz andere Umlaufbahn gebracht. Das hatte ich so nicht erwartet.

Am Ende der drei Workshoptage habe ich mich bei John bedankt. Dafür, dass er sein Wissen so großzügig mit uns teilt. Dass er sich so reinhängt, damit wir uns entwickeln können.

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Dass er so klar formuliert und so auf den Punkt bringt, was uns deutschen Autoren oft fehlt. Ein gutes Tempo für die Geschichte, ein Ziel, eine Spannungskurve, die den Leser in ihren Bann zieht. Und während ich mich bedanke, merke ich: Ups. Das wird ein ugly cry moment.

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Aber auch das habe ich gelernt: Wenn mich etwas so berührt und mir jemand das Handwerkszeug gibt, was mir mein Leben lang gefehlt hat, dann darf ich das auch zeigen. Und deshalb hat mich Johns „You really touched me“ am Ende unseres Gespräches auch besonders gefreut. Wer mit allem reingeht, was er hat und fühlt, wird eben belohnt.

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Und sonst? War ich in ganz vielen coolen Locations.

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Habe zwischendurch permanent mit meinen  Kindern telefoniert oder geskypt.

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Und es am letzten Abend noch geschafft, Claudia von den Hauptstadtmuttis zu treffen. Es war zwar echt schade, dass die zweite Hauptstadtmutti Isa nicht konnte, aber das holen wir nach. Kleiner Geheimtipp an dieser Stelle: Ich habe mit Claudia im „Lokal“ in der Linienstraße 160 in Mitte die beste Pasta meines Lebens gegessen. Thanks for showing me, Claudia.

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Am nächsten Morgen bin ich dann mit dem Zug und öffentlichen Verkehrsmitteln acht Stunden nach Hause gereist. Ich kann euch gar nicht sagen, wie schön das war, am Ende meiner Reise in unsere Straße einzubiegen, wo das Herbstlaub unter meinen Füßen raschelt. Wo meine Kinder hinter der Tür vor Freude auf und ab hüpfen. Wo der Wasserstrahl in der Dusche genau die richtige Stärke hat und die Fußbodenheizung genau die richtige Temperatur.

Wo ich mir abends nach einem Großeinkauf im Aldi mit meiner Tochter einen kleinen Snack als TV Dinner anrichte und die aktuelle Scandal Folge schaue.

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Natürlich nicht ohne dass Johns ganze Regeln und Hinweise währenddessen in meinem Kopf mitlaufen.

Plötzlich sehe ich sie wieder alle: Die Helden und die Gegner. Das, was sie am allermeisten wollen. Und das was ich am allermeisten will.

Schreiben.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: John hat schon angekündigt, dass er im Februar nächstes Jahr wieder nach Deutschland kommen wird. Er wird mehrere Tage über die Struktur aktueller TV Dramen und Comedies sprechen. Da mir ein paar Leserinnen nach meinem ersten Seminarbericht geschrieben haben: „Hättest Du das mal eher gesagt…“ mache ich genau das das nächste Mal. Euch Bescheid sagen, wenn ich mich zum Seminar anmelde.