Ihr Lieben,

gleich vorweg: Ich habe kein Problem mit Makeup. Aber eben auch nicht damit, ungeschminkt aus dem Haus zu gehen.

Ich kenne all die Unsicherheiten, die Frauen haben. Mit 45 habe ich viele davon selbst erlebt und gefühlt. Durch einige bin ich gegangen wie durchs Feuer und auf der anderen Seite wie neugeboren rausgekommen. Einfach weil ich mich meinen Ängsten gestellt habe. Meist um dann zu merken: War alles gar nicht so schlimm.

Manche Zweifel hatte ich nie, z.B. nicht gut auszusehen – und das obwohl ich nie die Schönste im Raum war. Die, nach der sich alle umdrehen. Die mit den längsten Beinen, dem flachsten Bauch und dem makellosen Gesicht. Ich war nie zart und nie ein Püppchen und nie ein Model. Aber ich fühle mich verdammt wohl in meiner Haut.

Hashtag Ungeschminkt Hashtag no makeup Svenja Walter für die Zeitschrift Freundin www.meinesvenja.de

Ich, ungeschminkt

Ich werde auch gerne älter. Weil ich spüre, dass ich diese ganze Evolutionsnummer (Mann finden, Kinder kriegen) hinter mir und gut hinbekommen habe.

Jetzt steht was Neues an. Was Großes. Etwas, wo mehr ich und weniger die anderen dran sind. Und ganz ehrlich: Wenn man eh nie die Schönste war, was machen da ein paar Fältchen für einen Unterschied?

Von dieser zufriedenen Position aus fällt mir zunehmend auf, dass viele, die im Internet Erfolge feiern, anders nach außen gehen. Sie tun so, als würden sie geschminkt und gestylt aufwachen. Als würden sie nicht stundenlang shooten, um Bilder hinzubekommen, die aussehen, wie aus einem Fashion Magazin. Oder aus der Werbung. Oder aus einem Teatable Book.

Was sie „vergessen“ zu erwähnen ist, dass sie oft von professionellen Fototeams begleitet werden. Eigene Visagisten haben. Stylisten. Menschen, die ihre Foodfotos richten und die Requisiten dafür ranschaffen. Ich meine, bei manchen fragt man sich ja wirklich, ob die ein Porzellangeschäft haben.

Klar, keine Klamotte wird zweimal getragen und jede Duftkerze mit einem Affiliatelink versehen. Und wisst ihr was? Als Businessmodell finde ich das total OK. Aber was nicht OK ist, ist den Frauen da draußen zu signalisieren: Du kannst alles haben und zwar ohne Anstrengung.

Du kannst auf Highheels mit vollem Make up durchs Leben tanzen in dem schönsten Haus wohnen, Traumurlaube machen, professionell bloggen oder vloggen und das alles kannst Du GANZ alleine schaffen und daneben auch noch TOTAL glücklich sein und eine Traumfamilie haben und nie Probleme. Denn wenn euch eine aus Erfahrung sagen kann, dass das nicht stimmt, dann bin ich das.

Ich bin echt fleißig und diszipliniert und habe kein Problem damit, viel zu arbeiten. Aber bei mir kam viel in Phasen. Hoch und runter. Ihr wisst das, denn ihr habt mitgelesen. Oft in mir gelesen. Und mir weise Kommentare geschickt, die meinem Denken und Begreifen noch weit voraus waren.

Ihr habt mir Türen geöffnet, so wie ich euch Türen öffnen durfte. Und wenn sich für mich neue Dinge auftaten und ich Abenteuer erlebt habe, habe ich euch einfach mitgenommen. Aber: Wenn ich eine Fotoproduktion mit Hilfe mache, dann zeige ich euch das auch. Egal ob ich ein Buch schreibe oder fürs Fernsehen drehe – ihr wart immer hinter den Kulissen mit dabei. Weil ich nicht möchte, dass ein falsches Bild entsteht.

Weil ich es für antifeministisch halte, so zu tun, als könnte man mehr alleine stemmen, als andere zu Fünft. Weil ich nicht möchte, dass sich EINE Frau schlecht fühlt, weil ich vermeintlich etwas kann, was sie nicht kann. Hey, wir sind alle nur Menschen. Und KEINER ist besser als der andere.

Als Alicia Keys neulich den Open Letter über #nomakeup veröffentlicht hat, habe ich laut „Amen sister“ gerufen. In einem Interview sagt sie:

„Bevor ich mein neues Album startete, schrieb ich eine Liste an Dingen, die mir auf die Nerven gingen. Eine davon war, wie sehr Frauen eingetrichtert bekommen, sie müssten dünn oder sexy oder begehrenswert oder perfekt sein.“

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Ich, mit Grundierung und Rouge

Pfft. Scheiß auf perfekt. Wie wäre es mit authentisch? Oder humorvoll? Lebenslustig, inspirierend, mitreißend? Talentiert, einfühlsam, spannend? Das sind Frauen, mit denen ich mich umgeben möchte.

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Ich, halb geschminkt

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Ich mit Hair and Makeup

Als ich an dem Tag nach Hause kam, an dem die Schminkfotos entstanden sind, klingelte mein Nachbar Stefan an der Tür und hat sich halb scheckig gelacht. Womit bewiesen wäre: This is so not me.

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Ich liebe Alicia Keys für diese Sätze:

„Weil ich nichts mehr überdecken will. Nicht mein Gesicht, nicht meinen Geist, nicht meine Seele, nicht meine Gedanken, nicht meine Träume, nicht meine Kämpfe, nicht mein emotionales Wachstum. Nichts.“

Lieber stelle ich mich nackt auf eine Straßenkreuzung als so zu tun, als wäre ich jemand anders. Und ganz bestimmt werde ich in meinem Leben nichts mehr tun, um jemandem zu gefallen, der mir nicht gut tut. Der mich nicht sehen will. Und der in meinem Leben deshalb nichts zu suchen hat.

Jede Frau ist ihre eigene Liga. Jede hat ihre Art zu leben. Und je mehr Echtes sie von sich zeigt, desto schöner ist diese Welt.

Schließen MUSS ich diesen Post mit meiner Heldin Oprah. Ich glaube ich habe euch das Video schon mal gezeigt. Wenn eine die Vorreiterin der #nomakeup Bewegung ist, dann sie.

Und jetzt: Happy Weekend. Be as pretty as you are.

Love

Svenja