Open upIrgendwo ist er: Der Zugang zu dem, was Dich ausmacht.

Ihr Lieben,

neulich habe ich euch geschrieben, wie wichtig es mir gerade ist, mir selbst zuzuhören. Seitdem ist mir etwas klar geworden. Das Ganze fing an, als ich ein Interview mit Adele gesehen habe. In dem wurde sie gefragt: „Wann wusstest Du, dass Du gut singen kannst?“

Sie erzählte, dass es einen Moment gegeben hat, da war sie 5 Jahre alt. Sie fing an zu singen und ihre Mutter schaute sie mit großen Augen an. So als wäre etwas Besonderes im Gange. Und dann, sagte Adele: „I guess no one ever told me to shut up.“

Ich saß kerzengerade im Sessel. DAS kannte ich. Das Gefühl etwas gerne zu machen und das immer weiterzuverfolgen. Nicht weil man dauernd ermutigt wird und gelobt und gepusht und gementort. Sondern einfach, weil einem niemand sagt, dass man besser damit aufhören sollte oder dass es nicht gut ist. Und auch weil es sich so richtig anfühlt und man sowieso nichts anderes machen möchte.

„Ist das wirklich so einfach?“ dachte ich. Reicht es, dass man nicht ENTmutigt wird, um mit etwas weiterzumachen?

Mhhh. Ich glaube da ist noch mehr. Nämlich das, was Adele in ihrer Grammy Dankesrede über den Song sagt, der ihr Leben verändert hat.

„Before anyone ever heard it, I felt it“, antwortete Adele. Auch da wieder: Ich, kerzengerade im Stuhl. Auch das kannte ich. Manchmal, wenn ich Dinge schreibe, dann weiß ich einfach genau, dass sie Menschen berühren werden. Dass sich etwas tun wird. Und genau wegen dieser Sache jemand auf mich zukommt. Mir etwas Persönliches schreibt. Mit mir arbeiten will oder mir etwas anbietet.

Nachdem ich Adele zugehört hatte, hatte ich das Gefühl, etwas auf der Spur zu sein. Etwas, das mich irgendwohin führen würde. Das kenne ich schon. Meist ist das die Materialsammlungsphase für einen Blogpost. Ab dem Moment habe ich so eine Stimmung auf dem Radar und jeder Satz, der diese Stimmung füttert, wird notiert.

Als ich nun gestern die zweite Staffel von Chef’s Table (finally!) auf Netflix schaute, schrieb ich mir permanent Sätze der Protagonistinnen auf.

Zuerst von Dominique Crenn, der ersten Chefin in Amerika mit zwei Michelin Sternen, die in Folge 3 portraitiert wird. Was für eine Heldenreise!

Im Alter von 18 Monaten wurde Dominique adoptiert und auch deshalb geht es ihr beim Gastgeben vor allem um das Miteinander.

„Mich interessiert der Moment, in dem man eine Verbindung knüpft. Das ist so ein entscheidender Augenblick.“

So wie Adele über ihre Musik kommuniziert, drückt sich Dominique über ihr Essen aus. Jede Kreation auf jedem Teller ist eine Verlängerung ihrer Persönlichkeit.

Als sie sich irgendwann überlegte, ob sie ein Restaurant eröffnen wollte oder lieber einen Raum, in dem sie sich frei entfalten konnte, wurde ihr klar: „I have nothing to lose.“

Also eröffnete sie das Atelier Crenn, wo die Menukarten wie Gedichte sind. Jede Zeile steht für ein Gericht. Und in jede Zeile und in jedes Gericht fließen Kindheitserinnerungen und -erlebnisse mit ein, um Menschen zu berühren und Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Denn das ist ja die ganz persönliche Note, die wir mitbekommen.

Die Erinnerung an geklaute Kirschen auf einem heißen Garagendach. An braune Beine und hochgekrempelte Jeans, mit der wir in der kalten Gischt der Nordsee herumspringen. Und an die Glückseligkeit eines buttrigen, warmen Kuchens bei unserer Großmutter im Garten, während die Vögel singen.

Und dann schaute ich Folge 5 an, in der die slowenische Köchin Ana Ros sagt: „Nur wer geliebt wird, kann etwas kreieren.“ Das ist es wohl, was ich schon die ganze Woche fühle und was Adeles Interview bei mir getriggert hat.

Menschen, die Dich lieben, lieben es auch, wenn Du etwas kreierst. Egal was es ist: Ob Du ein fantastisches Essen zauberst oder Deine Erlebnisse heraussingst. Ob Du etwas schreibst oder malst oder ein Hochbeet anlegst. Egal ob Du Deinen Kindern ein Kissen nähst oder ein Mobile mit ihnen bastelst. Wenn Du geliebt wirst, bestärkt Dich das, Dein Ich auszudrücken.

Das ist so ein schöner Gedanke, dass ich ihn nicht nur mit euch teilen, sondern euch auch ermutigen möchte.

Strickt, häkelt, tanzt, stickt, töpfert, pflanzt, kocht, backt, näht, malt, schreibt, singt und reist (ja, auch dabei kreiert man etwas – nämlich Erlebnisse für sich selbst und andere).

Tut wonach euch ist und was euer Herz zum Lachen bringt.

Don’t shut up.

Open up.

Alles Liebe

Eure Svenja