Gestern kam mein Mann in die Küche und sagte: „Hast Du den Blogbeitrag von Natalia gelesen?“ Hatte ich noch nicht. „Das ist ja zu 95% wie bei uns,“ so mein Mann weiter. Eine bessere Liebeserklärung, hätte er mir am Valentinstag nicht machen können. Denn Natalia schreibt darüber, wie eine glücklich Ehe wirklich ist. Wer verheiratet ist, wird sich wiedererkennen.

Das Tolle ist: Wenn Justin Timberlake sagt, er hat seinen „best friend“ geheiratet, dann habe ich das Gefühl von Minderwertigkeit. „Die haben alles“, denke ich. „Schönheit und Talent und Ruhm und Geld und Spaß und A-L-L-E-S.“

Aber wenn Natalia das schreibt, dann merke ich plötzlich: Ich habe ja auch meinen besten Freund geheiratet.

Was es für uns beide leichter gemacht hat war und ist: wir wollten immer uns. Wir sind beste Freunde. Wir lachen und streiten. Wir loten aus. Wir stecken ab. Wir erzählen uns. Von dem, was uns bewegt. Von dem was uns Sorge macht und von dem, was uns beglückt. Wir tauschen uns regelmäßig aus, wie wir unser Leben finden. Machen Inventur am Jahresanfang. Was wollen wir? Und wie? Und mit wem? Wir pflegen gemeinsame Freundschaften, aber auch die eigenen. Wir ermutigen uns und können uns aufeinander verlassen. Wir erleben Streit nicht mehr als Bedrohung. Sondern als Zeichen dafür, dass wir uns aneinander reiben müssen, wenn wir gemeinsam alt werden wollen. Einfach, weil es so viel Reibungsverlust gibt. Weil es das Leben einfach hergibt. “Man kann sich auch mal unglücklich und einsam fühlen, obwohl man nebeneinander liegt. Das heißt nicht, dass die Beziehung schlecht ist, sondern dass man eine hat”, sagt der Philosoph Jan Drost. Und ich finde: DA ist was dran.

Mein Mann ist meine Heimat. Er ist mein Ein und Alles. Er kennt mich und er schätzt mich. Und er ist immer noch verliebt in mich. Wie er mir gestern bei einem langen Spaziergang gesagt hat „wegen Deiner Intelligenz, weil Du so toll gebaut bist und wegen Deiner Energie.“

Strike, dachte ich. Und das nach fast 14 Ehejahren und zwei Kindern. Das soll ihm Herr Timberlake erstmal nachmachen.

Auch wir stimmen unsere Lebensentwürfe immer wieder miteinander und aufeinander ab. Aktuell will ich mehr Freiheit und vor allem: mehr Freizeit. Die hatte ich nämlich seit ich Kinder habe selten. Also richtige Freizeit. Nicht fünf Minuten einen Kaffee auf dem Gartensofa trinken – was ich ja schon als irre viel empfinde. Denn eigentlich hätte ich in den fünf Minuten ja auch eine Waschmaschine ansetzen oder die Spülmaschine ausräumen können.

Freiheit und Freizeit – was meine ich damit genau? Schaut man mein Leben von außen an, sieht es nämlich sicher ziemlich aufregend und abwechslungsreich aus – und irgendwie auch lässig. Nehmen wir nur mal die letzte Arbeitswoche.

Montag und Dienstag

Montag und Dienstag war ich bei der Eröffnung der Ski WM in St. Moritz.

Ein geschäftlicher Termin meines Mannes (der unter anderem den saucoolen hölzernen Skifahrer erfunden hat, auf den wir dann auch hochsteigen durften.)

Und so sah das aus, wenn man im Helm des Skifahrers war, wo der DJ aufgelegt hat.

Natürlich haben wir nachts dann noch mit den Musikern, Tänzern und dem gesamten Eventteam gefeiert. Viereinhalb Stunden am Montag hin, viereinhalb Stunden zurück am Dienstag. Und zwischendrin wenig Schlaf, weil die Lawinenkanonen gingen. Nachmittags Kinderprogramm, Schule, lernen, Essen kochen.

Mittwoch

Mittwochmorgen dann mit Schlafdefizit zur ISPO. Spannend ohne Ende, tolle Frauen und Vorträge, unzählige Eindrücke.

Nachmittags Kinderprogramm, Schule, lernen, Essen kochen.

Donnerstag

Donnerstag den Blogpost zur ISPO schreiben und den Kundentermin am Freitag vorbereiten. Nachmittags Kinderprogramm, Schule, lernen, Essen kochen.

Freitag

Freitag: Ernsting’s family is in the house. Von 9:00 bis 18:30 volle Konzentration, schließlich gibt es viel zu tun. Abends: Rotwein und Beine hoch – aber mehr berieseln lassen, als Kraft gebende Entspannung. Ich bin durch. Und ja, das ist eine relativ normale Woche gewesen.

Und wo bin ich?

Wo ich da vorkomme? Also ich als Mensch und Frau mit Bedürfnissen, Hobbies, Lust auf Sport, Entspannung, Spaziergänge in der Natur und Treffen mit Freunden? Oder auf Meditation, Zeichnen, Yoga – was auch immer? Genau. Eigentlich gar nicht.

Früher – vor den Kindern – habe ich mir für all das Zeit genommen. Das ist schon irre, wie wir Frauen in dem Moment, wo wir Kinder bekommen, lernen, zurückstecken. Auf Funktionieren umschalten. Und unsere Bedürfnisse oft hintenanstellen.

Zum Glück habe ich einen Mann, der mich ganz nach vorne stellt. Der mir schon lange spiegelt, dass ich mir mehr Zeit für mich nehmen darf. Aber auch versteht, dass ich selbst so weit sein muss, das zu können. Dass ICH das verstehen muss. Zulassen können muss – und zwar ohne mich als Rabenmutter zu fühlen. Oder zu denken: Ich könnte echt mehr reißen. Denn es stimmt – ich könnte fast immer noch mehr reißen. Bis es mich dann vielleicht vor lauter Reißen irgendwann zerreißt. Und das will ich natürlich nicht.

Also: Freiheit und Freizeit. Davon nehme ich mir jetzt mehr. Passt ja auch gut zu meinem neuen Social Media Verhalten. Ich wollte euch das heute einfach wissen lassen, weil es tatsächlich Natalias Artikel war, der gestern dazu geführt hat, dass unser Spaziergang so schön und voller Wertschätzung war. Dass wir ins Reden und Denken gekommen sind.

So viele Blogger sind heute im Perfektionismuswahn unterwegs und deshalb sind Menschen wie Natalia mir wichtig und wert.

Ich wünsche mir, dass wir ehrlicher sagen, wie es ist. Mehr und liebevoller davon erzählen, wie echte Beziehungen aussehen. Wie es wirklich in den Familien zugeht. Welchen Herausforderungen wir begegnen. Denn tatsächlich ist es überall ähnlich. Aber voneinander lernen können wir nur, wenn wir es schaffen, das Schöne darin zu sehen. Den Alltag bewusst schätzen und gestalten. Jeden Tag zu einem gelungenen machen.

Nicht wegen der perfekt aussehenden Quiche, die wir auf Insta posten. Sondern wegen des Gefühls, das am Ende des Tages bleibt. Der Energie, die wir den Menschen gegeben haben, die wir lieben. Und der Freiheit, die wir uns bewusst genommen haben, um unsere Seele zu regenerieren.

In diesem Sinne

Eure Svenja

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